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31.01.2013

04:52 Uhr

Anleger bleiben skeptisch

Facebook mit deutlich mehr Werbeeinnahmen

VonAxel Postinett

Zum ersten Mal wächst bei Facebook die mobile Werbung. Das Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal von 40 Prozent übertraf sogar die Erwartungen der Analysten. Doch der Anstieg der Personalkosten ist beunruhigend.

Ein Schild bei Facebooks Firmenzentrale in Menlo Park, Kalifornien. Reuters

Ein Schild bei Facebooks Firmenzentrale in Menlo Park, Kalifornien.

San FranciscoFacebook wächst weiter und auch die mobile Werbung nimmt Fahrt auf. Doch die Margen schrumpfen, unter dem Strich bleibt weniger übrig. Die Kosten steigen und es wird massiv investiert. Die Börse reagiert mit Verunsicherung.

Das Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,58 Milliarden Dollar übertraf sogar die Analystenschätzungen von im Schnitt 1,53 Milliarden Dollar. Doch dem weltgrößten Social Network laufen die Kosten davon. Der Nettogewinn des Unternehmens aus dem kalifornischen Menlo Park fiel im Jahresvergleich um dramatische 79 Prozent auf nur noch 64 Millionen Dollar. Nachbörslich verlor die Aktie in der Spitze bis zu zehn Prozent, erholte sich später aber wieder leicht.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Seit dem letzten Quartalsausweis war die Aktie in der Spitze um bis zu 60 Prozent gestiegen und die Anleger wollten jetzt Beweise dafür sehen, dass die Vorschusslorbeeren in das junge Unternehmen gerechtfertigt waren. Im Brennpunkt stehen dabei die mobilen Werbeeinnahmen über Smartphones und Tablets wie das iPad. Kurz vor dem Börsengang im Mai 2012 war das Thema hochgekocht, als im Börsenprospekt zu lesen war, dass in diesem Bereich praktisch kein nennenswerter Umsatz wird.

Gleichzeitig stieg die Zahl der mobilen Facebooker dramatisch an. Eine gefährliche Mixtur, die bei den Investoren gar nicht gut angekommen war und zu einem guten Teil zur dramatischen Talfahrt des Papiers nach der Erstnotiz beigesteuert hat. Seitdem hat Mark Zuckerberg Facebook massiv umstrukturiert und messerscharf auf das mobile Internet fokussiert.

Die Apps für Apple- und Android-Geräte wurden komplett neu geschrieben, laufend werden neue mobile Werbeformen ausprobiert. Der Lohn der Mühen: Der Anteil der mobilen Werbung stieg rasant auf 23 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen oder 306 Millionen Dollar. Im 3. Quartal 2012 waren es knapp 14 Prozent, davor praktisch Null. In absoluten Zahlen lagen die Werbeeinnahmen per Mobilgeräte doppelt so hoch wie im Vorquartal. Ovum-Analyst Eden Zoller: „Die Zahlen geben Grund für Optimismus.“

Rund 680 Millionen Nutzer greifen monatlich auf die mobilen Facebook-Angebote zu, 57 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir sind ein Unternehmen für das mobile Web“, betonte CEO und Mitgründer Mark Zuckerberg im Analystengespräch. Facebook werde mit Hochdruck daran arbeiten, mehr „mobile first“-Angebote auf den Markt zu bringen. Dafür wird kräftig investiert.

Kommentare (1)

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Fossibaerin

31.01.2013, 18:55 Uhr

Die Spielereien mit Prozentzahlen, gemessen am Tages- oder Wochenwert sind ja ganz nett. Den Anleger der ersten Stunde (Urknall Mai 2012 hiess das glaub ich für manche damals) interessiert doch im Zweifel nur eines: Der Ausgabepreis der Aktie war damals 38 Dollar pro Stück. Wo stand sie nach dem Einbruch, wo steht sie jetzt und wo steht sie in einem halben oder einem ganzen Jahr? Kriege ich die zwischenzeitlichen Verluste wieder rein, mache ich mal mit der Aktie Gewinn, und wohin steckt Facebook eigentlich die Riesenmasse Kapital, die es beim Börsengang aufgenommen hat? Sind das echte gewinnträchtige Investitionen die wir hier sehen, oder hat Zuckermann seine steigenden Kosten für den anlaufenden Konkurrenzkampf, den's ursprünglich ja für Facebook nicht gab, auf die Anleger umgelegt? Wie zukunftsweisend sind die alten Wachstumszahlen heute noch, oder morgen oder übermorgen? Von 0 auf 100 ist ein Riesensprung, von 100 auf 105 ist da schon sehr viel kleiner.
Und vielleicht gibt's ja noch ein paar hoffnunglose Dinosaurier, die in der Aktie eine Anlagemöglichkeit mit Renditechance sehen möchten, und nicht nur ein kurzfristiges Spekulationsobjekt.

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