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17.01.2015

09:28 Uhr

Ansturm auf Satireheft

„Hier leider kein Charlie“

Erstmals seit der Terrorattacke ist das Satireheft „Charlie Hebdo“ auch wieder in Deutschland zu kaufen. Auf dem Titel ist erneut eine Mohammed-Karikatur. In islamischen Ländern kommt es deswegen zu heftigen Protesten.

Warten auf „Charlie Hebdo“: Passanten im Hauptbahnhof Berlin. dpa

Warten auf „Charlie Hebdo“: Passanten im Hauptbahnhof Berlin.

Berlin/HamburgDie erste Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ nach dem Terroranschlag von Paris ist seit Samstagmorgen auch in Deutschland im Handel. Vor einem Buch- und Zeitschriftengeschäft im Berliner Hauptbahnhof warteten gegen 05.00 Uhr etwa 100 Menschen, um bei Ladenöffnung ein Heft zu kaufen.

Doch lediglich die ersten beiden in der Reihe hatten Glück: in dem Geschäft standen nur zwei Exemplare zum Verkauf. Im gesamten Hauptbahnhof gab es einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur zufolge 14 Hefte. Alle waren auf Französisch und kosteten vier Euro. Die Stückzahlen in deutschen Großstädten sind sehr begrenzt, weil der Ansturm auf die Hefte in Frankreich gewaltig war.

So gingen viele Hamburger statt mit der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ am Samstagmorgen mit leeren Händen nach Hause gegangen. Die Kioske wurden nur mit einer extrem limitierten Stückzahl beliefert, andere wurden komplett ausgelassen und mussten so wartende Kunden vertrösten. Damit bestätigte sich die Befürchtung vieler Einzelhändler, dass die Lieferung dem Ansturm nicht gerecht werden könnte.

Die erste Ausgabe des Satiremagazin „Charlie Hebdo“ nach dem Terroranschlag war auch in Stuttgart Mangelware. Hunderte potenzielle Käufer gingen leer aus. „Wir hätten 500 Exemplare bestellen können, die alle verkauft worden wären“, sagte eine Zeitschriftenhändlerin im Stuttgarter Hauptbahnhof. Im Minutentakt kämen die Anfragen von Kunden. Die Verkäufer beklagten Probleme bei der Belieferung..

„Man kauft nicht nur das Magazin“, erklärte ein Kunde. Das Heft sei „ein Symbol der Solidarität mit den Opfern“. Ein weiterer wollte für Freunde und Mitarbeiter gleich fünf Exemplare erwerben. Doch die Händlerin winkte ab: „Hier leider kein Charlie“.

Die Redaktion des Magazins war am Mittwoch davor Ziel eines Anschlags. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben, der Großteil davon Mitarbeiter der Zeitschrift. Teils sehr derbe frühere Mohammed-Karikaturen in dem Heft gelten als Hintergrund des Angriffs mutmaßlicher islamistischer Terroristen.

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