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19.09.2013

16:49 Uhr

Aderlass beim Personal

Blackberry außer Kontrolle

VonChristof Kerkmann

Blackberry kommt nicht zur Ruhe: Der Smartphone-Hersteller mit dem deutschen Chef Thorsten Heins will offenbar erneut massenhaft Mitarbeiter entlassen. Die Zukunft des Unternehmens ist ungewisser denn je.

Rettung gescheitert: Die neuen Geräte, die Blackberry-Chef Thorsten Heins Anfang des Jahres vorstellte, verkaufen sich offenbar nicht gut. dpa

Rettung gescheitert: Die neuen Geräte, die Blackberry-Chef Thorsten Heins Anfang des Jahres vorstellte, verkaufen sich offenbar nicht gut.

DüsseldorfEs ist symptomatisch. Blackberry kündigt sein „größtes, schnellstes und fortschrittlichstes“ Smartphone an. Mit dem Z30, so verheißt die Ankündigung, seien Nutzer jeder Aufgabe gewachsen und hätten „alles unter Kontrolle“. Doch die Technikwelt redet nicht über das Gerät, sondern über Gerüchte, dass der kanadische Konzern massiv Stellen streichen will. Der Werbeeffekt: fast verpufft.

Beim Smartphone-Hersteller läuft derzeit so viel schief, dass er selbst dringend ein Z30 gebrauchen könnte, um wieder die Kontrolle zu gewinnen. Denn der Absatz ist schwach, der Verlust hoch, der Zweifel an der Zukunft groß. Ein Sonderkomitee prüft derzeit Szenarien – auch ein Verkauf steht zur Debatte, wie ihn Nokia bereits vorgemacht hat.

Die Gerüchte über eine Massenentlassung, verbreitet vom „Wall Street Journal“, passen da ins Bild: Sie seien ein Zeichen dafür, dass Blackberry Geld verbrennt, schreibt der Analyst Ben Bajarin. Jetzt müsse gespart werden, damit das Geschäft weiterläuft, bis ein Käufer für das Unternehmen gefunden ist.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Blackberry wolle 40 Prozent der Stellen streichen, schreibt das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen. Betroffen seien alle Unternehmensbereiche. Schon im Sommer habe es kleinere Entlassungsrunden gegeben. Blackberry kommentierte den Bericht nicht und erklärte lediglich, es werde weiter „organisatorische Maßnahmen“ geben.

Sollte der Bericht stimmen, setzt sich ein beispielloser Talentverlust fort. Im Jahr 2011 hatte Blackberry bereits 2000 Mitarbeiter entlassen, 2012 weitere 5000. Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen noch hat, lässt sich nicht genau beziffern. Im März waren es 12.700, seitdem hat es keine Zahlen mehr veröffentlicht.

Doch womöglich hat der kanadische Konzern keine Alternativen. Wie das Geschäft derzeit läuft, wird er erst in der kommenden Woche mit seiner Zwischenbilanz offenlegen. Die Vorzeichen sind indes düster. „Im letzten Quartal ist der Absatz deutlich zurückgegangen“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Erhebung. Gerade die frischen Geräte mit dem neuen Betriebssystem BB10 hätten sich nur mäßig verkauft. „Das ist ein Hinweis dafür, dass das letzte Quartal schlecht gelaufen ist“, sagt Zimmermann.

Kommentare (4)

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19.09.2013, 18:09 Uhr

Die machen die Kodak im Schnelldurchgang.

Konkurs eine Frage von Monaten oder Wochen. Game over.

Account gelöscht!

19.09.2013, 19:58 Uhr

Könnte eine blutende und am Boden liegende Firma Blackberry ein interessanter Zukauf für SAP sein?

Unternehmensprozesse steuern vom Smartphone und Tablet könnte Zukunft haben, allerdings müssten evtl. Hintertüren für Geheimdienste verschlossen bzw. besser gar nicht vorhanden sein. Wenn man dann auch noch auf die eigene Fertigung, so ähnlich wie bei Apple, verzichtet könnte das sogar ein zusätzlicher Profitgenerator werden.

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19.09.2013, 22:46 Uhr

SAP ist zugegebenermaßen nicht sonderlich kreativ mehr, Börsianer sehen es genauso "the share is lying dead in the water". Aber so weit sind die noch nicht runter, daß man einen Beeren-Saftladen übernehmen müsste. Nonsens.

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