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30.07.2015

07:38 Uhr

Apple-Rivale enttäuscht

Samsung verliert an Boden

VonMartin Kölling

Die Galaxy S6-Modelle begeisterten die Tester durch Design, bleiben im Markt allerdings hinter den Erwartungen zurück. Die Koreaner kämpfen nicht mehr nur gegen Apple, in der Android-Welt geht es gegen Chinesen.

Samsung verliert auf Apple – und in China. ap

Im Boommarkt im Hintertreffen

Samsung verliert auf Apple – und in China.

TokioZahlen lügen nicht. Die in der Quartalsbilanz von Samsung Electronics führen den erfolgsverwöhnten Koreanern und der Welt zumindest eines klar vor Augen: Die Zeiten der Rekorde sind für den größten Handyhersteller unwiderruflich vorbei. Nicht einmal der Verkaufsstart seiner zwei Smartphone-Flaggschiffe der Galaxy-S6-Klasse brachten den einstigen Glanz zurück.

Während Rivale Apple weiter Rekorde einfährt, sackte Samsungs Reingewinn in zweiten Quartal auf 5630 Milliarden Won ab. Dies ist nicht nur acht Prozent weniger als vor einem Jahr, als Samsung vom Höhen- in einen steilen Sinkflug überging. Das Ergebnis liegt auch rund sieben Prozent unter den ohnehin gezügelten Erwartungen der Analysten, die Bloomberg befragt hatte.

Noch deutlicher wird der wachsende Abstand der Koreaner zur Kultmarke aus Cupertino, wenn man sich die Entwicklung von Umsatz und der Profitabilität anschaut. Bis 2013 konnte Samsung Apple hier das Wasser reichen. Aber Samsungs Umsatz sank innerhalb von zwölf Monaten um sieben Prozent auf 48.500 Milliarden Won. Und die operative Gewinnmarge war mit 14 Prozent nur noch halb so hoch wie die von Apple.

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Analysten haben den Schuldigen für Samsungs Absturz rasch gefunden: Die Mobilsparte, die zu Rekordzeiten drei Viertel von Samsungs Gewinnen scheffelte. Sie rutschte im Jahresvergleich noch einmal um 37 Prozent auf 2760 Milliarden Yen ab. Und so blieb es der Chip-Sparte der Koreaner überlassen, Ehre und Aktienkurs zu retten. Ihr Betriebsgewinn sprang um 85 Prozent auf 3870 Milliarden Won nach oben.

Immerhin: Neue Strategie hat Erfolg

Die gute Nachricht im tiefen Fall der Handysparte: Die neue Strategie Samsungs, sich auf weniger Modelle zu konzentrieren, hat Erfolg. Die Sparte scheint ihren Tiefpunkt überwunden zu haben und sieht im Reich der Android-Phones, in dem kaum ein Hersteller ordentlich Gewinne macht, wieder aus wie Krösus. Der Gewinn ist um mehr als 50 Prozent höher als im Herbst 2014.

Doch für die Analysten bleibt das Glas halbleer. Während der operative Gewinn sich seit dem dritten Quartal 2014 wieder moderat erholt habe, zeige das aktuelle Ergebnis, dass Samsung weiterhin Herausforderungen in seinem Mobilsegment gegenüber stehe, urteilten die Experten der Kreditbewertungsagentur Moody’s nach der ersten Bilanzschätzung Samsungs, die der Konzern jetzt bestätigte. Dies werde besonders deutlich, wenn man den Start der Galaxy S-6-Modelle berücksichtige. Die sind nämlich hinter den Erwartungen der Märkte zurückgeblieben.

Zum Teil ist dieses Leid selbst verschuldet. Die Nachfrage nach dem Modell „Edge“, bei dem sich der Bildschirm um beide Kanten wölbt, war so viel größer als erwartet, dass Samsung Lieferprobleme bekam. Der Absatz des normaler designten Galaxy S6 weckt bei Zulieferern wiederum die Sorgen, dass sich die Entwicklung des Vorgängermodells wiederholen könnte.

Damals waren die Verkäufe wie beim neuen Modell stark, blieben aber rasch unter den Erwartungen zurück, klagt ein Verkäufer eines japanischen Lieferanten gegenüber der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei. „Ich hasse es zu sagen, aber mein Gefühl ist: nicht nochmal.“ Dabei versucht Samsung mit einer strategischen Wende, genau das zu verhindern.

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