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30.05.2013

09:30 Uhr

Apple rückt von Foxconn ab

Nächstes iPhone wird vom Rivalen Pegatron gebaut

Die Spekulationen über ein günstigeres iPhone-Modell bekommen neue Nahrung. So will Apple sein geplantes Billig-Handy wohl nicht mehr von Foxconn bauen lassen, sondern von dessen Wettbewerber Pegatron.

Pegatron fertigt laut Bericht bereits einen kleinen Teil des Apple-Smartphones. dpa

Pegatron fertigt laut Bericht bereits einen kleinen Teil des Apple-Smartphones.

New YorkDer US-Elektronikriese Apple rückt einem Bericht zufolge von seinem langjährigen Zulieferer Foxconn ab: Apple werde sein geplantes günstiges iPhone, das im Laufe dieses Jahres in die Läden kommen soll, vom Foxconn-Konkurrenten Pegatron fertigen lassen, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe. Pegatron hat seinen Firmensitz wie Foxconn in Taiwan, lässt aber auch viel in China produzieren.

Es seien "strategische Gründe", die Apple vom Foxconn-Konzern Hon Hai zu Pegatron trieben, zitierte die Zeitung "Eingeweihte". Apple-Chef Tim Cook wolle das Risiko breiter streuen, nachdem Foxconn im vergangenen Jahr Smartphones mit verkratzten Metallhüllen geliefert habe.

Die Evolution des iPhone

iPhone - die erste Generation

Mit seinem leicht bedienbaren Touchscreen revolutionierte das iPhone die Handybranche. Dabei waren die technischen Daten der ersten Generation noch recht bescheiden: Der Prozessor leistete nur 667 Megahertz, der Arbeitsspeicher war nur 128 Megabyte groß. Den Datenfunk UMTS unterstützte die erste Generation nicht. Trotzdem wurde das Gerät ein riesiger Erfolg.

iPhone 3G

Das zweite Gerät der iPhone-Reihe, vorgestellt im Juni 2008, brachte einige wesentliche Änderungen. Zum einen überarbeitete Apple das Design gründlich. Zum anderen unterstützte das Gerät den Datenfunk UMTS sowie den Datenturbo HSDPA.

iPhone 3GS

Ein Jahr später stellte Apple das iPhone 3GS vor. Am Design änderte sich nichts, allerdings stattete der Hersteller das Gerät mit einem besseren Prozessor und einem größeren Speicher aus. Das suggeriert auch der Name: Das S steht für „Speed“. Zudem war eine Kamera mit 3 Megapixel Auflösung an Bord.

iPhone 4

Mit der vierten Generation, präsentiert im Juni 2010, wagte Apple wieder ein neues Design: Das Gehäuse war kantiger und aus Edelstahl. Zudem verbaute der Hersteller ein Display mit höherer Auflösung. Auch der Prozessor war leistungsfähiger als beim Vorgänger. Der Ansturm auf das Gerät war gewaltig.

iPhone 4S

Äußerlich unterschied sich das iPhone 4S kaum von seinem Vorgänger, das Design blieb weitgehend gleich. Schlagzeilen machte vor allem der persönliche sprachgesteuerte Assistent Siri, der zunächst nur auf dem 4S lief, später aber auch auf anderen iPhone-Modellen. Siri kann Fragen beantworten oder Kommandos ausführen. Die Kamera des iPhone 4S hatte eine Auflösung von 8 Megapixel.

iPhone 5

Das sechste und aktuelle Gerät der Reihe heißt iPhone 5. Es ist etwas länger, aber gleichzeitig dünner als das Vorgängermodell – dadurch ergibt sich ein neues Seitenverhältnis von 16:9. Die 8-Megapixel-Kamera kann Aufnahmen in HD anfertigen. Ein neuer Prozessor soll für mehr Tempo sorgen. In die Kritik geriet Apple, weil vor allem an der schwarzen Variante schnell Abnutzungserscheinungen zu sehen waren. Mit dem iPhone 5 führte Apple auch iOS 6 ein, die neue Version des Betriebssystems, die den vielkritisierten Kartendienst Maps enthält.

iPhone 5C und 5S

Das iPhone 5c und das iPhone 5s waren die Modelle sieben und acht. Das 5c ist die etwas günstigere Variante: Weitgehend ausgestattet wie das iPhone 5, hat es aber ein Gehäuse aus buntem Plastik. Das 5s hat unter anderem einen doppelt so schnellen Chip, eine bessere Kamera und einen Fingerabdrucksensor zur Entsperrung des Gerätes.

Zudem habe Pegatron, um den Riesen-Auftrag zu bekommen, günstigere Preise als Foxconn angeboten, wie Analysten dem Blatt sagten. Apple wollte den Bericht nicht kommentieren. Über ein billigeres iPhone-Modell wird angesichts der starken Konkurrenz durch günstige Geräte vor allem von von Samsung schon seit langem spekuliert.

