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02.09.2015

20:01 Uhr

Apple bekommt Konkurrenz

Huawei will mit neuer Technik punkten

VonIna Karabasz

Auf der IFA präsentiert Huawei ein neues Smartphone. Doch damit nicht genug: Ganz offen legen sich die Chinesen dabei mit Konkurrent Apple an – mit ganz neuen Funktionen und auch beim Prestigeprodukt Smartwatch.

Immer wieder betont Huawei-Chef Richard Yu die Vorteile des neuen Geräts gegenüber aktuellen Apple-Modellen. ap

Apple-Angriff

Immer wieder betont Huawei-Chef Richard Yu die Vorteile des neuen Geräts gegenüber aktuellen Apple-Modellen.

BerlinDer Plan ist offensichtlich: Huawei will mit seinem neuen Smartphone Mate S Konkurrent Apple direkt angreifen. Immer wieder vergleicht Richard Yu, Chef der Huawei Consumer Business Group, in der gut gefüllten Max-Schmeling-Halle in Berlin das neue Telefon mit dem amerikanischen Wettbewerber. Es sei schöner, schlanker und griffiger, sagt er.

Huawei hat in den vergangenen Jahren schnell an Marktanteilen gewonnen, und ist nun nach Samsung und Apple die Nummer drei am Platz. Der chinesische Konzern präsentiert sich stets selbstbewusst. Doch zeigt der kontinuierliche Vergleich mit Apple: Noch immer gelten die Amerikaner als Benchmark in der Branche.

Xiaomi: Chinas Smartphone-Star baut in Indien

Xiaomi

Chinas Smartphone-Star baut in Indien

Indien könnte schon 2017 der größte Smartphone-Markt der Welt sein. Besonders gefragt auf dem Boom-Markt sind nicht Apple oder Samsung, sondern günstige Geräte von indischen oder chinesischen Herstellern wie Xiaomi.

Das weckt Ambitionen bei einem stolzen Unternehmen wie Huawei. Also greift das Unternehmen greift Apple dort an, wo es besonders weh tut: bei der Funktionalität. Zum einen hat Huawei unterhalb der Kamera an der Rückseite einen neuen Sensor eingebaut. Den gab bereits bei Vorgängermodellen, jedoch nur um mittels mit Fingerabdruck das Smartphone zu entsperren.

Nun wurde er aufgewertet: Nutzer können untern anderem mit dem Finger drüber wischen um durch Fotoalben zu gehen. Er dient auch als Auslöser – gedacht dafür sich selber zu fotografieren, für Selfies. Für diese neue Eigenschaft brandet zum ersten Mal Szenenapplaus auf. Am ersten Pressetag der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, die am Freitag ihre Pforten öffnet, haben sich zahlreiche und Journalisten in der Halle zusammengefunden. Vor der Tür hatte sich eine lange Schlange gebildet.

Doch erst bei der übernächsten Neuerung, die Richard Yu präsentiert, geht ein deutliches Raunen durch das Publikum: Huawei hat das Display verändert. Es reagiert nun auf Druck. Force-Touch heißt diese Technik. So kann etwa per Druck auf ein Foto auf Details gezoomt werden. Das Display kann sogar als Wage genutzt werden. Selbst Yu erklärt, man wisse noch nicht, was diese neue Funktion alles ermöglichen werde. Deswegen lädt er dazu ein, neue Ideen zu entwickeln.

Ab dem 15. September können die Geräte für 649 Euro in der Standard Version und 699 Euro Premium Version vorbestellt werden – nur: Force-Touch wird dann noch nicht zu haben sein. Wann genau die Handys mit der Funktion in den Handel kommen, steht noch nicht genau fest. Es scheint, als ob Huawei Apple unbedingt zuvor kommen wollte. Denn auch die Apple-Watch hat diese Technik bereits integriert und Branchenbeobachter glauben bereits seit längerem, dass sie auch im nächsten iPhone stecken wird.

Smartphone-Markt im Wandel

Samsung weniger dominant

Samsung ist der mit Abstand größte Hersteller von Smartphones, doch die Dominanz bröckelt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der südkoreanische Konzern 78,1 Millionen Smartphones und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als er 85 Millionen Geräte absetzte. Der Marktanteil sank von 32,5 auf 23,8 Prozent, wie der Marktforscher IDC ermittelt hat. Wegen niedrigerer Verkaufspreise sinkt auch der Profit.

Apple setzt auf Premium

Apple hält seinen Marktanteil mit 12 Prozent weitgehend stabil. Der Absatz stieg deutlich auf 39,3 Millionen Geräte, wozu die neuen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus einen deutlichen Beitrag leisteten. Weil der Konzern Premiumpreise verlangt, arbeitet er mit Margen, um die ihn die Konkurrenten beneidenk.

Xiaomi holt rasant auf

Im Westen ist Xiaomi kaum bekannt, doch in China ist der Smartphone-Hersteller äußerst populär. Dank dreistelliger Wachstumsraten ist das Unternehmen nun mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent drittgrößer Hersteller. Im dritten Quartal verkaufte er 17,3 Millionen Handys, wozu vor allem das Highend-Gerät Mi4 beitrug. Die spannende Frage: Kann Xiaomi auch im Westen Fuß fassen?

Lenovo wächst mit Motorola

Lenovo hat sich als PC-Hersteller einen Namen gemacht, drängt aber auch in den wachsenden Smartphone-Markt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der Konzern 16,9 Millionen Geräte, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent. Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern weiter wachsen.

LG legt deutlich zu

Der koreanische Hersteller LG verkauft viele günstige Geräte, ist mit dem G3 aber auch im Premiumsegment vertreten. Im dritten Quartal verkaufte er laut IDC 16,8 Millionen Geräte und sicherte sich damit 5,1 Prozent des Smartphone-Marktes. Das Resultat: LG konnte zuletzt auch den Gewinn deutlich steigern.

Große Namen, kleiner Marktanteil

Jenseits der Top 5 finden sich viele bekannte Namen: Sony und Blackberry etwa, aber auch Microsoft als Käufer der Nokia-Gerätesparte. Auch der chinesische Hersteller Huawei zählt dazu. 48,6 Prozent des Marktes fallen in diese Sammelkategorie, die IDC nicht weiter aufschlüsselt.

Doch neben der reinen Ankündigung der neuen Technologie hat Huawei auch noch einen echten Schlag gegen Apple im Gepäck. Fast zum Ende der Präsentation erklärt Yu, die bereits Anfang des Jahres vorgestellte Smartwatch von Huawei komme am 23. September in den Markt – und funktioniere nicht nur mit dem Google-Betriebssystem AndroidOS, sondern auch mit Apples iOS. Nun müssten Apple-Kunden nicht mehr die Uhr der Amerikaner kaufen, wenn sie eine Smartwatch haben wollen, scherzt er.

Es ist ein harter Eingriff in das Ökosystem von Apple. Weil es bisher nicht möglich war, Daten einfach mit Geräten von anderen Anbietern zu teilen, haben Kunden der Amerikaner bisher meist nur Apple-Produkte gekauft. Nun wollen auch andere Anbieter ihre Produkte mit dem iOS-Betriebssystem anbieten. Sollten sich nun selbst „Apple-Jünger“ nun für andere Produkte entscheiden, muss der Konzern seine Strategie neu überdenken. Diese Entwicklung hat das Potenzial den exklusiven Ruf der Amerikaner anzukratzen – mit dem sie neben der Funktionalität bisher ihren höheren Preis halten konnten.

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