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19.07.2011

21:23 Uhr

Abhörskandal

Murdoch sieht kein Fehlverhalten

Nach der Puddingattacke des britischen Comedian Jonnie Marbles auf Rupert Murdoch ging die Anhörung vor dem Ausschuss des britischen Parlaments weiter. Rupert Murdoch weist die Schuld am Abhörskandal ab.

Die ehemalige Chefin der britischen Zeitungssparte des Murdoch-Imperiums, Rebekah Brooks. Quelle: dapd

Die ehemalige Chefin der britischen Zeitungssparte des Murdoch-Imperiums, Rebekah Brooks.

LondonDer Medienunternehmer Rupert Murdoch ist bei seiner Anhörung vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments zum Abhörskandal um die „News of the World“ angegriffen worden. Ein Demonstrant bespritzte den 80-Jährigen am Dienstag mit weißem Schaum.

Zuvor hatte der Unternehmer jegliche Verantwortung für den Hackerskandal bei seinen britischen Zeitungen zurückgewiesen und erklärt, er sei von den Verantwortlichen getäuscht worden. Bei den Angreifer handelt es sich Medienberichten zufolge um einen britischen Comedian namens Jonnie Marbles. Er hatte kurz zuvor über seinen Twitter-Account geschrieben, er werde das mit Abstand Beste tun, was er jemals gemacht habe. Der Mann wurde festgenommen, die Anhörung wurde nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt.

Murdoch erklärte, die „News of the World“ sei nur ein sehr kleiner Teil seines Unternehmens News Corp. gewesen, daher habe er die Vorgänge bei dem Boulevardblatt aus den Augen verloren. Spekulationen, er habe die „News of the World“ aus finanziellen Erwägungen mit Blick auf eine Fusion und einen Relaunch der „Sun“ eingestellt, wies er zurück. Sein Sohn James entschuldigte sich für den Abhörskandal und erklärte, diese Vorfälle entsprächen nicht den Standards, „die unser Unternehmen anstrebt“. Er sei überrascht und schockiert gewesen darüber, dass News Corp. die Anwaltskosten für einen Reporter gezahlt habe, der fremde Telefone abgehört hatte, sagte James Murdoch.

Der Journalist Clive Goodman wurde 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er die Mailboxen von Mitarbeitern des Königshauses gehackt hatte. Er habe nicht gemerkt, dass die Zahlungen an den „News of the World“-Journalisten gegangen seien, und sei sich nicht sicher, wer dafür verantwortlich gezeichnet habe, sagte James Murdoch. Die ehemalige Chefin der britischen Zeitungssparte des Murdoch-Imperiums, Rebekah Brooks, wies die Verantwortung für den Abhörskandal der „News of the World“ zu. Das Blatt habe ihr mitgeteilt, dass die Hacking-Vorwürfe gegen seine Journalisten unbegründet seien, sagte Brooks vor den Abgeordneten. Auf die Frage, ob sie von ranghohen Mitarbeitern der „News of the World“ angelogen worden sei, wollte sie nicht antworten.

Der überraschende Tod des Reporters Sean Hoare, der als erster zu dem Abhörskandal ausgepackt hatte, geht laut Polizei nicht auf Fremdverschulden zurück. Eine Autopsie habe keine entsprechenden Hinweise ergeben, hieß es am Dienstag. Hoare war am Montag in seiner Wohnung tot aufgefunden worden. Er hatte erklärt, der frühere „News of the World“-Chefredakteur Andy Coulson habe von der Abhörpraxis des Blattes gewusst. Coulson hatte für Premierminister David Cameron als Kommunikationschef gearbeitet und wurde im Zusammenhang mit dem Skandal inzwischen festgenommen. Die Londoner Polizei beauftragte unterdessen eine interne Überwachungsinstanz mit Ermittlungen gegen eine weitere Person aus den eigenen Reihen. Untersucht werden soll die Rolle des Leiters der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Dick Fedorcio, bei der Anstellung eines früheren „News of the World“-Mitarbeiters. Nach Angaben des zurückgetretenen Polizeichefs Paul Stephenson waren in der Presseabteilung zehn ehemalige Mitarbeiter von Murdochs Medienimperium beschäftigt.

Von

dapd

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