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21.12.2015

08:48 Uhr

Airbnb und die Voyeure

Der Spion in meinem Bett

VonAxel Postinett

Airbnb hat ein Voyeur-Problem: Versteckte Kameras zeichnen schon mal auf, was Übernachtungsgäste gerne für sich behalten würden. Aber die Gesetze sind schwammig. Jetzt zieht eine Deutsche in Kalifornien vor Gericht.

Dass Gäste per Kamera überwacht werden, ist bei Airbnb kein Einzelfall.

Unter Beobachtung

Dass Gäste per Kamera überwacht werden, ist bei Airbnb kein Einzelfall.

San FranciscoSo hatte Yvonne S. sich das nicht vorgestellt. Die Deutsche war 2013 Gast in einer über Airbnb vermittelten Wohnung im kalifornischen Irvine, als ihr Partner eine überraschende Entdeckung machte. Versteckt in einem Bücherregal hinter Kerzen zeichnete eine Webkamera anscheinend auf, was sie am Tage und in der Nacht so alles machten und besprachen. Geschockt verließen sie vorzeitig die Wohnung. Jetzt haben sie Klage gegen die Wohnungsbesitzer und die Online-Plattform aus San Francisco eingereicht.

Der Aufstieg von Web-Plattformen wie Homeaway oder Airbnb zusammen mit dem Internet der Dinge ergibt eine höchst brisante Mischung. Immer mehr Menschen wollen einen schnellen Euro oder Dollar machen, indem sie ihre Wohnung untervermieten. Gleichzeitig trauen sie aber niemandem über den Weg. Die scheinbare Lösung des Problems kommt von Firmen wie zum Beispiel Google: Permanente Totalüberwachung.

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Die Sicherheitslücke bei der vernetzten Barbie zeigt: Hacker greifen inzwischen auch die Spielwarenbranche an. Für Hersteller und Händler ist das eine neue Erfahrung. Experten raten: Finger weg von vernetztem Spielzeug.

Dropcam, ein Start-up, das die Google-Tochter Nest für eine halbe Milliarde Dollar gekauft hat, bietet die perfekte Spitzellösung. Eine preiswerte Webcam für unter 200 Euro mit einem Bewegungssensor hält alles fest, was in ihrer Umgebung passiert und sendet Wort und Bild per Wlan an jeden Ort der Welt. Die Homepage der mittlerweile Nestcam genannten Kamera verspricht „Live-Streaming 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche, verbesserte Nachtsichteigenschaften und Bewegungsmelder.“ Damit biete Nestcam „einem Blick auf alles, was zählt. Von überall her“.

Genau das fürchtet auch Yvonne S.: In der Klage, über die „The Recorder“ zuerst berichtete, gibt sie an, es seien „persönliche und intime Konversationen“ zwischen ihr und ihrem Partner aufgezeichnet worden. Nachts habe sie unbekleidet geschlafen und sei auch so durch die Wohnung gegangen und fühle sich zutiefst „gedemütigt“ und habe Angst, Aufnahmen von ihr könnten irgendwann im Internet landen. Ihr Partner gibt an, die Kamera habe sich zudem bewegt, was nahelege, sie sei von jemandem ferngesteuert gewesen.

Smart Home - Das schlaue Zuhause

Ein Begriff, viele Szenarien

Alle reden drüber, aber nicht alle meinen dasselbe: Smart Home ist ein populäres Thema in der  Elektronikbranche. Immer mehr Firmen bringen eigene Lösungen auf den Markt. Die Berater von Deloitte unterscheiden vier Kategorien.

Die eigenen vier Wände im Blick

Viele Lösungen ermöglichen es, Licht und Rollläden automatisch zu steuern. Hinzu kommen Sicherheitsfunktionen wie vernetzte Feuermelder und Sicherheitskameras. Die Auswahl ist bereits groß.

Platz für die Daten

Auch Speichersysteme für Computer und Smartphone zählen die Deloitte-Experten zum Smart Home. Auf diesen Miniservern können Nutzer ihre Daten, aber auch Filme und Musik ablegen und von überall aus im Haus darauf abrufen. 

Hilfe für die Oma

Smart-Home-Systeme können die Pflege älterer Menschen erleichtern, etwa mit einem Hausnotruf. Geräte für die Ferndiagnose sollen bei der Betreuung von Kranken helfen. Für den Bereich Pflege und Gesundheit gibt es bereits etliche Anwendungen. 

