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10.09.2015

13:08 Uhr

Apple verkauft einen Stift

Was interessiert mich mein „Igitt“ von gestern

VonChristof Kerkmann

Steve Jobs lästerte über Eingabestifte – nun bringt Apple sein neues iPad Pro selbst mit so einem Zubehör heraus. Das kann man lachhaft finden, aber auch ziemlich geschickt. Ein Kommentar.

Ein kleines Element, um das Tablet produktiver zu machen. AFP

Apples Pencil

Ein kleines Element, um das Tablet produktiver zu machen.

„Igitt“, spottete Steve Jobs 2007, als er das erste iPhone vorstellte. „Niemand will einen Stift.“ Die neue Generation von Smartphones, das war für den Apple-Gründer klar, wird mit dem Finger bedient. Gut acht Jahre später - der legendäre Gründer lebt inzwischen nicht mehr - bringt der iKonzern mit dem „Pencil“ selbst so ein Zubehör auf den Markt, mit dem man das neue, extragroße Tablet aufrüsten kann. Selbst in dem mit vielen Apple-Mitarbeitern gefüllten Auditorium in San Francisco konnten sich viele das Lachen nicht verkneifen.

Doch Spott ist nicht angebracht. Denn das Unternehmen beweist erstens, dass es ein Gespür dafür hat, wann die Zeit für eine Technologie gekommen ist. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Und zweitens, dass es zwar wichtig ist, Überzeugungen zu haben, ebenso aber, diese immer wieder zu überprüfen. Steve Jobs selbst war dafür berüchtigt, seine Meinung zu ändern – und dann so zu tun, als habe er schon immer so gedacht.

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Der Autor

Christof Kerkmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Dass der Apple-Gründer damals über die Stifteingabe lästerte, war geschicktes Marketing. Vor acht Jahren gab es keine massentauglichen Bildschirme, die sich bequem mit Gesten bedienen ließen. Deswegen hatten Taschencomputer wie der Palm Pilot einen Stylus, mit dem man herumdrückte und -kritzelte – es ging eben nicht anders. Der Finger als Stift, das war ein Verkaufsargument.

Die Technik hat sich in den letzten Jahren indes rasant weiterentwickelt. Das erste iPhone war schick, aber für heutige Verhältnisse technisch antiquiert. Zudem war der Bildschirm mit 3,5 Zoll im Vergleich zu herkömmlichen Handys groß, aber immer noch so klein, dass man darauf kaum Arbeit erledigen konnte.

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Die Produktpräsentation von Apple glich einem Pop-Konzert: Dennoch schien es so, als wollte es Tim Cook einfach hinter sich bringen. Vier Geräte erhielten eine Frischzellenkur. Die Börsen konnte das nicht überzeugen.

Doch in den letzten Jahren ist die Leistung der Smartphones und Tablets so sehr gewachsen, dass sie sich als Arbeitsmaschinen eignen. Microsoft macht das mit dem Surface vor, das als Mischung aus Tablet und Notebook Arbeit und Freizeit verbinden soll; auch das reguläre iPad wird häufig mit einer Tastatur aufgerüstet.

Die Bildschirme sind in den letzten Jahren mitgewachsen. Kaum ein Smartphone misst heute weniger als fünf Zoll, Samsung vermarktet seine Note-Reihe erfolgreich als Arbeitshelfer samt Eingabestift. Überdies haben Zubehörhersteller den Stylus weiterentwickelt. Heute lässt sich mit den Geräten tatsächlich filigran schreiben, zeichnen und navigieren.

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