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09.02.2017

15:38 Uhr

Aktie stürzt ab

Selbst Trump kann Twitter nicht retten

Wenn Donald Trump twittert, beben Börsen und Konzerne. Doch das soziale Netzwerk kann von der hohen Aufmerksamkeit nicht profitieren. Erneut bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück, die Verluste werden größer.

Der Quartalsverlust des Unternehmens wuchs im abgelaufenen Quartal auf 167 Millionen Dollar. dpa

Twitter

Der Quartalsverlust des Unternehmens wuchs im abgelaufenen Quartal auf 167 Millionen Dollar.

San FranciscoTwitter hat im vergangenen Quartal nicht von der weltweiten Aufmerksamkeit für den US-Wahlkampf und die Tweets von Donald Trump profitieren können. Das Wachstum bei Nutzerzahlen und Umsatz verlangsamte sich sogar, der Verlust nahm deutlich zu. Firmenchef Jack Dorsey kündigte einen radikalen Umbau des Werbegeschäfts an, um die Einnahmen zu steigern. Die Aktie fiel am Donnerstag in einer ersten Reaktion um rund zehn Prozent.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer legte im Schlussquartal 2016 nur um 2 Millionen auf 319 Millionen zu. Vielleicht am überraschendsten: In den USA gab es gar keinen Zuwachs, es blieben unverändert 67 Millionen Nutzer.

Selbst im dritten Quartal hatte Twitter noch mehr Nutzer dazugewonnen: Vier Millionen weltweit und davon eine Million in den USA. Dabei hatte Trump sowohl auf der Zielgeraden des Wahlkampfs bis November und auch in seinen ersten Wochen als Präsident für viel Aufsehen mit seinen umstrittenen Twitter-Nachrichten gesorgt.

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„Die Nutzung von Twitter durch den Präsidenten hat das Verständnis dafür erhöht, wie die Plattform genutzt werden kann sie zeigt die Macht von Twitter“, sagte dazu Top-Manager Anthony Noto, Dorseys rechte Hand, in einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Ergebnisse. Zugleich sei angesichts der Dimensionen von Twitter nicht davon auszugehen, dass ein Ereignis oder eine Person die Zahlen bei der Anzeige von Tweets deutlich bewegen könnten, schränkte Noto ein.

„Wenn der Trump-Effekt kein Wachstum der Nutzerzahlen bringt, was kann es dann?“, kommentierte dagegen Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities die Zahlen. Sein Kollege Richard Kramer von Arete Research vermutet sogar, dass Trump schlecht für das Twitter-Geschäft sein könnte. Seine Tweets seien möglicherweise so polarisierend, dass sie Werbekunden abschreckten, sagte er im US-Sender CNBC.

Die Werbeeinnahmen - Twitters wichtigste Geldquelle – sanken im Jahresvergleich leicht von 641 auf 638 Millionen Dollar. In den USA fielen sie sogar von 410 auf 382 Millionen Dollar. Dabei ist das Weihnachtsgeschäft traditionell ein gutes Quartal für Online-Werbung.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Dorsey räumte ein, dass die Zahlen möglicherweise Erwartungen enttäuscht hätten, und legte den Akzent aber auf die gesellschaftliche Bedeutung seiner Plattform. „Eine Sache wächst: Der Einfluss von Twitter. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht von Twitter hört“, betonte er in der Telefonkonferenz. „Ich war noch nie mehr überzeugt von dem Wert von Twitter für die Welt.“ Der Dienst wolle unter anderem mit Hilfe selbstlernender Maschinen den Nutzern besser für sie relevante aktuelle Nachrichten anzeigen. Es gehe um die „Superpower, der kleine Vogel zu sein, der einem etwas erzählt hat, was man nirgendwo sonst erfahren hätte“, sagte Dorsey in Anspielung auf das Twitter-Logo.

Die Zahlen des vergangenen Quartals fielen angesichts dieser großen Ambitionen umso ernüchternder aus. Mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent auf insgesamt 717,2 Millionen Dollar verfehlte der Kurznachrichtendienst die Erwartungen der Analysten. Der Quartalsverlust wuchs unterdessen auf 167 Millionen Dollar von 90 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Im gesamten vergangenen Jahr verlor Twitter damit knapp 457 Millionen Dollar nach bereits 521 Millionen Dollar 2015. Auch die Prognose sieht düster aus: Für das erste Quartal 2017 rechnet das Unternehmen ebenfalls mit einem deutlichen Umsatzrückgang.

Der Kurznachrichtendienst kämpft schon seit längerem mit verlangsamtem Wachstum und roten Zahlen. Dorsey will den Dienst neben aktuellen News auch stärker auf Videoinhalte ausrichten und erwarb dafür unter anderem die Online-Übertragungsrechte für Donnerstags-Spiele der Football-Liga NFL. Zuletzt seien rund 600 Stunden Live-Video über den Dienst übertragen worden, hieß es. Allerdings sah sich mit 31 Millionen Nutzern nur rund jeder Zehnte etwas davon an.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.02.2017, 17:17 Uhr

"Herr Max Marx08.02.2017, 10:50 Uhr
@ Marc Hofmann
Selten so einen unqualifizierten Unsinn gelesen!!!
Autonomes Fahren ist weit mehr als nur programmieren. Das Programmieren ist in diesem Bereich ein Hilfsjob. Die wahren Macher sind die Bauteileentwickler & Applikateure. Mal informieren ... bevor du Märchen postest."

@Max Marx
ich poste keine Märchen,
sondern nur die Wahrheiten über die grünsozialistische Merkelregierung.
Was wäre ich froh, wenn wir so lupenreine Demokraten wie Putin oder Trump an der macht hätten.
Aber wir haben ja nur einen zaudernden Hosenanzug.
Danke

Account gelöscht!

09.02.2017, 17:17 Uhr

"Herr Max Marx08.02.2017, 10:50 Uhr
@ Marc Hofmann
Selten so einen unqualifizierten Unsinn gelesen!!!
Autonomes Fahren ist weit mehr als nur programmieren. Das Programmieren ist in diesem Bereich ein Hilfsjob. Die wahren Macher sind die Bauteileentwickler & Applikateure. Mal informieren ... bevor du Märchen postest."

@Max Marx
ich poste keine Märchen,
sondern nur die Wahrheiten über die grünsozialistische Merkelregierung.
Was wäre ich froh, wenn wir so lupenreine Demokraten wie Putin oder Trump an der macht hätten.
Aber wir haben ja nur einen zaudernden Hosenanzug.
Danke

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