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01.10.2013

07:51 Uhr

Alternative zu Youtube

Musik-Dienst Vevo in Deutschland gestartet

Durch den Streit zwischen Youtube und der Gema konnte man in Deutschland zahlreiche Musikvideos bisher nicht im Internet sehen. Dem amerikanischen Online-Dienst Vevo gelang es, einen Deal mit der Gema zu erzielen.

Im Streit um Musikclips bei der Google-Videoplattform Youtube hat die Verwertungsgesellschaft Gema die Verhandlungen vor einem Jahr für gescheitert erklärt. Das gibt Vevo die Chance, auf den deutschen Markt vorzudringen. dpa

Im Streit um Musikclips bei der Google-Videoplattform Youtube hat die Verwertungsgesellschaft Gema die Verhandlungen vor einem Jahr für gescheitert erklärt. Das gibt Vevo die Chance, auf den deutschen Markt vorzudringen.

BerlinInternet-Nutzer in Deutschland können sich seit Dienstag die neuesten Musikvideos online ansehen: Der US-Dienst Vevo ist auch hierzulande gestartet. Anders als in anderen Ländern agiert Vevo in Deutschland auf eigene Faust ohne eine Partnerschaft mit Youtube. Denn die Google-Tochter steckt in einem lähmenden Streit mit der Verwertungsgesellschaft Gema fest.

Vevo gelang es hingegen, in zwei Jahre langen Verhandlungen mit der Gema einen Deal zu erzielen, wie der für das internationale Geschäft zuständige Manager Nic Jones der dpa sagte. „Die Gespräche begannen zwar mit Forderungen, bei denen kein nachhaltiges Geschäft für uns möglich war, aber wir haben schließlich eine annehmbare Lösung gefunden.“ Vevo richtete ein eigenes Büro in Berlin ein - und das werde auch bleiben, wenn sich Youtube irgendwann mit der Gema einigen sollte, betonte Jones.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Vevo gehört Sony und dem weltgrößten Musikkonzern Universal Music. Der Dienst ist kostenlos und finanziert sich über Werbung. Deshalb wird nach jeweils drei Musikvideos ein Werbeclip eingespielt. Vevo hat rund 75.000 Videos im Arsenal, darunter meist auch die neuesten Hits.

Die Nutzer können in Deutschland über die Website, die Apps für Smartphones und Tablets, die Settop-Box Apple TV sowie die Spielekonsole Xbox auf Vevo zugreifen. Partnerschaften mit weiteren Geräteherstellern - wie etwa Anbietern von TV-Geräten mit Internet-Anschluss - seien in Arbeit, sagte Jones.

Zugleich kommt für Vevo der Alleingang in Deutschland auch nicht ganz ungelegen: Der Musikdienst würde sich gern etwas unabhängiger vom großen Partner Youtube machen. Vevo ist noch in zwölf weiteren Ländern aktiv, und dort greifen viele auf die Videos über Youtube statt direkt über die Vevo-Website oder die Apps zu. In den USA zum Beispiel laufen nach Informationen des „Wall Street Journal“ über zwei Drittel der Abrufe von Videos aus der Vevo-Plattform über Youtube. Das bringt zwar Nutzer, aber Vevo muss auch die Werbeeinnahmen entsprechend teilen.

In Deutschland legt sich Vevo jetzt ins Zeug, um vom Start Musikfreunde anzulocken. Ab Dienstag ist bei dem Dienst exklusiv das Video zum neuen Song „Kannste kommen“ der Band Fettes Brot zu sehen, am Mittwoch folgt Britney Spears' „Work Bitch“. Außerdem sollen täglich von Vevo selbst produzierte Live-Mitschnitte von Auftritten verschiedener Bands gezeigt werden. Dabei sind unter anderem die Kings of Leon und Depeche Mode.

Bei der weltgrößten Videoplattform Youtube sind seit Jahren viele Musikvideos in Deutschland nicht verfügbar, weil der Internet-Konzern und die Gema über Abgaben streiten. So konnte man zum Beispiel den meistgesehenen Youtube-Clip - das Video zum Song „Gangnam Style“ des südkoreanischen Rappers Psy - in Deutschland auf der Google-Plattform nicht sehen. Zentraler Streitpunkt ist dem Vernehmen nach, welche Abgaben Google bei Videos, zu denen keine Werbung angezeigt wird, an die Gema leisten muss.

Von

dpa

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