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25.07.2013

17:34 Uhr

Analyse zum Springer-Funke-Deal

Döpfners kalte, digitale Konsequenz

VonStefan Winterbauer
Quelle:Meedia.de

Die am Mittwoch bekanntgegebene Eingliederung der Berliner Boulevardzeitung B.Z. bei der Bild-Gruppe war also nur die Ouvertüre. Mit dem Verkauf von zentralen Unternehmensteilen (u.a. Abendblatt, Hörzu) an die Funke Mediengruppe hat die Axel Springer AG der Branche eine Nachricht beschert, an der sie noch lange zu knabbern haben wird. Es gibt viele Lesarten: Traditionsverrat, Erz-Kapitalismus, Konsequenz, gelebte Digitalisierung, Börsen-Fantasie. Plötzlich ist zu spüren, was der digitale Wandel bedeutet.

Mathias Döpfner: Der Springer-Chef macht mit der Digitalisierung des Konzerns ernst. AFP

Mathias Döpfner: Der Springer-Chef macht mit der Digitalisierung des Konzerns ernst.

HamburgBei dem aktuellen Megadeal der Medienbranche gibt es zwei Perspektiven: die der Mitarbeiter und die der Konzerne und Finanzmärkte. Nicht wenige Springer-Mitarbeiter beim Hamburger Abendblatt, bei der Berliner Morgenpost, bei der Hörzu, bei TV Digital, bei Bild der Frau sind geschockt. Niemand wird gerne als Alt-Geschäft verkauft. Schon gar nicht an die Funke Gruppe, die den Ruf hat, ihren Laden kaputt zu sparen.

Was bedeutet der Deal für die Verkauften? Der Standort Hamburg hat für Springer keine zentrale Bedeutung mehr. Vielleicht sitzt bald noch das eine oder andere zu gründende Gemeinschaftsunternehmen von Funke/Springer in HH, vielleicht auch nicht. Künftig wird die Axel Springer AG ohne jeden Abstrich ein Berliner Unternehmen sein. Ängste sind in Hamburg natürlich da. Die Funke-Tochter Gong Verlag betreibt bei München bereits eine Gemeinschaftsredaktion für diverse TV-Zeitschriften. Ebenso erscheinen dort bei der WAZ Women Group diverse Frauentitel, zu denen die verkauften Bild der Frau und Frau von Heute gut passen. Wird die Funke Gruppe dauerhaft zwei Magazin-Standorte betreiben? Das darf bezweifelt werden.

Die Funke Gruppe – Zeitungen, Illustrierte und Anzeigenblätter

Historie der Gruppe

Die WAZ wurde 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. 2012 hatte Petra Grotkamp, eine Tochter Funkes, den Brost-Anteil übernommen und hält 66,6 Prozent. Für den Anteil soll sie 500 Millionen Euro gezahlt haben, das wurde aber nie bestätigt. Nach der Übernahme benannte sich das Unternehmen von „WAZ Mediengruppe“ in „Funke Mediengruppe“ um.

Die NRW-Titel der Gruppe

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ WAZ ist der prominenteste Titel der Funke Mediengruppe. In Nordrhein-Westfalen sind es neben der WAZ noch „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ NRZ, „Westfalenpost“ und „Westfälische Rundschau“.

Im Januar überraschte das Medienhaus seine Leser und die Branche damit, dass die Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ geschlossen und 120 Stellen abgebaut wurden. Die Zeitung existiert aber weiter - die Inhalte kommen jetzt von den Schwester-Blättern, aber auch von Konkurrenten wie den „Ruhr Nachrichten“. Das Management begründete den Schritt damit, den Titel trotz Kostendrucks erhalten zu wollen.

Die wichtigsten Zeitungstitel außerhalb von NRW

Außerhalb von NRW kommen noch die Thüringische Zeitungsgruppe mit „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“ und „Thüringische Landeszeitung“ sowie die „Braunschweiger Zeitung“ hinzu. In Österreich ist die Gruppe an „Kronen Zeitung“ und „Kurier“ beteiligt.

Publikumszeitschriften

Dass die Gruppe auch „Gong“, „Frau im Spiegel“, „Landidee“, „TV direkt“ und viele andere Illustrierte publiziert, ist weniger bekannt. In der Essener Zentrale jedenfalls füllen die Blätter aus dem eigenen Haus ein ganzes Regal.

