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25.07.2017

10:03 Uhr

Alphabet-Quartalszahlen

Google-Mutter muss nach EU-Strafe bluten

Alphabet wächst dank des Werbegeschäfts der Tochter Google weiter stark. Auch eine EU-Rekordstrafe hinterlässt zwar Spuren in der Quartalsbilanz, hebt sie aber nicht aus den Angeln. Die Aktie fällt dennoch deutlich.

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Mountain ViewGoogle hat die Rekord-Wettbewerbsstrafe der Kommission in nur einem Quartal verdaut - und der Gewinneinbruch fiel sogar geringer als von Analysten erwartet aus. Doch die Anleger machen sich Sorgen um zukünftiges Wachstum. Unterdessen macht die Konzernmutter Alphabet Fortschritte dabei, die Kosten anderer Geschäftsbereiche wie selbstfahrende Autos oder Glasfaser-Anschlüsse zu senken.

Der Alphabet-Gewinn fiel im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar (3,0 Milliarden Euro), wie der Internetkonzern am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. Die EU-Kommission wirft Google vor, eine dominierende Marktposition zum Schaden von Konkurrenten bei der sogenannten Shopping-Suche bei Produktanzeigen ausgenutzt zu haben. Deshalb brummte sie dem Internet-Konzern im Juni eine Rekord-Wettbewerbsstrafe von 2,42 Milliarden Euro auf.

Die EU-Wettbewerbshüter und Google

Februar 2010

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia startet eine Wettbewerbsprüfung nach der Beschwerde von Microsoft über eine Benachteiligung bei der Internet-Suche.

November 2010

Die Kommission eröffnet ein förmliches Verfahren. Es geht unter anderem darum, dass Konkurrenten wie Preissuchmaschinen zugunsten eigener Google-Dienste benachteiligt worden seien.

Juli 2012

Google schlägt erste Zugeständnisse vor. Der Konzern betont zugleich stets, man mache Dienste für Nutzer, denen man die besten Ergebnisse anzeigen wolle - und nicht für andere Suchmaschinen.

Februar 2013

Google legt einen ausführlichen Vorschlag zur Beilegung der Ermittlungen vor. Mehrere Beschwerdeführer fordern jedoch ein härteres Vorgehen der EU-Kommission.

April 2013

Wegen Wettbewerbsbehinderung reichen Microsoft, Nokia und einige andere Wettbewerber Beschwerde gegen Googles Geschäftspolitik beim Mobil-System Android ein.

Februar 2014

Google weitet seine Zugeständnisse bei der Web-Suche aus. Der EU-Kommissar Almunia strebt eine Beilegung des Verfahrens auf der neuen Basis an.

Juni 2014

Unabhängige Musikfirmen reichen eine Beschwerde gegen Googles Videoplattform YouTube ein. Sie werfen dem Dienst Druck bei Rechteverhandlungen vor.

November 2014

In der neuen EU-Kommission übernimmt die dänische Politikerin Margrethe Vestager den Posten als Wettbewerbskommissarin.

April 2015

Die Kommission wirft Google formell Wettbewerbsverstöße bei der Shopping-Suche vor. Zugleich leitet EU-Kommissarin Vestager ein Verfahren zu Android ein.

Juli 2016

Die Kommission wirft Google vor, anderen Suchmaschinen Steine in den Weg zu legen. Die Vorwürfe zur Shopping-Suche werden bekräftigt.

Juni 2017

EU-Kommissarin Vestager brummt Google wegen der Shopping-Suche eine Rekordstrafe von 2,42 Milliarden Euro auf.

Ohne die Rekord-Kartellstrafe der EU hätte Alphabet im vergangenen Quartal unterm Strich 6,3 Milliarden Dollar verdient. Obwohl das US-Unternehmen sich vorbehalten hatte, gegen das Bußgeld Berufung einzulegen, musste bereits eine Rückstellung über die Summe gemacht werden, die sich nun in der Quartalsbilanz niederschlug. Finanzchefin Ruth Porat sagte in einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen, der Konzern prüfe noch die Optionen. Das potenziell größere Problem für Google als die Milliardenstrafe wären die dauerhaften Änderungen an dem Geschäftsmodell in Europa, die von der EU-Kommission eingefordert werden können.

Anleger fanden in den Quartalszahlen aber auch andere Gründe, die Aktie nachbörslich um rund drei Prozent nach unten zu drücken. So verzeichnete das Werbegeschäft von Google, Alphabets Haupteinnahmequelle, weiterhin starkes Wachstum. Allerdings setzte sich der Trend fort, dass mit dem immer stärkeren Nutzung von Smartphones die Erlöse pro Klick auf eine Werbeanzeige sinken. Im vergangenen Quartal gingen sie um 23 Prozent zurück. Wie bisher konnte Google diesen Rückgang aber mit insgesamt 52 Prozent mehr bezahlten Klicks mehr als ausgleichen.

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Außerdem fiel der am Markt besonders kritisch verfolgte bereinigte Umsatz, bei dem Abgaben an Partner-Websites abgezogen werden, mit 20,9 Milliarden Dollar deutlich bescheidener aus als die absoluten Anzeigenerlöse von knapp 22,7 Milliarden Dollar Erlöse. Porat zeigte sich dennoch zufrieden und hob das starke Wachstum bei mobiler Werbung hervor. Außerdem sprangen die Erlöse im restlichen Google-Geschäft, zu dem Geräte wie die Pixel-Smartphones oder der App-Store Google Play gehören, von 2,2 auf 3,1 Milliarden Dollar hoch.

In den anderen Alphabet-Bereichen, zu denen etwa der Smarthome-Spezialist Nest und die Roboterwagen-Firma Waymo gehören, kletterten die Umsätze im Jahresvergleich von 185 auf 248 Millionen Dollar. Zugleich konnte der operative Verlust hier von 855 auf 722 Millionen Dollar verringert werden. Experten hatten in der „andere Wetten“ genannten Sparte, die teilweise sehr kostspielige Zukunftsinitiativen bündelt, mit einem deutlich höheren Minus gerechnet. Porat gilt als eine treibende Kraft hinter dem Versuch, die hohen Kosten dieser Geschäfte zu drücken.

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Beim Konzernumsatz übertraf Alphabet die Erwartungen der Analysten mit einem Anstieg um 21 Prozent auf 26,0 Milliarden Dollar. Der nachbörsliche Kursrückgang wird dadurch relativiert, dass die Aktie im bisherigen Jahresverlauf bereits um mehr als 26 Prozent zugelegt hatte.

Von

dpa

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