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03.12.2016

08:14 Uhr

Aixtron

Obama stoppt Übernahme durch chinesischen Investor

Die USA wollen China auch über den deutschen Umweg keinen Zugang zur Hochtechnologie des Silicon Valley geben. Das stellte Obama am Freitag klar. Die USA fürchten, China könne die Aixtron-Produkte militärisch nutzen.

Endgültig vom Tisch: Das deutsche Chip-Unternehmen darf nicht an die Chinesen verkauft werden. Die USA wollen es nicht. Reuters

Das Logo der Aixtron SE auf dem Hauptquartier in Herzogenrath

Endgültig vom Tisch: Das deutsche Chip-Unternehmen darf nicht an die Chinesen verkauft werden. Die USA wollen es nicht.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat die Übernahme des deutschen Chipanlagenbauers Aixtron durch einen chinesischen Investor aus Sicherheitsgründen untersagt. Obama habe eine entsprechende Anordnung erlassen, teilte das Finanzministerium am Freitag in Washington mit. In dem seit Jahren Verluste schreibenden Unternehmen könnten nun Arbeitsplätze abgebaut werden. Experten bezweifeln, dass Aixtron selbstständig überleben kann.

Die chinesische Fujian Grand Chip Investment wollte 676 Millionen Euro für das Unternehmen aus Herzogenrath ausgeben, das gut 700 Mitarbeiter hat. Aixtron wollte sich so einen finanzkräftigen Partner an Land ziehen, um Geld für Forschung und Entwicklung sowie eine Auslandsexpansion zu erhalten. Zudem erhoffte man sich Zugang zum milliardenschweren chinesischen Markt, auf dem sich auch amerikanische Konkurrenten wie Veeco oder Applied Materials tummeln.

Die jetzige Entscheidung Obamas bezieht sich zwar nur auf das US-Geschäft von Aixtron. Ein Firmensprecher hatte aber erst am Freitag erklärt, wenn Obama die Übernahme untersage, „ist die Transaktion in der jetzigen Form geplatzt". Das Finanzministerium begründete die Entscheidung mit der nationalen Sicherheit der USA. Das Fachwissen und die Erfahrung von Aixtron könne auch für Militärtechnik verwendet werden. Konkret geht es offenbar um ein geheimes Verfahren zur Herstellung von Galliumnitrid, das etwa bei der Modernisierung des Raketenabwehrsystems Patriot zum Einsatz kommt.

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Die Ablehnung Obamas war keine Überraschung mehr, weil bereits der US-Regierungsausschuss CFIUS empfohlen hatte, die Übernahme zu verbieten. Gegenwind bekam Aixtron aber auch aus Deutschland: Mitten im laufenden Angebotsverfahren zog Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Oktober eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zurück und kündigte eine intensive Prüfung an. Diese laufe unabhängig von der US-Entscheidung weiter, betonte ein Sprecher des Ministeriums.

Barack Obama hat nur deshalb ein entscheidendes Mitspracherecht, weil das deutsche Unternehmen eine Tochter im kalifornischen Silicon Valley hat. Ohne das amerikanische Know How aus dem Valley wollen die Chinesen Aixtron aber nicht kaufen. Das hatten sie bereits klargemacht. Ein Verkauf der US-Aktivitäten wäre also keine Lösung gewesen. Aixtron hat in Deutschland etwa 750 Beschäftigte, in den USA sind es rund hundert Mitarbeiter an einem Standort in Kalifornien.

Es ist erst das dritte Mal seit 1990, dass ein US-Präsident eine Firmenübernahme durch einen ausländischen Investor wegen Sicherheitsbedenken verhindert. Ein Aixtron-Sprecher wollte auf Anfrage zunächst keinen Kommentar zu der Entscheidung abgeben. Die chinesische Seite hatte bis zuletzt für die Übernahme geworben. Diese sei ein normaler Zusammenschluss von Firmen und habe rein wirtschaftliche Motive, hieß es.

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