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17.09.2015

08:49 Uhr

Altice kauft US-Kabelkonzern

Drahi gelingt der nächste Milliardendeal

VonThomas Hanke

Mit der Übernahme von Time Warner Cable scheiterte Patrick Drahi. Doch jetzt schlägt der Gründer des französischen Altice-Konzerns in den USA zu: Der Kabelkonzern Cablevision ist ihm knapp 18 Milliarden Dollar wert.

Der Altice-Gründer hat den nächsten Milliardendeal eingefädelt. ap

Patrick Drahi

Der Altice-Gründer hat den nächsten Milliardendeal eingefädelt.

Paris/New YorkDer französisch-luxemburgische Altice-Konzern kauft für 17,7 Milliarden Dollar Cablevision, die Nummer fünf auf dem amerikanischen Markt für Kabelfernsehen. Cablevision hat in New York gut drei Millionen Kunden. Wie Altice am Donnerstagmorgen mitteilte, haben so viele Anteilseigner von Cablevision schriftlich ihre Zustimmung gegeben, dass Altice eine Mehrheit erwerben kann – auch ohne weiteren Beschluss einer Hauptversammlung.

Altice hatte vor ein paar Monaten versucht, Time Warner Cable zu kaufen, musste sich aber geschlagen geben. In Frankreich hatte die von Patrick Drahi geleitete Gruppe zuletzt den Telekomanbieter SFR und diverse Printmedien gekauft und wollte auch Bouygues Telecom übernehmen, scheiterte aber damit.

Altice ist bereits hoch verschuldet. Die neue Übernahme soll nach Aussage des Unternehmens zu einem großen Teil von Cablevision selbst finanziert werden: „Die Transaktion wird zu 14,5 Milliarden Dollar über neue und bestehende Schulden sowie Cash von Cablevision und zu 3,3 Milliarden Dollar mit Barmitteln von Altice finanziert.“

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Altice zahlt einen hohen Preis für sein Vorankommen auf dem US-Markt: Der Preis liegt 22 Prozent über der aktuellen Börsenbewertung. Der Gewinn von Cablevision betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr nur gut 300 Millionen Dollar. Drahi hofft aber, das Kabelgeschäft zum Treiber für neue Internet- und Telekomdienste machen zu können. Der US-Kabelmarkt befindet sich im Umbruch, auch wegen der wachsenden Konkurrenz von Videostreaming-Diensten wie Netflix und Amazon, die Filme und Serien über das Internet anbieten.

Drahis Gruppe übernimmt vom Hauptaktionär, der Dolan-Familie, auch die Newsday-Mediengruppe, ein lokales TV-Netzwerk und eine Mediaagentur. „Als ein Familienunternehmen sind wir stolz darauf, dass die Dolan-Familie uns das Eigentum an Cablevision anvertraut und wir wollen auf dem Weg voranschreiten, den sie für uns geöffnet haben“, ließ sich Drahi zitieren. Seine US-Strategie werde durch den Zukauf gestärkt.

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