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22.07.2015

06:41 Uhr

Apple

Die Bürde der hohen Erwartungen

VonAxel Postinett

Nicht nur Apples Kunden sind anspruchsvoll, sondern auch die Aktionäre. Trotz einer klaren Steigerung beim Umsatz und Gewinn reicht schon eine leichte Schwäche beim Zugpferd iPhone, damit es mit der Aktie bergab geht.

Zu viel versprochen

Massiver Kurseinbruch: Zu hohe Erwartungen an Apple Watch?

Zu viel versprochen: Massiver Kurseinbruch: Zu hohe Erwartungen an Apple Watch?

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San FranciscoBei Apple dreht sich alles um das iPhone. Das war auch der Grund, warum es am Dienstag nach Börsenschluss mit der Aktie bis zu acht Prozent abwärts ging. Mit einem Anteil am Konzernumsatz von 63 Prozent wird jedes noch so leichte Anzeichen einer Schwäche bei dem legendären Smartphone aufmerksam verfolgt.

Im abgelaufenen Quartal bewegte sich der Absatz mit 47,5 Millionen Geräten und einem Plus von 35 Prozent zwar deutlich über dem Vergleichsquartal in 2014. Aber die Erwartungen lagen bei 48 Millionen Stück oder mehr. Das war die erste kalte Dusche für Anleger und Analysten, und die zweite ließ nicht lange auf sich warten.

Die interne Umsatzprognose für das laufende Quartal, das vierte des Geschäftsjahres, liegt mit 49 bis 51 Milliarden Dollar nur unwesentlich über, oder vielleicht sogar leicht unter den 49,6 Milliarden Dollar des abgelaufenen Quartals. Einen Rückgang der iPad-Verkäufe um weitere 2,3 Millionen Stück auf nun nur noch 10,9 Millionen im Quartal war schon fast erwartet worden. Aber da war ja noch die Apple Watch, das erste völlig neue Produkt seit 2010.

Die smarte Uhr würde diese Schlappe schon ausmerzen, war die Hoffnung. Oder auch nicht. Vorstandschef Tim Cook gab sich bei der Vorlage der Quartalszahlen alle Mühe, viel Optimismus zu verbreiten – ohne etwas Konkretes sagen zu müssen.

Die Floskel-Maschine lief auf vollen Touren, Cook war „begeistert“ von der Reaktion der Kunden. Die „Nachfrage sei höher als das Angebot“ gewesen. Der Absatz habe die „internen Prognosen“ übertroffen. Nur wie viele Uhren wirklich verkauft wurden, das will er nicht verraten. Man wolle der „Konkurrenz keine Einblicke in ein Produkt gewähren, an dem wir lange gearbeitet haben“, schiebt Cook als Erklärung vor. Apple-Finanzchef Luca Maestri ließ jedoch durchblicken, die Watch habe sich in den ersten sechs Wochen besser verkauft als das erste iPhone oder das erste iPad.

Und dann ist da noch die Sparte „Sonstiges“

So bleibt nur ein Blick auf die Sparte „Sonstiges“, eine Art Resterampe, in der sich Apple TV, iPod, Zubehör oder Beats Electronics tummeln – und nun auch die Watch. Mit 2,6 Milliarden Dollar werden dort satte 952 Millionen Dollar mehr verbucht als im ersten Quartal. Das geht alles auf das Konto der Watch, soviel räumt Apple ein. Weil das bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 500 Dollar nur 1,9 Millionen Uhren wären, warnt Cook davor, diese Zahl zu wörtlich zu nehmen.

Die Fakten zur Apple-Uhr

Modelle

Es gibt drei Modelle, nämlich die Apple Watch Sport im Aluminiumgehäuse auf rund 400 Euro, die Apple Watch mit Edelstahlgehäuse ab 650 Euro sowie die Apple Watch Edition aus Gold ab 11.000 Euro.

Varianten

Jedes Modell wird in zwei Varianten angeboten, eine kleinere mit 38 Millimeter breitem Gehäuse und eine mit 42 Millimeter breitem Gehäuse für kräftigere Handgelenke. Dazu hat der Hersteller diverse Armbänder im Angebot.

