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24.07.2015

06:11 Uhr

Aktie legt zweistellig zu

Amazon und die Karotte für die Wall Street

VonAxel Postinett

Amazon kann auch Geld verdienen. Ein völlig überraschender Gewinnausweis zusammen mit hohen Umsatzsteigerungen lässt die Wall Street verrückt spielen. Die Aktie schießt in die Höhe. Und das liegt auch an Deutschland.

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San FranciscoEigentlich ist es ein Witz: Ganze 92 Millionen Dollar Nettogewinn hat Amazon-CEO Jeff Bezos im zweiten Quartal 2015 aus 23 Milliarden Dollar Umsatz herausgequetscht. Zum Vergleich: Apple hat gerade unfassbare 10,7 Milliarden Dollar Reingewinn innerhalb von drei Monaten gemeldet - und muss sich Kursverluste gefallen lassen.

Doch der Unterschied ist: Bei Apple hatte jeder den Gewinn erwartet, Bezos hat die gesamte Börsenwelt überrascht, und schon dreht die Wall Street durch wie das Kaninchen mit der Karotte vor der Nase. Im Jahr zuvor hatte Amazon netto noch 126 Millionen Dollar verloren und für dieses Quartal hatten Analysten erneut ein Minus von im Schnitt 50 Millionen Dollar befürchtet. Bezos selbst hatte erklärt, sein Unternehmen sei weiter im „Investitionsmodus“, eine fröhliche Umschreibung für Ausgaben, die die Einnahmen bei weitem übersteigen. Und an Verluste sind Amazon-Aktionäre ohnehin gewöhnt.

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Doch dem war diesmal nicht so. Er scheint also da zu sein, der geheime Schalter, den Bezos nur umzulegen braucht, und schon sprudeln die Gewinne.  An der Wall Street gab es kein Halten mehr. Die Aktie, die ohnehin schon über 50 Prozent seit Jahresanfang zugelegt hatte und während des normalen Handels noch um 1,25 Prozent nachgegeben hatte, stieg raketenartig um weitere 18 Prozent im nachbörslichen Handel auf bis zu 563 Dollar. Das stellt nicht nur einen neuen Rekord dar, wenn die Ein-Tages-Hausse an der Wall Street am Freitag bestätigt wird. Damit wäre Amazon mit einer Marktkapitalisierung von über 263 Millionen Dollar wertvoller als Walmart, der größte Handelskonzern der Welt, der auf 234 Milliarden Dollar kommt. Nur Netflix ist an der Börse dieses Jahr noch stärker gestiegen als Amazon.

Der überraschende Gewinn stammt allerdings nicht vornehmlich aus dem Verkauf von DVDs, Gemüse, Computerkabeln oder Büchern. Besonders der Cloud-Service AWS, der Rechenleistung und Speicher im Internet für Unternehmen darstellt, entwickelt sich zur Umsatz- und Gewinnmaschine.

Es ist erst das zweite Mal, dass AWS gesondert Zahlen vorlegt, 20 Jahre lang war der Dienst verschämt unter „Sonstiges“ vergraben worden. Jetzt zeigt sich ein Umsatzplus von gnadenlosen 81 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Betriebsgewinn der Sparte vervierfachte sich sogar auf 371 Millionen Dollar. Damit kann man viele subventionierte Preise im Handelsgeschäft kompensieren und offenbar sogar noch etwas übrig behalten.

Amazon in Zahlen

Umsatz

88,99 Milliarden Dollar (2013: 74,45 Milliarden Dollar)

Ergebnis

241 Millionen Dollar Verlust (2013: 274 Millionen Dollar Gewinn)

Mitarbeiter

Rund 154.100 fest und zeitweise angestellte Beschäftigte. Die Zahl schwankt im Jahresverlauf deutlich mit Ausschlägen vor allem zum Weihnachtsgeschäft.

Märkte

62,33 Prozent der Erlöse machte Amazon 2014 im Heimatmarkt USA (Anteil 2013: 59,8 Prozent). In Deutschland gab es nach Umrechnung in US-Währung einen Jahresumsatz von 11,9 Milliarden Dollar (2013: 10,535 Milliarden Dollar).

Steuern

Amazon stellte 2014 laut Jahresbericht 167 Millionen Dollar für die Einkommensteuer zurück (2013: 161 Millionen Dollar)

Der Trend zeigt zugleich, dass Cloud-Computing auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Das erst im Oktober eröffnete Großrechenzentrum für Europa in Frankfurt ist der Cloud-Bereich mit den „größten Wachstumsraten“. AWS-Deutschlandchef Martin Geier erklärte gegenüber dem Handelsblatt, warum: „Wenn wir heute mit Unternehmen reden“, sagt er, „dann ist die Frage längst nicht mehr ob, sondern nur noch wie schnell wir sie in die Cloud bringen können.“

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Vor 20 Jahren hat Jeff Bezos mit Amazon sein erstes Buch verkauft. Heute versucht der weltgrößte Online-Händler, sich im Alltag der Kunden auszubreiten. Den deutschen Gewerkschaften ist nicht zum Feiern zumute.

Der Cloudservice AWS des früheren Buchhändlers treibt mittlerweile Konkurrenten aus der High-Tech-Industrie wie IBM oder Microsoft vor sich her. Auch Google versucht seit langem verzweifelt ein Bein im Cloud-Computing auf den Boden zu bekommen, hat einen Preiskrieg nach dem anderen mit Amazon angezettelt, aber fällt immer weiter zurück.

Kommentare (2)

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Herr Torsten Irion

24.07.2015, 09:36 Uhr

"kleiner Gewinn, Börse dreht durch": je nun, mal abgesehen vom reißerischen Wording: bei 23Mrd Umsatz sind 100Mio Gewinn oder Verlust eher das Rauschen im Zahlenwerk der Bilanz

Herr Marc Otto

24.07.2015, 11:24 Uhr

Wenn schon solche kleinen Gewinne als MEGA heraus gestellt werden, kann man sich ja schon denken, was die weietren Q-Berichte ergeben werden.

Ich glaube, die Ami-Wirtschaft hat sich nicht ganz so gutr erholt, wioe es aussieht. Und jetzt wo die QE Droge nicht mehr verabreicht wird, trennt sich langsam die Spreu vom Weizen.

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