Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2012

12:46 Uhr

Aktien für Konzernchef

Friede Springer macht Döpfner Millionen-Geschenk

Der „Bild“- und „Welt“-Herausgeber erhält von Verlegerin Friede Springer ein Aktienpaket im Wert von mehr als 70 Millionen Euro. Der Vorgang ist einmalig in der deutschen Mediengeschichte.

Friede Springer und der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner posieren während der Geburtstagsfeier der Verlegerin am Mittwoch. dapd

Friede Springer und der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner posieren während der Geburtstagsfeier der Verlegerin am Mittwoch.

BerlinVerlegerin Friede Springer macht dem Chef des Medienkonzerns Axel Springer, Mathias Döpfner, ein großzügiges Geschenk. Wie der „Bild“- und „Welt“-Herausgeber am Freitag mitteilte, schenkt Friede Springer dem Konzernchef knapp zwei Millionen Springer-Aktien. Die Transaktion wurde am Dienstag, einen Tag vor Friede Springers 70. Geburtstag abgewickelt.

Am Mittwoch hatte Springer unter anderem im Beisein von Döpfner und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin ihren 70. Geburtstag gefeiert. Über das Aktiengeschäft war zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt geworden.

Vertrag verlängert: Diekmann bleibt „Bild“-Chefredakteur

Vertrag verlängert

exklusivDiekmann bleibt „Bild“-Chefredakteur

Kai Diekmann bleibt bis mindestens 2017 „Bild“-Chefredakteur. Sein Vertrag wurde um weitere fünf Jahre verlängert. Die Verlängerung setzt Gerüchten ein Ende, Diekmann werde nicht mehr lange Chef des Blattes sein.

Die Aktie notierte am späten Vormittag bei 37,53 Euro. Bei diesem Kurswert entspricht das Geschenk einer Summe von rund 73 Millionen Euro.

Der von Friede Springer kontrollierte Anteil am Verlagskonzern schrumpft nun nach Konzernangaben auf knapp 51,4 Prozent, Döpfner hält 3,26 Prozent. An den Mehrheitsverhältnissen ändert sich damit nichts. Unternehmensinsider sahen in der Schenkung ein Zeichen dafür, dass Springer Döpfner langfristig ans Unternehmen binden will. Bisher hat sich Friede Springer noch nicht zu einer Nachfolgeregelung geäußert.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Friede Springer hatte Döpfner 2006 zum Miteigentümer gemacht. Damals kaufte er zwei Prozent am Verlag für rund 50 Millionen Euro. Einen Teil der Papiere erhielt Döpfner dabei zum Sonderpreis. Döpfner finanzierte den Kauf damals mit einem Kredit. Schon in der Vergangenheit gab es mit Günter Prinz und Peter Tamm beim Springer-Verlag Manager, die Anteile hielten. Der Verlagsgründer Axel Springer hatte ihnen die Papiere als Zeichen des Vertrauens geschenkt.

In der vergangenen Woche hatte der Konzernchef für das erste Halbjahr Rekordzahlen vorgelegt. So hatte der Verlag Axel Springer dank steigender Werbeerlöse und Erfolge im Internet von Januar bis Juni mit 1,62 Milliarden Euro einen um 6,2 Prozent höheren Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 5,6 Prozent auf 159,6 Millionen Euro. „So profitabel war die Axel Springer AG in einem ersten Halbjahr noch nie“, hatte Döpfner bei der Vorlage der Zahlen gesagt. Insgesamt sei es ein „außergewöhnlich erfolgreiches erstes Halbjahr“ gewesen.

Friede Springer: Knallharte Unternehmerin mit Herz

Friede Springer

Knallharte Unternehmerin mit Herz

Die Verlegerin ist eine der mächtigsten Unternehmerinnen des Landes. Heute wird sie 70.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

OnkelSam

17.08.2012, 12:21 Uhr

Es ist ja schon länger bekannt, dass es bei unseren Eliten nicht mehr um Leistung geht -- das ist nämlich nur noch was für Hartz IV Empfänger und Arbeitnehmer --, sondern um deren Refeudalisierung.

Account gelöscht!

17.08.2012, 12:26 Uhr

Er ist für AS ein guter CEO, zudem noch sehr sympathisch.
Es sei ihm gegönnt.
In unserer einzigartigen Neid-und Meckergesellschaft war es allerdings nicht anders zu erwarten, dass die Gutmenschen und Moralapostel dieses Landes zum Angriff blasen.

Ich schaue mich genau aus diesem Grund auch gerade nach Immobilien in Monaco um.
Dieses ewige Herumgenörgel bei wirklich jeder noch so kleinen Meldung geht mir einfach nur noch auf die Nerven.

Merkur

17.08.2012, 12:46 Uhr

Bei der jetzt fälligen Schenkungssteuer könnte bald das Finanzamt Aktionär sein. Für diese Schenkung dürfte die höchste Steuerklasse anzurechnen sein, was dazu führt, dass der Beschenkte entweder einen Teil der geschenkten Aktien zu Geld macht, um die Steuer zu zahlen oder die Schenkungssteuer aus seinem Privatvermögen zahlt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×