Gesamtauflage und Umsatz

Insgesamt erscheinen bei Funke 30 Tages- und Wochenzeitungen, 170 Illustrierte und Fachzeitschriften sowie Anzeigenblätter und Kundenzeitschriften. Die deutschen Tageszeitungen haben eine Auflage von knapp 1,1 Millionen. Der Funke-Umsatz lag 2011 bei 1,1 Milliarden Euro. In Deutschland hat die Gruppe 6000 Mitarbeiter.

Eine Regionalzeitung wie Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost kann man nicht aus der Ferne führen. Wohl aber kann man den Überregionalen von außerhalb beisteuern. Die WAZ hat dafür ihren berühmten Content Desk, der von Essen aus alle NRW-Zeitungen der Funke Gruppe mit überregionalen Inhalten versorgt. Synergien, ick hör dir trapsen.

Die Funke Gruppe hat eine interne Neuordnung hinter sich, die nicht ganz billig war. Früher gehörte die WAZ-Gruppe zu gleichen Teilen den beiden zerstrittenen Familienstämmen Brost und Funke. Anfang 2012 haben Günther Grotkamp und seine Frau Petra, die den Funke-Stamm repräsentieren, die Eigentümer des anderen Stammes ausgezahlt. Für die Finanzierung des 500-Millionen-Deals musste ein Kredit aufgenommen werden. Seitdem steht die neu formierte Funke Gruppe unter enormem Spar-Druck.

Und jetzt muss die Gruppe auch noch den Kaufpreis von 920 Mio. Euro stemmen. Das geht wieder nur mit Krediten. Es ist bezeichnend, dass Springer der Funke Gruppe sogar 260 Mio. Euro leiht, damit diese in der Lage ist, die von Springer ungeliebten Print-Produkte zu kaufen. Damit wären wir nun bei der zweiten Perspektive auf den Mega-Deal, der Konzern-Perspektive.

Kommentare (11)

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Prophet

25.07.2013, 17:50 Uhr

Die WAZ betreibt wohl den widerlichsten, verlogensten Sozen-Gewerkschafts-Journalismus!

Der Springerverlag hat mit dem Verkauf seiner "Kellerleichen" der WAZ eine Bleikugel an die Beine gebunden; bald wird die WAZ untergehen und das ist gut so!!!

Account gelöscht!

25.07.2013, 18:07 Uhr

Was ich nicht verstehe ist, warum Springer die doch angeblich so unprofitablen digitalen Medien ausbauen will - wir erinnern uns noch an dieses Lobbygeschrei im Zusammenhang mit dem "Leistungsschutz-Gesetz".

Es ist daher jetzt ungewöhnlich menschenfreundlich, daß Springer sich uns zuliebe voll auf dieses Verlustgeschäft konzentriert, nur um uns den Service zu bieten, uns "qualitätsjournalistisch" zu informieren.
Wirklich schön, daß es noch so selbstlose Unternehmer in diesem Land gibt!

esistheissmatzeauch

25.07.2013, 18:09 Uhr

die WAZ gruppe wird noch wurschdeln,wenn die axel springer ag schon längst an eine international agierende amerikanische mediengruppe verscherbelt werden mußte,weil der geisteswirtschafter döpfner einmal mehr überteuert einkaufen wird und die gewinne ausbleiben

wer heute eitel überteuert kauft sät die abschreibungen von morgen

oder ,wer als pudelfriseur in der wirtschaft startet kann außer föhnen auch bilanzen aufhübschen

darf ich an PIN erinnern

es kann auch noch schlimmer kommen,nämlich ,daß sich dann kein käufer mehr findet und die genossenschaft der TAZ,chefdenker und vereinskassierer kalle ruch, den laden billigst aufkauft und aus dem springer hochhaus eine gemüsefarm macht mit angeschlossener fischzucht.

zur BILD gruppe wird den damen und herrn vom kollektiv auch was einfallen,genießt doch der TAZ genosse rekonvaleszent diekmann,kai im haus rudi dutschke straße 23 zu Xberg welpenschutz

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