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15.07.2015

09:48 Uhr

Apple Pay in Großbritannien

Die stille Apple-Revolution

VonKatharina Slodczyk, Florian Kolf

Apple hat seinen mobilen Bezahldienst in Großbritannien gestartet. In der U-Bahn, bei McDonald's oder im Café funktioniert der Dienst bereits reibungslos. Deutschland ist davon noch meilenweit entfernt.

Apple bietet seinen Bezahldienst nun auch in Großbritannien an. ap

Bezahlen mit dem iPhone

Apple bietet seinen Bezahldienst nun auch in Großbritannien an.

London/DüsseldorfEtwas mehr Aufmerksamkeit hat sich Geoff Marshall schon erhofft. Vielleicht einen interessierten Blick, ein Lächeln oder ein Stirnrunzeln. Doch der Busfahrer lässt sich nichts anmerken, rein gar nichts, als Marshall an diesem Dienstagvormittag die Busfahrt bezahlt und dieses Mal nicht wie sonst üblich eine Kreditkarte oder eine der speziell für den Londoner Nahverkehr entwickelten Bezahlkarten an das Lesegerät hält, sondern sein iPhone. „Der Busfahrer hat noch nicht mal mit der Wimper gezuckt, bin enttäuscht“, wird er kurze Zeit später über den Kurznachrichtendienst Twitter schreiben.

Dabei ist es nicht nur für Geoff Marshall eine Premiere: Der US-Konzern Apple hat am Dienstag seinen Bezahldienst „Apple Pay“ in Großbritannien gestartet. Es ist das erste Land außerhalb der USA, in dem die Besitzer von Apple-Geräten wie Mobiltelefonen und der Apple Watch damit bezahlen können. In den USA läuft Apple Pay bereits seit Oktober 2014.

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Mehr als 250.000 Geschäfte und Cafés akzeptieren von Anfang an diese Bezahlvariante, darunter die Drogeriekette Boots, Marks-and-Spencer-Läden, McDonald's sowie Kaffeehausketten wie Starbucks und Costa. Dazu kommen Busse und U-Bahnen. Experten trauen Apple Pay zu, dass es Menschen dazu bringt, alte Gewohnheiten abzulegen, Bargeld abzuschwören und sein Handy beim Bezahlen einzusetzen.

Zumindest auf der britischen Insel. „Die Grundvoraussetzungen und die Akzeptanz scheinen dort größer zu sein als in Deutschland“, beobachtet Sven Korschinowski, der als Partner den Bereich „Payment & Innovation Consulting“ bei KPMG leitet. „Die 250.000 Händler und acht große Banken direkt zu Beginn, eine positive Grundhaltung dem Mobile Payment gegenüber bei der Generation 18 plus in Großbritannien– dies kombiniert mit einer sicheren Verschlüsselung sind überzeugende Argumente dafür, dass es sich rasch durchsetzt.“

In Deutschland wäre die Einführung ungleich schwerer, denn es herrscht großer Nachholbedarf bei der technischen Ausrüstung. Der Digitalverband Bitkom schätzt, dass es in Deutschland rund 60.000 Akzeptanzstellen für das kontaktlose Bezahlen gibt – das entspricht nur acht Prozent der Kassenterminals.

Bezahlen mit dem Smartphone

In der Warteschleife

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gilt als der nächste große Trend. Doch noch immer steckt das Verfahren zumindest in Europa weitgehend in der Warteschleife fest. Vielen Verbrauchern sind die Möglichkeiten noch gar nicht bekannt. Um das zu ändern, seien die Anbieter gefragt, meint der IT-Verband Bitkom. Und es müsse das Vertrauen in die Technologie gefördert werden.

Quelle: dpa

Wo kann ich mobil mit dem Smartphone bezahlen?

Dem Branchenverband Bitkom zufolge gibt es deutschlandweit 60.000 Akzeptanzstellen für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Unter anderem Tankstellen setzen darauf, aber auch große Ladenketten rüsteten zuletzt deutlich auf. Auch Aldi Nord bietet nun in allen seinen 2400 Filialen bundesweit das mobile Bezahlen mit dem Handy an. Beim Discounter Netto können Kunden sogar über die Apple Watch bezahlen.

Welche Hürden gibt es noch?

Als einer der Flaschenhälse galt bislang, dass der Handel nur spärlich mit entsprechenden Terminals ausgerüstet war. Das soll sich jedoch bald ändern, da die Lesegeräte in großem Stil auswechselt werden. Laut Branchenverband Bitkom liegt auch eine Hürde darin, dass die Nutzer über die Möglichkeiten gar nicht ausreichend informiert seien.

Wie funktioniert mobiles Bezahlen?

Das Geld fließt vom Kunden-Smartphone bis zum Händler über viele verschiedene Wege. Anbieter der Transaktion sind Handelsketten, Telekom- und Internet-Unternehmen oder Hardwarehersteller wie Apple. In der Regel muss sich der Nutzer eine entsprechende App herunterladen. Manche Anbieter setzen auf den QR-Code, ein grafisches Quadrat, das ähnlich wie der Barcode funktioniert. Wer etwa an der Kinokasse mit Yapital bezahlen will, scannt mit dem Smartphone den QR-Code. Das Geld wird von einem vorher hinterlegten Guthaben abgebucht. Die meisten Angebote nutzen aber inzwischen den Nahfeldfunk NFC (Near Field Communication).

