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05.02.2015

21:20 Uhr

Amy Pascal verlässt Sony Pictures

Hacker sind die neue Gefahr für Top-Manager

VonAxel Postinett

Amy Pascal gibt auf. Die Co-Präsidentin von Sony Pictures verlässt im März ihren Posten. Hintergrund ist der schwerer Datendiebstahl bei Sony. Immer mehr Top-Manager werden von Hackern von ihren Posten geschossen.

Sony Pictures trennt sich nach der Affäre um den Hackerangriff von Amy Pascal. Reuters

Die Co-Präsidentin muss gehen

Sony Pictures trennt sich nach der Affäre um den Hackerangriff von Amy Pascal.

San FranciscoDie stellvertrenden Präsidentin der Filmstudios von Sony verliert ihren Job. Amy Pascal war nach dem Hackerangriff von 2014 auf Sony nicht mehr zu halten. „Sony Pictures stand in den vergangenen Monaten von beispiellosen Herausforderungen“, erklärt Studio-Chef und ebenfalls Co-Chairman Michael Lynton, „und ich bin dankbar für Amys Durchhaltevermögen.“ Aber trotzdem muss sie den Posten räumen. Sie wird ihre eigene Produktionsfirma gründen. Etwas, wie sie sagt, dass sie schon lange vorgehabt habe.

Die Rücktrittsmeldung kommt nur einen Tag nach der Bekanntgabe des nächsten gigantischen Datendiebstahls. Am Mittwoch hatte es mit Anthem den zweitgrößten Krankenversicherer der USA erwischt. Schätzungsweise 80 Millionen Kunden und frühere Kunden könnten betroffen sein.

Es wurden nicht nur Namen, Adressen und Einkommensdaten gestohlen, was schon schlimm genug wäre. Auch die sogenannte Social Security Nummer ist offenbar gestohlen worden. Das ist der Alptraum für jeden US-Bürger.

Sony in der Dauerkrise

„One Sony“

Sony tut sich seit Jahren schwer. Als Kazuo Hirai Anfang 2012 den Chefposten übernahm, gab er die Devise „One Sony, One Management“ aus. Er will den japanischen Konzern in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagkräftigen Wettbewerber machen.

Ohne Partner im Smartphone-Geschäft

Große Hoffnung setzt Sony in das Smartphone-Geschäft. Deswegen übernahm der Konzern 2012 vom schwedischen Partner Ericcson dessen Anteile am schwächelnden Handy-Hersteller Sony Ericsson. Mit einem Angebot aus einer Hand will Sony gegen Wettbewerber wie Apple, Samsung und LG Boden gutmachen. Allerdings wird der Wettbewerb immer härter, chinesische Hersteller drängen mit günstigen Preisen in den Markt.

Eintritt ins Wohnzimmer

Mit seiner Playstation ist Sony unter Computerspielern eine feste Größe. Das neue Gerät, die seit Ende 2013 verkaufte Playstation 4, soll den Verkauf von Hardware und Software wieder ankurbeln. Das Geschäft läuft rund, Sony verkauft deutlich mehr Geräte als der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox One.

Probleme im Kamerageschäft

Das Kamerageschäft ist eine der drei großen Sony-Sparten, und auch hier tut sich der Konzern schwer. Der Absatz von Kameras und Camcordern sinkt, gerade kompakte Geräte leiden unter der Konkurrenz durch Smartphones. Allerdings profitiert Sony von der Nachfrage nach seinen Bildsensoren.

Raus aus dem PC-Markt

Der PC-Markt schrumpft – und Sony will nicht mehr mitschrumpfen: Der Konzern hat 2014 den Geschäftsbereich mit der Marke Vaio an einen Investmentfonds verkauft.

Keine Lösung fürs TV-Geschäft

Der Wettbewerb auf dem TV-Markt ist brutal – darunter leidet auch Sony, der Konzern schreibt mit Fernsehern seit Jahren Verluste. Nun gliedert er die Sparte in eine separate Gesellschaft aus. Was das Unternehmen damit plant, ist derzeit unklar.

Filmstudio leidet unter Cyberangriff

In den traditionellen Geschäftszweigen Film und Musik läuft es bei Sony meistens gut. Allerdings erschütterte Ende 2014 ein Hackerangriff das Hollywood-Studio Sony Pictures. Die Angreifer veröffentlichten zahlreiche vertrauliche Daten im Netz, darunter auch unveröffentlichte Filme und Skripte.

Mit der Social Security Nummer und den restlichen Angaben zusammen lässt sich leicht ein Leben komplett ruinieren, können betrügerisch Hypotheken und Kredite aufgenommen, Autos finanziert und Steuererklärungen unter falschem Namen abgegeben werden. Ein wütender George Jespen, Generalstaatsanwalt von Connectitut, hat bereits den Vorstand angeschrieben und Auskunft verlangt, wer dafür verantwortlich sei und wie die Daten geschützt worden seien. Das FBI ermittelt.

So dramatisch war es bei Sony nicht, und trotzdem musste jemand aus der Top-Etage den Kopf hinhalten: Amy Pascal. Sie ist nach dem CEO des Handelsriesen Target der zweite Top-Manager, der innerhalb eines Jahres wegen eines Datendiebstahls gehen muss.

Sony-Zahlen: Happy End trotz Hackerangriff aus Nordkorea

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War da was? Die Cyberattacke auf die Filmsparte von Sony schadet dem Elektronikkonzern nicht so sehr wie befürchtet. Er steigert sogar den Betriebsgewinn, weil Spielkonsolen und Bildsensoren gefragt sind.

Target wechselte im Mai 2014, knapp sechs Monaten nach einem gigantischen Datendiebstahl, den Chef aus. Dabei sah dieser Datendiebstahl, vor allem verglichen mit dem Hack beim Krankenversicherer Anthem, fast wie ein Kindergeburtstag aus. Fast 80 Millionen Kunden- und Kreditkartendaten waren dem Handelskonzern im Dezember 2013 gestohlen worden. Das ist übel und hat das Unternehmen auch zig Millionen Dollar gekostet. Aber der Schaden hielt sich wenigstens für die betroffenen Kunden in Grenzen. Sie bekamen neue Kreditkarten und ihr Geld zurück, falls es Missbrauch gab.

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