Foxconn musste die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken in China nach einer Reihe von Selbstmorden aufgrund des großen öffentlichen Drucks verbessern und zahlt seitdem auch höhere Löhne. Das schmälert die Rendite des Konzerns. Nach Angaben von Arbeitsrechtsorganisationen haben seit 2010 insgesamt 13 Arbeiter von Foxconn Selbstmord begangen. Erst im April stürzten sich nach Angaben von China Labor Watch zwei junge Männer und eine Frau in den Tod.

Die wichtigsten Akteure bei Apple

Tim Cook

Apple-Gründer Steve Jobs holte den Computermanager Tim Cook 1998 zu Apple und vertraute ihm die Führung des operativen Geschäfts an. Der Südstaatler mit der weichen Stimme ordnete die Produktions- und Vertriebskette radikal neu und machte Apple zu einer effizienten Geldmaschine, die Jobs’ kühne Visionen umsetzen kann. Im August 2011 übernahm der heute 51-jährige Cook permanent die Konzernführung. Er setzte eigene Akzente: Apple ist merklich offener in der Kommunikation geworden, auch was die Arbeitsbedingungen bei seinen chinesischen Zulieferern angeht. Ein revolutionäres Produkt wie das iPhone hat er bislang aber nicht vorstellen können.

Jony Ive

Der britische Designer Jonathan „Jony“ Ive stieß schon Anfang der 90er-Jahre zu Apple. Doch erst als Jobs 1997 wieder die Führung übernahm, blühte Ive voll auf. Seine Abteilung bekam größere Räume in einem Hochsicherheitstrakt des Hauptquartiers und die Lizenz zum Experimentieren. Aus Ives Labor stammen Innovationen wie die aktuellen Notebooks aus einem Stück Aluminium sowie das schlichte Design von iPhone, iPad und Mac. Viele Beobachter sehen am ehesten Ive als Jobs-Nachfolger, was die Zukunftsvisionen angeht. In seiner aktuellen Rolle als Verantwortlicher für das Design von Geräten wie auch der Software kommt er dieser Führungsrolle nahe.

Eddy Cue

Der Manager ist „Feuerwehrmann“ für brenzlige Angelegenheiten. Der Chef der iTunes-Plattform musste bereits den schlecht gestarteten Speicherdienst MobileMe retten – und machte die funktionierende iCloud daraus. Er soll auch die misslungenen Apple-Karten fit machen und den oft kritisierten persönlichen Assistenten Siri verbessern. Schon 2011 bekam Cue die Führung des gesamten Bereichs Internet-Software und Dienste übertragen. Damit ist er Chef über den iTunes Store, den App Store und den Büchershop iBooks. Mit dem Online-Speicher iCloud zeichnet er für einen Schlüsselbereich für die Zukunft von Apple verantwortlich.

Phil Schiller

Der „Senior Vice President“ für Marketing übernimmt stets die Präsentation der neuen Geräte – vom iPhone 5 bis zum iPad mini. Alle neuen erfolgreichen Produkte von Apple sind unter Schillers Regie vermarktet worden. Firmenchef Tim Cook tritt bei Produktvorstellungen meist in den Hintergrund und überlässt die Präsentation Schiller.

Foxconn beschäftigt insgesamt 1,2 Millionen Menschen in China, der Konzern beliefert auch viele andere Elektronikfirmen wie Sony oder Nokia. Pegatron, benannt nach dem fliegenden Pferd Pegasus, hat nach Angaben der Zeitung rund 100.000 Beschäftigte in Taiwan und in China. In der zweiten Jahreshälfte solle die Zahl der Mitarbeiter in China aber um 40 Prozent steigen, sagte demnach jüngst der Finanzvorstand, Charles Lin - nach Einschätzung von Analysten ein Hinweis auf die künftige Produktion des Billig-iPhones.

Pegatron fertigt laut Bericht bereits einen kleinen Teil des Apple-Smartphones und habe im vergangenen Jahr damit begonnen, das iPad Mini zu produzieren. Das erst 2008 gegründete Unternehmen produziert nach eigenen Angaben auch Computer, Spielekonsolen und Fernseher.

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Von

afp

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

30.05.2013, 11:41 Uhr

Apple muss von Gutmenschen durchsetzt sein wie der alte Speck von Maden. Es gibt nicht allzu viele westliche Firmen, die in der dritten Welt den Menschen so grosszügig Arbeit verschaffen auf Kosten Arbeitssuchender im eigenen Land.

Stefan

30.05.2013, 14:43 Uhr

"Foxconn musste die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken in China nach einer Reihe von Selbstmorden aufgrund des großen öffentlichen Drucks verbessern und zahlt seitdem auch höhere Löhne."
Da muss Apple aber sofort auf den Konkurrenten ausweichen. Bessere Arbeitsbedingungen, wo kommen wir denn da hin? Tip: schon mal Bangladesch versucht?

andreask90

31.05.2013, 08:19 Uhr

Deutschland 12,4 Suizide per 100.000 Einwohner
Foxconn 13 Suizide per 1.200.000 Mitarbeiter
Demnach ist Foxconn das Paradis gegen Deutschland

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