Energie und Geld sparen

Licht und Heizung aus, wenn man rausgeht: Intelligente Systeme können für mehr Energieeffizienz sorgen. Perspektivisch könnte auch der Trockner automatisch anspringen, wenn Strom billig ist. Angesichts der hohen Komplexität sei der Bereich "Smart Energy" aber am Anfang, so  Deloitte. 

Komplettpaket oder Standard?

Schon jetzt gibt es Anbieter, die kaufkräftigen Kunden eine Wunschlos-Glücklich-Lösung einbauen – Deloitte definiert das als Luxussegment. Zunehmend kommen aber Pakete auf den Markt, mit denen Käufer relativ günstig smarte Funktionen nachrüsten können.

Gedacht als Sicherheits-Tool, um Haus oder Wohnung während einer Abwesenheit zu beobachten und Einbrecher zu stellen, haben sich Geräte wie Nestcam wohl zum Liebling paranoid-misstrauischer „Gastgeber“ von Wohnraum-Vermittlern wie Airbnb entwickelt. Denn die Klage des deutschen Bespitzelungsopfers ist nicht der erste Fall. Im Januar berichtete der „Observer“ von einem Airbnb-Kunden, der auf der Diskussionsplattform Reddit Fotos einer sorgsam versteckten Webcam aus einem Mietobjekt zeigte. Schon damals sprach Airbnb davon, man habe „Null Toleranz“ in solchen Dingen.

Das mit 25 Milliarden Dollar bewertete Start-up nimmt die Sache sehr ernst. Es verpflichtet seine „Gastgeber“, sich genau mit den lokalen Gesetzen vertraut zu machen, bevor Überwachungstechnik eingesetzt wird. Gegenüber „Mashable“ äußerte sich ein Sprecher so: „Wir können uns zum aktuellen Fall nicht äußern. Wir erwarten aber, dass die Privatsphäre unserer Gäste respektiert wird. Alle Überwachungsmaßnahmen im und um ein Objekt müssen angezeigt werden, um notfalls eine Genehmigung einzuholen.“ Aber können die Vermittler solche Vorfälle überhaupt verhindern?

Der Wunsch nach Überwachung ist in gewisser Weise nachvollziehbar. Oft sind private Gegenstände oder Wertsachen im Haus, vielleicht teure Gemälde an der Wand. Immer wieder machen zudem Horrorgeschichten die Runde, in denen Airbnb-Wohnungen für ein paar Wochen als „Pop-up-Bordell“ betrieben werden oder Hausbesitzer ihren Lebenstraum als Kulisse eines Pornofilms im Internet wiederfinden. Wird dann gegen den Mieter ermittelt, stellt sich heraus, dass seine Facebook-Seite zur „Beglaubigung“ ein Fake ist. Nicht zuletzt brennt immer mal wieder die Frage auf, ob nach Auszug eines „Gastes“ irgendetwas fehlt oder beschädigt ist oder der „Gastgeber“ nur angebliche Mängel vorschiebt, um die Kaution einbehalten zu können.

Kommentare (3)

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Herr M. M.

21.12.2015, 12:11 Uhr

Eine schöne Idee wäre doch auch,sich als Gast in einer Ferienwohnung,den Urlaub vom Vermieter zahlen zu lassen,indem man seine eigene Webcam mitbringt und den Vermieter mit diesem "Beweisstück" verklagt.Das würde auch den Hotels wieder eine faire Zukunft sichern,denn die saftigen Schmerzensgelder,die verhängt würden,für die Überwachung der Gäste,würden es dem Vermieter schon vergellen,mit seiner Miet-oder Eigentumswohnung einen horrenden Profit zu machen.

Herr x y

21.12.2015, 15:51 Uhr

Das kommt davon, dass Männer keinen Hut mehr tragen. Den könnte man immerhin über das webcam stülpen und hätte dann seine Ruhe.

Account gelöscht!

21.12.2015, 16:04 Uhr

Man hört, daß jetzt auch Barbi zusätzlich zum WLan mit einer Kamera geliefert
werden kann. Die Puppe soll in den Größen ab 1,5 Meter bestellt werden können.

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