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28.04.2017

04:25 Uhr

Alphabet

Youtube-Krise vorerst abgewendet

VonBritta Weddeling

Google-Mutter Alphabet ist weiter auf Wachstumskurs. Der Konzern scheint von den negativen Auswirkungen des Youtube-Boykotts bisher nicht betroffen, muss sich jedoch unangenehmen Fragen stellen.

Googles Werbeeinnahmen bringen der Konzernmutter Alphabet gute Quartalszahlen ein. Reuters

Wachstumskurs

Googles Werbeeinnahmen bringen der Konzernmutter Alphabet gute Quartalszahlen ein.

Mountain ViewWieder einmal zeigt sich, wie wichtig es ist, dass sich Alphabet auf Google verlassen kann. Bislang leistet sich der Konzern dank des florierenden Werbegeschäfts seiner Tochter risikoreiche, eher defizitäre „andere Wetten“ auf die Zukunft, darunter Waymo, das seine selbstfahrenden Autos derzeit in Phoenix testet. Inzwischen aber hilft der Werbeboom dem Konzern offenbar auch über Krisenzeiten hinweg.

Analysten hatten damit gerechnet, dass sich der Youtube-Boykott durch Werbekunden negativ in Alphabets Ergebnissen niederschlagen würde. Mehr als 250 Unternehmen froren ihre Etats beim Video-Portal ein, nachdem ihre Spots im Umfeld extremistischer Inhalte platziert wurden.

An dem Boykott von vor knapp einem Monat beteiligten sich namhafte britische und amerikanische Firmen, darunter Coca Cola, Johnson & Johnson, AT&T, Verizon und Walmart. Analysten von Nomura Instinet schätzen, dass sich der Schaden für Google bis Jahresende auf Umsatzausfälle in Höhe von bis zu 750 Millionen Dollar belaufen könnte.

Das Geschäft mit der Werbung boomt

Das Problem trifft ausgerechnet die neue Konzernsparte, die Finanzchefin Ruth Porat zum künftigen Wachstumstreiber aufbauen will. Neue Anzeigenformate, darunter die mobile Suche oder Youtube, würden ihr Potential gerade erst beginnen auszuschöpfen, kündigte Porat anlässlich der Quartalsergebnisse im Januar an. Es gebe „beträchtliche Chancen, die bisher noch nicht angezapft wurden“.

Ob und wie weit der aktuelle Boykott Youtubes Anzeigengeschäft geschädigt hat, geht aus den aktuellen Quartalszahlen nicht hervor, da Alphabet die Ergebnisse für das Video-Portal nicht einzeln aufführt. Sie verschwinden im Gesamtergebnis mit Werbung. Und das boomt.

Google-Chef Sundar Pichai und Porat konnten glänzende Quartalsergebnisse präsentieren. Der Umsatz von Alphabet stieg im Vorjahresvergleich um 22 Prozent auf 24,75 Milliarden Dollar, das übertraf die Erwartungen der Wall Street, die nur mit 24,22 Milliarden Dollar gerechnet hatte. Der Gewinn betrug 5,43 Milliarden Dollar und stieg damit um 29 Prozent.

Wieder einmal profitiert Alphabet von seinem ertragreichen Kerngeschäft. Google kann immer mehr Werbung auf Smartphones platzieren. Die Summe der Klicks auf Anzeigen stieg um 44 Prozent. Nutzer sehen mehr Werbung als je zuvor, was allerdings den Preis pro Anzeige um 19 Prozent drückte im Vergleich zum Vorjahr. Bereits im Quartal zuvor hatte das Minus hier 15 Prozent betragen.

So eindrucksvoll Alphabets Erlöse ausfielen, verhinderte es dennoch nicht, dass sich Pichai und Porat im traditionell an die Präsentation anschließenden Gespräch mit Analysten, unangenehmen Fragen zum Youtube-Boykott stellen mussten – vor allem dazu, wie Alphabet das Problem extremistischer Inhalte in den Griff bekommen will.

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„Wir nehmen das sehr ernst und unternehmen entscheidende Schritte, um technische Lösungen einzusetzen”, verteidigte sich Pichai. Maschinelles Lernen solle dabei helfen, entsprechende Videos schneller zu entfernen. Aber er gab auch zu: „Wir stehen technologisch noch am Anfang, wir werden in Zukunft besser sein.“ Das Youtube-Team habe „tausende Telefonate“ mit seinen Werbekunden geführt und „positives Feedback“ über die Fortschritte bei der Bekämpfung des Problems erhalten, sagte Pichai.

Als Reaktion auf den Boykott hatte Alphabet bekannt gegeben, Werbekunden technische Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen diese besser kontrollieren können, wo ihre Anzeigen auftauchen. Zudem will Alphabet mehr Mitarbeiter anstellen, die Inhalte beobachten. Angesichts von den mehr als 400 Stunden Videomaterial, das minütlich auf der Plattform hochgeladen wird, dürfte dies kein leichtes Unterfangen sein – und erst recht kein angenehmer Job.

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