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15.10.2014

12:15 Uhr

Apple und Facebook

Fruchtbarkeit auf Eis gelegt

Damit sie erst Karriere machen können, zahlen Apple und Facebook jungen Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen. Nicht der erste Versuch, qualifizierte Frauen zu binden. Doch das Angebot stößt auch auf Kritik.

Sheryl Sandberg: Die Geschäftsführerin ist Facebooks Aushängeschild, wenn es um die Beschäftigung von Frauen geht. Nun wagt das soziale Netzwerk einen weiteren Schritt, um qualifizierte Mitarbeiterinnen länger zu halten. Reuters

Sheryl Sandberg: Die Geschäftsführerin ist Facebooks Aushängeschild, wenn es um die Beschäftigung von Frauen geht. Nun wagt das soziale Netzwerk einen weiteren Schritt, um qualifizierte Mitarbeiterinnen länger zu halten.

DüsseldorfApple und Facebook haben sich eine besondere Art der Motivation von Mitarbeiterinnen ausgedacht. Damit junge Frauen zuerst Karriere machen und dann schwanger werden können, bieten die beiden US-Konzerne ihnen an, ihre Eizellen auf Firmenkosten einfrieren zu lassen. Das berichtet der US-Fernsehsender NBC. In dem Beitrag heißt es, dass Frauen bei Facebook das Angebot schon seit einiger Zeit wahrnehmen können. Bei Apple soll es im Januar soweit sein. Damit seien die beiden IT-Firmen die ersten großen Konzerne, die diese Kosten für ihre weiblichen Angestellten ohne ersichtlichen medizinischen Grund übernehmen, schreibt NBC.

Die beiden Unternehmen zahlen aber unter verschiedenen Konditionen: Apple deckt die Kosten der Frauen, die später selbst noch Kinder bekommen wollen. Facebook hingegen gibt das Geld Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, um die befruchteten später von einer Leihmutter austragen zu lassen. Die IT-Konzerne stellen dafür bis zu 20.000 US-Dollar (knapp 16.000 Euro) bereit. NBC zufolge haben mehrere Facebook-Mitarbeiterinnen das Angebot bereits angenommen.

Es könne als „Ausgleich“ für ihren Einsatz verstanden werden, sagte der Fruchtbarkeitsspezialist Philip Chenette gegenüber der NBC. Kritiker monieren, dass Apple und Facebook Frauen vor die Wahl zwischen Karriere und Elternzeit stellen. Befürworter hingegen sehen den Kostenausgleich als Wettbewerbsvorteil für die beiden IT-Konzerne, weil sie ihre Mitarbeiterinnen an sich binden und ihnen erst eine Karriere ermöglichen. „Eine Karriere und Kinder zu haben, ist immer noch schwer“, sagt Brigitte Adams, eine Befürworterin des Eizellen-Einfrierens und Gründerin des Forums Eggsurance.com.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Apple und Facebook gelten allgemein als frauen- und familienfreundlich. Die IT-Konzerne aus dem Silicon Valley unterstützen beispielsweise Fruchtbarkeitsbehandlungen bei Frauen, die schwanger werden wollen, sowie Adoptionen. Facebook zahlt frischgebackenen Eltern sogar einen Betrag von 4000 US-Dollar (rund 3000 Euro), auch bekannt als „Baby Cash“, wenn der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt. Das Geld steht zur freien Verfügung der Eltern.

Das soziale Netzwerk hat zudem ein klares Zeichen gesetzt, als es 2008 die frühere Google-Managerin Sheryl Sandberg holte und sie zur operativen Geschäftsführerin machte. Sandberg gilt als Kopf der neuen amerikanischen Frauenbewegung und führte ihren Standpunkt im vergangenen Jahr in ihrem Buch „Lean In“ aus. Sie hat selbst zwei Kinder.

Kommentare (6)

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Herr J.-Fr. Pella

15.10.2014, 12:29 Uhr

PERVERS,
das 3. Reich läßt grüßen.

Account gelöscht!

15.10.2014, 13:12 Uhr

die brennen doch alle...
diese beiden Konzerne sollten für diese Kohle lieber KV für verarmte Landsleute bezahlen;

Herr Andreas Rabenstein

15.10.2014, 13:49 Uhr

Mich wundert es nicht, das mehr oder wenige reine Tech-Unternehmen den Menschen behandeln wie ein Ersatzteillager, aus dem später ein weiteres "Produkt" hergestellt werden kann . Mehr Entfremdung von der Natur ist kaum noch möglich, das Allerletzte!

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