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25.02.2016

11:43 Uhr

Apple-Chef will US-Präsidenten treffen

„Es geht nicht um dieses iPhone, es geht um die Zukunft“

Im Streit mit den US-Behörden warnt Apple-Chef Tim Cook, Software zum Entsperren von iPhones sei „Trampeln auf Bürgerrechten“. Seine Argumente will er nun im Weißen Haus vortragen – bei einem Treffen mit Präsident Obama.

FBI versus Apple

Das sagt Apple-CEO Tim Cook zum Streit mit dem FBI

FBI versus Apple: Das sagt Apple-CEO Tim Cook zum Streit mit dem FBI

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CupertinoApple-Chef Tim Cook will US-Präsident Barack Obama nun persönlich treffen, um den Streit um die iPhone-Entsperrung von Kriminellen beizulegen. Er wolle Obama die Argumente von Apple nahebringen, sagte Cook. „Es geht nicht um dieses Telefon, es geht um die Zukunft“, betonte er. Der Konzern arbeitet laut Medienberichten unterdessen daran, das Aufknacken seiner Geräte und Systeme noch weiter zu erschweren.

In dem bislang bekannten Fall will das Justizministerium Apple per Gerichtsurteil zwingen lassen, das iPhone des Angreifers von San Bernardino für die Ermittler zu knacken. Bei dem Anschlag im Dezember hatten zwei Islamisten 14 Menschen erschossen, bevor sie selbst von der Polizei getötet wurden. Die Bundespolizei FBI untersucht derzeit, ob die Attentäter mit der Extremistenmiliz Islamischer Staat und anderen militanten Gruppen in Kontakt standen.

Apple wurde per Gerichtsbeschluss angewiesen, dem FBI beim Entsperren eines iPhones zu helfen, das von einem toten Attentäter genutzt worden war. Der Anhänger der Terrororganisation Islamischer Statt (IS) und seine Frau hatten 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino getötet. Apple weigert sich mit der Begründung, dafür müsse erstmals eine Software geschrieben werden, mit der man die Zugangssperre aushebeln könne – und die Folgen dieses Schritts seien zu gefährlich.

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„Wenn ein Gericht von uns verlangen kann, eine solche Software zu schreiben, bedenken Sie, was sie noch von uns fordern könnten – vielleicht ein Betriebssystem für Überwachung oder die Möglichkeit, die Kamera einzuschalten“, sagte Cook. Nach Apple könnten auch andere Anbieter genauso betroffen sein: „Wir wissen nicht, wo das endet.“

Apple stört sich unter anderem daran, dass die rechtliche Grundlage für die Anweisung ein Gesetz aus dem 18. Jahrhundert ist, das Richtern die Befugnis gibt, alle nötigen Maßnahmen anzuordnen. Wenn es erst einmal einen solchen Präzedenzfall gebe, könnten andere Gerichte ihn vielleicht auch auf Scheidungs- oder Steuerfälle anwenden, sagte Cook und warnte vor einem „Trampeln auf Bürgerrechten“. Apple sei bereit, den Fall bis hin zum Obersten Gericht der USA durchzufechten, denn „das ist nicht das, was in Amerika passieren sollte“.

Die Frage müsse im üblichen öffentlichen Verfahren mit einem neuen Gesetz geregelt werden, forderte er. Apple mache sich zudem Sorgen, dass sobald es die vom FBI erwünschte Software gäbe, auch Online-Kriminelle alles daran setzen würden, sie in die Finger zu bekommen. Für Apple kann der Fall politisch heikel werden, Politiker warfen dem Konzern bereits vor, die Privatsphäre eines toten Terroristen über die nationale Sicherheit zu stellen. In einer Umfrage meinte gut jeder Zweite, Apple müsse nachgeben.

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