Wie läuft es mit NFC?

Dabei wird das Smartphone dicht an das Terminal gehalten. Die Transaktion kann auch über die Eingabe einer PIN-Nummer abgesichert werden. Unter anderem der Kreditkartenanbieter Mastercard etwa setzt auf NFC. Die Technologie wird von den meisten aktuellen Smartphones unterstützt, inzwischen auch von den iPhones von Apple. Deren Bezahlfunktion Apple Pay gibt es zwar vorerst nur in den USA, doch Branchenexperten erwarten, dass der Dienst auch in Europa das mobile Bezahlen deutlich in Schwung bringen wird.

Welche Risiken gibt es?

Werden Zahlungen mit persönlichen Daten mobil verschickt, könnten Kriminelle theoretisch an mehreren Stellen den Datenstrom abgreifen. Der Standard NFC gilt aber als besonders sicher, da er zum Beispiel nur über eine sehr geringe Entfernung vom Smartphone zum Terminal funkt. Dabei werden die Daten verschlüsselt. Bei Apple Pay etwa wird zudem der Fingerabdruck des iPhone-Nutzers für die Absicherung genutzt. Sollte das Smartphone geklaut werden, kann auch der Dieb nicht auf das Konto zugreifen. Kreditkartenanbieter sichern die Transaktionen zusätzlich mit einem Verfahren namens Tokenisierung. Die Daten werden damit so verschlüsselt, dass nur die Bank ihren Kunden identifizieren kann.

Doch die Händler rüsten auf. Neu eingeführt hat es gerade Aldi Nord in allen 2400 Filialen, auch Netto bietet bundesweit die Kreditkartenzahlung an. In den 640 Kaufland-Filialen und in allen Lidl-Supermärkten werden seit dem 1. Juli Kreditkarten von Mastercard und Visa akzeptiert, auch Aldi Süd zieht nach. „Mit diesen tektonischen Verschiebungen haben wir in Deutschland die Voraussetzung für eine flächendeckende Nutzung kontaktloser Kreditkarten geschaffen“, sagt KPMG-Experte Korschinowski.

Kommentare (21)

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Frau ida müller

15.07.2015, 10:20 Uhr

Auch wenn "Offiziell" ab dem 01.07. eine Bezahlung per Visa im Lidl möglich sein soll, sperren sich viele auch noch heute gegen (Beispiel Lidl in Mainz am Bismarckplatz).
Dass Deutschland in der Hinsicht weit hinterher ist, ist unbestritten.
Ein großes Problem wird der Handynetzempfang in Geschäften werden. Dann ist die Bezahlung für die Katz. Argumente wie "freies Wlan" ziehen nicht. Kaum jemand macht sich daran und loggt sich in ein freies Netz ein, um dann bezahlen zu können.
Schwierig wird es für die Kunden,die kostenloses Internet (...) nutzen. Ist zwar kostenlos, aber langsam.
Ich bin für die Kreditkartenzahlung. Dennoch muss Deutschland sich noch einiges anhören müssen, wenn es aufschließen möchte.

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Heinz Rüdiger

15.07.2015, 10:36 Uhr

Schön wenn der Provide / Apple / NSA / die Cloud meine Verhaltensweisen / Kaufgewohnheiten / Lieblingskaffees etc. kennt, da kann man die Leute mit noch mehr Werbung zumüllen. Wozu eigentlich noch Privatsphäre ?

Digitale Demenz 2.0

Herr Uwe Ridderbusch

15.07.2015, 10:43 Uhr

Ich liebe mein iPhone, es erinnert mich an Termine, wichtige Mails können schon mal gelesen und beantwortet werden, und die Familie weiß wann ich in einer Besprechung bin und als Bordkarte ist es seit dem 3G auch zu gebrauchen.
Aber beim Geld hört die Freundschaft auf und die Liebe erst recht.
Feinkost Albrecht und die Lidl Stiftung oder wer auch immer, müssen über mich nicht mehr wissen, als daß das Konto gedeckt ist.
Zu persönliche Daten; ob derjenige dreißig, vierzig oder 70 ist, der die Salami kauft hat nicht zu interessieren, wichtig er kann die Wurst auch bezahlen.
Und nun zur Sicherheit, auch wenn der Betrag gedeckelt ist, was wissen wir im Cyberzeitalter: Sicher ist nur, daß nichts sicher ist.
Und was machen wir den in Zukunft in Kinofilmen, wird statt dem Geldkoffer ein Mobiltelefon übergeben?
In Deutschland kursiert der Spruch "nur Bares ist Wahres".
Da werden wohl noch einige Generationen ins Land gehen bis das Taschengeld von iphone zu iphone geht, den Oma steckt das Geld für das gute Zeugnis und gute Zensuren in den Spartopf der Kinder und die freuen sich über den typischen Klang des fallenden Geldes. Da ist die nächste Bargeldgeneration vorprogrammiert.
Das Wort begreifen kommt von anfassen, also wie soll man den Umgang mit Geld lernen, wenn es nicht real ist. Was passiert sieht man in den USA, Privatleute mit mehreren Kreditkarten, die völlig den Überblick verloren haben und überschuldet sind. Wobei es hier sicherlich auch ein kulturelles und ein Bildungsproblem ist.

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