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23.05.2016

11:52 Uhr

Aixtron vor Übernahme

Chinesen bieten 676 Millionen Euro für Chip-Anlagenbauer

Der angeschlagene Chip-Anlagenbauer Aixtron soll von Investoren aus China übernommen werden. Fujian Grand Chip Investment hat ein Angebot vorgelegt. Aixtron hofft nun auf neue Investitionen.

Chinesische Investoren wollen den Chip-Anlagenbauer übernehmen. PR

Aixtron

Chinesische Investoren wollen den Chip-Anlagenbauer übernehmen.

DüsseldorfDer Aachener Chipanlagenbauer Aixtron hat mit dem chinesischen Investmentfonds FGC einen Käufer gefunden. Aixtron-Chef Martin Goetzeler hofft nach vier verlustreichen Jahren mit Hilfe des Investors Fujian Grand Chip Investment (FGC) aus der Misere zu kommen.

„Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen das Angebot. Es kommt zur richtigen Zeit“, sagte Goetzeler am Montag. Er betonte: „Die Transaktion ist nicht darauf gerichtet, Kosten zu senken oder Mitarbeiter abzubauen.“ Vielmehr werde FGC Aixtron einen besseren Zugang zum chinesischen Markt ermöglichen und das dringend nötige Kapital für Forschung und Entwicklung beisteuern. Aixtron war Insidern zufolge seit Monaten auf der Suche nach einem finanzkräftigen Partner.

FGC bietet bis zu 676 Millionen Euro für das 1983 aus der RWTH Aachen hervorgegangene Unternehmen mit seinen rund 750 Mitarbeitern. Die Kaufofferte liegt mit 6,00 Euro je Aktie gut 25 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag, der bereits von Spekulationen über eine Übernahme getrieben worden war. Offiziell soll das Angebot im Juli vorgelegt worden. Die Übernahme kommt nur dann zustande, wenn die Chinesen mit der Offerte auf mindestens 60 Prozent an Aixtron kommen.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

An der Börse kamen die Pläne gut an: Die im Technologieindex TecDax notierten Papiere schnellten zu Wochenbeginn um knapp 16 Prozent auf 5,61 Euro nach oben. Analyst Tim Wunderlich von Hauck & Aufhäuser betonte, das Angebot sei sehr attraktiv. Eine Gegenofferte eines Konkurrenten wie Veeco ist seiner Einschätzung nach nicht zu erwarten.

Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank nannte eine Übernahme durch FGC eine große Entlastung für Aixtron. Allerdings sei unsicher, ob die US-Behörden dem Deal zustimmen werden. Tammy Qiu von Berenberg rechnet dagegen mit keinen großen Hürden durch die Behörden. Die wichtigsten Regionen seien die Länder China, Taiwan, Südkorea und Deutschland, von denen eine Genehmigung sehr wahrscheinlich sei.

Aixtron-Chef Goetzeler, der nach der Vereinbarung mit FGC im Amt bleiben soll, sicherte zu, dass es keinen Abfluss von Know-how nach China geben werde. Das sei mit FGC schriftlich vereinbart worden. Der Firmensitz solle in Herzogenrath bleiben, die Forschungszentren in Herzogenrath, Cambridge (Großbritannien) und Sunnyvale (USA) erhalten bleiben. Die Chinesen wollten Aixtron operativ unangetastet lassen aber nach der Übernahme mit vier Vertretern in den sechsköpfigen Aufsichtsrat einziehen.

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Chinas Konzerne lassen sich bei ihrer weltweiten Expansion nicht von schwachen Bilanzen bremsen. Trotzdem kommen Giganten wie etwa Chemchina recht einfach an Geld.

Aixtron produziert überwiegend Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, Automobilindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. Der Trend ist ungebrochen, doch die Chipanlagenbauer wie Aixtron oder Veeco warten seit längerem auf einen neuen Investitionszyklus.

Nach etlichen Boomjahren mit Umsätzen von bis zu 780 Millionen Euro schreibt Aixtron daher seit 2012 tiefrote Zahlen. Der Vorstand steuerte mit Stellenabbau gegen. Hoffnungen auf eine Trendwende hatten sich im Dezember zerschlagen, als der chinesische Leuchtdiodenhersteller San'an Optoelectronics seinen Großauftrag über 50 Anlagen auf drei Maschinen zusammenstrich.

FGC ist ein chinesischer Investmentfonds. Die Mehrheit daran hält der Geschäftsmann und Investor Zhendong Liu, den Rest die regionale Investmentgesellschaft Xiamen Bohao. Sie steuern ein Drittel des Kaufpreises in Form von Eigenkapital bei, der Rest wird mit Krediten finanziert. Dahinter steht laut Finanzkreisen der chinesische Staatsfonds Sino IC, der speziell in die Chip-Branche investieren soll. Aixtron ist für ihn das erste große Investment.

Von

rtr

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