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01.07.2013

18:38 Uhr

Apple-Verleih im Zwielicht

Staatsanwaltschaft sucht nach Phantom-iPads

ExklusivEinem Berliner Geschäftsmann ist ein seltenes Kunststück gelungen. Er soll Apple-Geräte verliehen haben, die es gar nicht gibt. Nun haben seine Kunden die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Ein Berliner iPad-Verleih soll Kunden betrogen haben. ap

Ein Berliner iPad-Verleih soll Kunden betrogen haben.

BerlinDie Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nach Informationen des Handelsblattes wegen des Verdachts des massenhaften Betrugs mit Geräten des US-Konzerns Apple. Der Unternehmer Alexander Gurny soll einen fingierten iPad-Verleih aufgezogen haben und Investoren tausendfach Tablet-Computer verkauft haben, die er  gar nicht besaß. Die Staatsanwaltschaft führt das Verfahren unter dem Aktenzeichen 283 Js 1436/13, wollte sich auf Anfrage zu den Details des Falles aber nicht äußern.

Gurny ist unter der Webseite www.ipadverleih.com aktiv, seine Firma ist als Smallfunds GmbH im Handelsregister eingetragen. Die Smallfunds GmbH bietet Investoren an, iPads zu kaufen, um sie dann sofort zurückmieten, und an Schulen, Reiseveranstalter und andere weiterzuvermieten. Der Mietvertrag dauere 18 Monate, in dieser Zeit würde die Smallfunds GmbH den Investoren 660 Euro an Mieteinnahmen überweisen – 110 Euro zu Beginns jedes Quartals. Nach Ablauf der Frist würde Smallfunds die Geräte zurückkaufen – für 430 Euro. Die Rendite für den Investoren: 30,22 Prozent per anno.

Doch seit Ende 2012 stocken die Auszahlungen. Investoren beklagten gegenüber dem Handelsblatt, sie würden seit Monaten keine vernünftigen Erklärungen zu dem Zahlungsstopp erhalten. Der Geschäftsführer Gurny lasse sich am Telefon verleugnen. Sie fürchten, in ein Schneeballsystem geraten zu sein, bei dem alte Investoren mit dem Geld von neuen Investoren in treuem Glauben gehalten werden, solange das System funktioniere. Nun funktioniere es aber nicht mehr.

Die größten Tablet-Hersteller

Apple

Mit dem iPad hat Apple den totgeglaubten Tablet-Markt wiederbelebt, und immer noch ist der iKonzern der größte Anbieter, angesichts wachsender Konkurrenz verliert er allerdings Marktanteile. Im ersten Quartal stammte ein Drittel der Geräte von Apple (32,5 Prozent Marktanteil nach 40,2 Prozent im Vorjahr). Dabei entwickelte sich der Konzern schlechter als der Markt, der Absatz fiel von 19,5 Millionen auf 16,4 Millionen Stück – insgesamt stieg der Absatz dagegen leicht auf 50,4 Millionen Stück, wie aus Zahlen des Marktforschers IDC hervorgeht.

Samsung

Samsung ist bereits der größte Smartphone-Hersteller, auch bei den Tablets holt der südkoreanische Hersteller mächtig auf. Im ersten Quartal verkaufte er 11,2 Millionen Geräte und steigerte damit den Marktanteil auf 22,3 Prozent (Vorjahresquartal: 17,5 Prozent).

Asus

Einen leichten Rückgang verbuchte Asus. Der taiwanische Computerhersteller, der unter anderem für Google das Nexus 7 baut, verkaufte 2,5 Millionen Tablets – 5,0 Prozent Marktanteil (Vorjahr: 5,4 Prozent).

Amazon

Der Online-Händler Amazon drückt sein Kindle Fire zu Kampfpreisen in den Markt, allerdings mit durchwachsenem Erfolg. Das Unternehmen verkaufte im ersten Quartal eine Million Geräte und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Der Marktanteil sank auf 1 Prozent.

Sonstige

Diverse Hersteller tummeln sich in der Kategorie Sonstiges – zusammen kommen sie auf 17,2 Millionen Geräte und einen Marktanteil von 34,2 Prozent. Darunter ist beispielsweise Microsoft: Der Konzern vermarktet seinen Tablet-Computer Surface als Notebook-Ersatz.

Lenovo

Aufsteiger des Jahres in Lenovo: Der größte PC-Hersteller der Welt verkaufte im ersten Quartal auch 2,1 Millionen Tablets, ein plus von 1,5 Millionen. Marktanteil: 2,1 Prozent.

Gury bestreitet per Eintrag auf seiner Internetseite die Vorwürfe. Es sei allerdings richtig, dass er sich auf „längerer Dienstreise im außereuropäischen Ausland“ befinde. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr sei unbestimmt.

Mehrere Investoren gaben gegenüber dem Handelsblatt an, sie hätten sich beim Hersteller Apple nach den Gerätenummern erkundigt, die auf den Rechnungen der Smallfunds GmbH aufgerührt waren. Apple zufolge seien zahlreiche Gerätenummern falsch, sprich: es existieren keine Geräte mit solchen Nummern. Gurny bestreitet auch dies. Apple wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern.

Von

iw

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

01.07.2013, 19:13 Uhr

"Rendite: 30,22 Prozent per anno.". Ich wette 90% der Investoren ist es zu peinlich sich zu melden. Wer prahlt schon gern mit seiner Doofheit?

hg67

02.07.2013, 07:17 Uhr

tja..so ist es, wenn ich meiner eigener Firma Geld zu 8.5% leihe, dann muss ich dem FA schon rede und antwort stehen. Hier gibt es nach Abzug aller Kosten angeblich 30%..Gier frisst Hirn..

Investor

02.07.2013, 10:02 Uhr

"Gier frist Hirn" - Wissen manche Menschen hier eigentlich was für einen Bullshit sie von sich geben? Die Renditen schwankten zwischen 20-30% für Zeiträume von 6-9 Monaten und unter Beachtung mehrerer Teil-Zahlungstranchen. Das ergibt eine deutlich geringere Jahres-Rendite. Davon unabhängig sind solche Renditen bei Start-Ups in Wachstumsbranchen nicht unüblich. Siehe auch die finanzielle Performance bei Apple und Co. Ausserdem wurde bei Abschluss der Investition das Eigentum am Gerät verbrieft, ganz ohne Hirn war das sicher nicht. Ich persönlich bin erst eingestiegen als ein Bekannter über 15 Monate hinweg einwandfreie Rückzahlungen erhalten hatte. Die Investoren die hier betrügerisch geschädigt wurden haben sicherlich Gewinnerzielunsabsichten aber von Gier würde ich hier nicht sprechen und das letzte was sie brauchen sind Deppen die sich jetzt darüber lustig machen.

Info für Geschädigte: unter facebook hat sich eine geschlossene Gruppe von geschädigten Investoren gebildet

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