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11.08.2016

02:43 Uhr

Angebliche IS-Unterstützung

Klage gegen Twitter abgewiesen

Rückendeckung der US-Justiz: Der Kurzmitteilungsdienst Twitter kann laut einem Gerichtsentscheid nicht für den Vorwurf der IS-Unterstützung haftbar gemacht werden. Hinterbliebene hatten das Unternehmen verklagt.

Ein Gericht in San Francisco hat eine Klage gegen Twitter wegen angeblicher IS-Unterstützung abgewiesen. AP

Twitter

Ein Gericht in San Francisco hat eine Klage gegen Twitter wegen angeblicher IS-Unterstützung abgewiesen.

New YorkTwitter sieht sich mit dem Vorwurf der Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat konfrontiert - und hat nun von der US-Justiz Rückendeckung bekommen. Ein Gericht in San Francisco wies eine entsprechende Klage gegen den Kurzmitteilungsdienst ab. Er stimme dem Argument von Twitter zu, dass das Unternehmen nicht dafür haftbar gemacht werden könne, lediglich die Plattformen für Meinungsäußerung zu bieten, schrieb Bundesrichter William Orrick in seiner Urteilsbegründung. Dazu verwies er auf ein Bundesgesetz, das Internetdienstleister schütze.

Im Jahr 2015 waren zwei für die US-Regierung als Vertragsarbeiter in Jordanien tätige Amerikaner in Amman erschossen worden, wie aus der Klageschrift ihrer Familien hervorgeht. Zu der Tat des Schützen bekannte sich später die Terrormiliz Islamischer Staat.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Die Hinterbliebenen der US-Bürger hatten Twitter vorgeworfen, zu deren Tötung beigetragen zu haben, indem sie dem IS die Nutzung von Accounts des Nachrichtendiensts erlaubt hätten. „So schrecklich diese Tode waren,...Twitter kann nicht als Herausgeber oder Sprachrohr der hasserfüllten Rhetorik des IS behandelt werden“, schrieb Orrick jedoch.

Die Familien der Opfer können eine Neuprüfung des Falls beantragen. Eine ähnliche Klage hatte erst im Juni ein Vater eines Opfers der Terroranschläge von Paris im November 2015 gegen Google, Facebook und Twitter eingereicht.

Von

ap

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