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08.10.2015

19:31 Uhr

Alibaba, Tencent

Chinas Online-Monopole

VonStephan Scheuer

Erst kämpften Chinas Internetgiganten Alibaba und Tencent erbittert gegeneinander. Nun machen die beiden gemeinsame Sache – und lassen zwei Start-ups zu einem Monopol verschmelzen. Zum Nachteil der Kunden.

Die chinesischen Internetgiganten Alibaba und Tencent formen aus zwei Start-ups einen Monopolisten. dpa

Alibaba

Die chinesischen Internetgiganten Alibaba und Tencent formen aus zwei Start-ups einen Monopolisten.

PekingChinas Online-Konzerne sind im Kaufrausch. Auf knapp 60 Milliarden Dollar beläuft sich bereits der Wert von Übernahmen und Beteiligungen an chinesischen Internetfirmen in diesem Jahr. Nun preschen die beiden Online-Giganten Alibaba und Tencent mit einem weiteren Deal vor, in dem sie die von ihnen separat gestützten Start-ups für standortbasierte Dienstleistungen, Dianping und Meituan, fusionieren lassen.

Das Geschäft sollte alle Alarmglocken schrillen lassen. Denn Dianping und Meituan waren bislang erbitterte Konkurrenten, die jeden Tag darum rangen, mit den besten Dienstleistungen und attraktivsten Angeboten Kunden anzulocken. Meituan, unterstützt von Alibaba, setzte stärker auf Rabattaktionen ähnlich wie Groupon. Dianping, mit Rückendeckung von Tencent, baute eher auf Onlinebewertungen ähnlich wie Yelp. Aber viele Bereiche überschnitten sich. Mit mehr als 50 Prozent Marktanteil von Meituan und 30 Prozent von Dianping hat das neue Unternehmen eine gewaltige Marktmacht.

Die neue Firma mit einem geschätzten Wert von 15 Milliarden US-Dollar steigt zum unangefochtenen Marktführer und künftigen Monopolisten auf. Sie kontrolliert weitgehend das Geschäft mit Online-zu-Offline-Dienstleistungen. Rabattaktionen und Restaurantbewertungen laufen über die Portale. 7,2 Billionen US-Dollar sollen in der Branche bereits im Jahr 2017 umgesetzt werden. Ein gewaltiger Markt.

Anstatt in einem Wettbewerb um die besten Ideen und Produkte zu bleiben, schließen sich Online-Rivalen zum Monopolisten zusammen. Es ist nicht das erste Mal, dass Alibaba und Tencent hinter einem solchen Deal stehen. Im Frühjahr diesen Jahres hatten die Online-Giganten die von ihnen gestützten Anbieter von Taxi-Apps, Didi und Kuaidi, zu einem Monopolisten mit rund 90 Prozent Marktanteil bei der Vermittlung von Taxifahrten fusionieren lassen. Chinas Kartellwächter schritten nicht ein.

Didi-Kuaidi-Chef Cheng Wei sagte kürzlich: „Unsere Marktmacht ist gut für die Kunden. Niemand braucht mehr unterschiedliche Programme und Plattformen. Alles läuft über ein System. Das ist praktisch und effizient.“ Allerdings nicht günstig für die Kunden. Nach der Fusion hatte Didi-Kuaidi Rabattaktionen reduziert, mit denen sich vorher die noch eigenständigen Anbieter Didi und Kuaidi gegenseitig Kunden abgeworben hatten.

Es ist zu früh, um Chinas Internetgiganten eine langfristige Strategie zum Aushebeln der Wettbewerbskräfte zu unterstellen. Hier geht es um strategische Interessen. Chinas Online-Welt wird von drei Konzernen dominiert: Das ist neben Alibaba (Handel) und Tencent (Spiele- und Chat-Programme) auch Baidu (Suchfunktion) dominiert. Nach einer Phase erbitterter Revierschlachten folgt derzeit eine Etappe der Konsolidierung. Weitere Monopole sind wahrscheinlich – solange die Wettbewerbshüter nicht einschreiten.

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