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12.12.2015

01:16 Uhr

Alibaba-Gründer kauft Zeitung

Jack Ma wird Medienmogul

VonStephan Scheuer

Alibaba-Gründer Jack Ma hat ein Online-Imperium, einen Fußballclub und jetzt auch die renommierteste Zeitung Hongkongs. Mit dem jüngsten Kauf mausert sich Ma zur Medienmacht – und bringt sich in eine schwierige Position.

Die Website der "South China Morning Post" mit dem Konterfei von Jack Ma: Der Alibaba-Gründer hat sich eine Zeitung gekauft. Reuters

South China Morning Post

Die Website der "South China Morning Post" mit dem Konterfei von Jack Ma: Der Alibaba-Gründer hat sich eine Zeitung gekauft.

PekingJack Ma tritt in die Fußstapfen von Amazon-Chef Jeff Bezos. Wie der US-Amerikaner schöpfte Ma sein Vermögen im Onlinehandel. Und wie Bezos dehnt auch Ma seinen Einfluss in die Medienbranche aus. Nachdem Bezos 2013 die angeschlagene „Washington Post“ übernahm, kündigte Alibaba am Freitag den Kauf der traditionsreichen Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ (SCMP) an.

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Die Fusion passt ins Bild. Denn Jack Ma dehnt seit Jahren sein Firmenimperium immer weiter in die Medienbranche aus. Im März 2013 war Alibaba laut chinesischen Berichten bei „eBusiness Review“ eingestiegen, eine Publikation nach dem Vorbild des „Harvard Business review“.

Im Juni 2014 folge eine Beteiligung an dem Unternehmen Huxiu, das einige der in China erfolgreichsten Technologie- und Wirtschaftsblogs betreibt. Im Juni dieses Jahres investierte Alibaba 193 Millionen Dollar in das chinesische Finanznachrichtenportal China Business Network und übernahm wenig später vier Fünfteln der großen chinesischen Videoplattform Youku.

Bisher steht die „SCMP“ für kritische China-Beobachtung

Mit der „SCMP“ hat sich Jack Ma ein besonderes Medium an Land gezogen. Denn das 112 Jahre alte Blatt gilt als das entscheidende Medium, das Entwicklungen in China für ein internationales Publikum aufbereitet. Die Zeitung hat sich einen Ruf als kritischer Beobachter der chinesischen Wirtschaft und Politik erarbeitet.

Dieser Ruf fußt auch auf dem Standort der Zeitung in Hongkong. Schließlich sind die Journalisten von dort aus auf der einen Seite sehr nah am Geschehen in China und bestens vernetzt. Auf der anderen Seite genießen sie im Gegensatz zu ihren Kollegen auf dem chinesischen Festland weitgehend Pressefreiheit – auch noch nachdem die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong 1997 als autonom verwaltete Region zum Teil der Volksrepublik China geworden ist.

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Jack Ma ist auf Einkaufstour. Mit dem Online-Handel ist der Alibaba-Gründer reich geworden. Nun dehnt er sein Firmengeflecht weiter aus. Der Einstieg bei einer Zeitung steht bevor – mit der lag Ma schon im Clinch.

Aber was will Jack Ma überhaupt mit Medien? Der Milliardär hatte kürzlich in einem Interview angedeutet, ein internationales Medium könnte helfen, die Arbeit von Alibaba international bekannter zu machen.

Der Vizevorsitzende von Alibaba, Joseph Tsai, hob am Freitag hervor, internationale Medien würden China durch eine besonders kritische Brille betrachten. Dagegen strebe Alibaba eine ausgewogene Berichterstattung an. Alibaba werde die Redakteure aber selbstverständlich weiter über die Richtung ihrer Artikel entscheiden lassen.

Das sind gefährliche Worte. Denn auch wenn Tsai betont, dass die „SCMP“ unabhängig bleiben soll, so deutet er doch einen anderen Kurs in der China-Berichterstattung an. Ändert die „SCMP“ jedoch die Art, wie sie über die Volksrepublik berichtet, setzt sie damit ihr wichtigstes Gut auf Spiel: ihre Glaubwürdigkeit.

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