Preise

Die kleinere Sport-Uhr mit einem 38-Millimeter-Gehäuse kostet 399 Euro, das größere Modell 449 Euro. Die Edelstahl-Variante gibt es ab 649 Euro und für die limitierte „Edition“-Ausgabe aus 18-Karat-Gold muss man je nach Ausstattung und Größe zwischen 11 000 und 18 000 Euro hinblättern. Die niederen Preise in den USA ab 349 Dollar enthalten keine Umsatzsteuer, die Preise in Deutschland werden mit Mehrwertsteuer ausgewiesen,

Starttermin

Deutschland gehört zu den neun Ländern, in denen die Apple Watch am 24. April in den Handel kommt. Vom 10. April an kann sie vorbestellt und in Apple-Läden ausprobiert werden.

Iphone

Die Apple Watch kann nur mit einem halbwegs aktuellen iPhone (5, 5s, 5c, 6 oder 6 Plus) in Betrieb genommen werden. Auch die Apps von Drittanbietern werden über eine Bluetoothverbindung vom iPhone aus auf der Watch installiert.

Batterielaufzeit

Die Uhr soll bei gewöhnlicher Nutzung 18 Stunden halten und damit von morgens bis abends. Apple erklärt, dass sie bei einer typischen Nutzung meist nur wenige Sekunden pro Aktion im Einsatz sein könnte.

Wasserdichte

Tim Cook sagte kürzlich einem Mitarbeiter im Berliner Apple Store, er gehe mit seiner Watch auch duschen. Offiziell spricht Apple von einer „Wasserdichte nach IPX7“, die einen „Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen“ bietet. Nach dieser Norm hält die Watch rund 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe dicht.

Es habe „Umsatzrückgänge in anderen Bereichen“ gegeben. Wo und wie viel, das lässt er aber offen. Trotzdem: Es ist kaum anzunehmen, dass Schätzungen wie von Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi noch aufgehen. Der hatte drei Millionen verkaufte Uhren und 1,65 Milliarden Dollar vorhergesagt. Gene Munster von Piper Jaffray rechnet jetzt mit 1,2 Millionen Watches bei einem Durchschnittspreis von 550 Dollar. Zuvor hatte er auch mit drei Millionen verkauften Geräten gerechnet. Munster ist enttäuscht: „Wir glauben, dass diese Zahlen Befürchtungen bei den Anlegern über die mittel- und langfristigen Aussichten bei Wearables wecken werden“.

Kommentare (3)

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Herr Thomas Ungläubig

22.07.2015, 09:50 Uhr

Schade, dass die APPLE-Aktie zum Zockerpapier wurde. – Und die Anal-ysten? Wieder mal ratlos…

Herr Roland Magiera

22.07.2015, 10:25 Uhr

"Zu diesem gehört unter anderem ein Streaming-Service, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden."

Diese totale Kommerzialisierung der Klangkunst, welche dadurch längst zum Klanghandwerk geworden ist, werden diese Klanghandwerker noch bitter bereuen. Man muss auch ein wenig auf Exklusivität achten, wenn man alles überall erwerben kann, dann wird es uninteressant. Natürlich dürfen und müssen Künstler Geld verdienen aber die hamstern es und betreiben ihr Handwerk nur noch fürs Geld.
Um herausragende Musik zu genießen, muss ich fast ausnahmslos auf Produkte aus dem letzten Jahrtausend zurückgreifen, mit einigen ganz wenigen neuen Lichtblicken wie Buckethead oder Puscifer. Je mehr Geld im Kreativ-Markt ist, desto viel schlechter scheinen die Produkte zu werden.

Herr Ralf Peekel

22.07.2015, 10:58 Uhr

Mehr, mehr und immer mehr. Mehr und viel scheint nicht genug. Vielen Dank auch dem Handelsblatt für die immer neuen negativen Schlagzeilen. Das erfolgreichste wertvollste Unternehmen geht seinen Weg und wenn man nur 39,5 % Bruttorendiente hat, scheint das das erste Anzeichen für Schwäche. Äh Hallo, wo leben wir denn. Analysten ? Mondgucker scheint mir der bessere Ausdruck. Wie die auf ihre Zahlen kommen ist mittlerweile wohl jedem klar. Diese Art der Berichterstattung ist oft unsäglich. Eben noch das tolle verkünden und schon im Nachsatz die Chance einräumen das morgen alles schlechter werden könnte.

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