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17.10.2014

08:52 Uhr

Airbnb unter Druck

Zwei Drittel aller Vermittlungen sind illegal

Airbnb vermittelt gegen Provision Apartments, Zimmer oder Betten. Doch immer mehr kommerzielle Unternehmen unterwandern das System. Eine Analyse der Staatsanwaltschaft bescheinigt Airbnb ein vernichtendes Zeugnis.

Über Airbnb können Mieter ihre Wohnung oder einzelne Zimmer untervermieten. Doch das Unternehmen hat Ärger mit der Hotellobby und der Staatsanwaltschaft. AFP

Über Airbnb können Mieter ihre Wohnung oder einzelne Zimmer untervermieten. Doch das Unternehmen hat Ärger mit der Hotellobby und der Staatsanwaltschaft.

New YorkDas Mitwohnportal Airbnb gerät in New York weiter unter Druck. Etwa zwei Drittel der Angebote auf der Plattform seien in den vergangenen vier Jahren illegal gewesen, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung von Bundesanwalt Eric Schneiderman. Dadurch seien der Stadt über 33 Millionen Dollar (26 Millionen Euro) an Hotelsteuern entgangen. Schneiderman kündigte eine Initiative gegen die illegalen Vermietungen an.

Airbnb zählt wie die Fahrdienst-App Uber zu den Größen der „Sharing Economy“, die das Teilen zum Prinzip macht, aber von profitstrebenden Unternehmen dominiert wird. Airbnb vermittelt im Internet gegen Provision Apartments, Zimmer oder Betten. Der Stadt New York ist das schon lange ein Dorn im Auge, Staatsanwalt Schneiderman liegt mit der Firma im Dauerclinch.

Nun hat sein Büro Daten von 16.000 Vermietern über den Zeitraum von Januar 2010 bis Juni 2014 ausgewertet, die es Airbnb nach einigem Hickhack per rechtlicher Verfügung abnehmen konnte. Das Ergebnis: 72 Prozent der vermittelten Angebote sollen gegen Gesetze verstoßen haben. Die Plattform werde von kommerziellen Vermietern unterwandert. Diese Großanbieter seien zwar nur sechs Prozent der gesamten Nutzer, machten aber 37 Prozent des Umsatzes aus.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Etliche bei Airbnb vermietete Apartments würden das ganze Jahr über als illegale Hostels betrieben, heißt es in Schneidermans Bericht. Ein einziger Nutzer habe 272 Wohnungen angeboten und damit 6,8 Millionen Dollar umgesetzt. Alleine durch ihn habe Airbnb fast 800.000 Dollar an Gebühren eingenommen. Das Unternehmen sagt, es habe mittlerweile Vorkehrungen gegen kommerzielle Nutzung getroffen.

Schon bevor Airbnb Schneiderman die Nutzerdaten im Mai aushändigte, hatte es etwa 2000 Angebote von seiner Website geschmissen. Am Donnerstag kommentierte Sprecher Nick Papas die Untersuchung auf Twitter mit den Worten: „Zur Erinnerung: Airbnb will Hotelsteuern in New York einsammeln“. Das Unternehmen behauptet, die Hotellobby wolle dies verhindern, damit Airbnb sich nicht dauerhaft als Wettbewerber etablieren kann.

New York ist einer der größten und wichtigsten Märkte für Airbnb. Nachdem sich der Konflikt zuspitzte, überzog die Firma die Stadt im Sommer mit Werbeplakaten. Doch eine weitere Eskalation dürfte kaum zu verhindern sein. Dass es auch anders geht, zeigte sich jüngst am Stammsitz in San Francisco. Dort müssen sich Vermieter jetzt bei der Stadt anmelden und Hotelsteuern bezahlen. Sie dürfen ihre Wohnungen nicht länger als 90 Tage untervermieten, wenn sie selbst nicht dort sind. Doch in New York ist das Mietrecht deutlich vertrackter.

Von

dpa

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