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26.10.2016

06:12 Uhr

Apple verliert Umsatz

Die fetten Jahre sind vorbei

VonBritta Weddeling

Erstmals seit 2001 beendet Apple das Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang. Neue Wachstumsquellen jenseits des iPhones sind für Konzernchef Tim Cook weiter nicht in Sicht.

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Starke Gewinneinbrüche - Ob das Weihnachtsgeschäft retten kann?

Apple: Starke Gewinneinbrüche - Ob das Weihnachtsgeschäft retten kann?

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San FranciscoIn solchen Momenten reagiert selbst der sonst souveräne Tim Cook schmallippig. Ob der Apple-Chef etwas zur langfristigen Strategie für die nächsten Jahre sagen könne, fragt ein Analyst in dem Telefonat mit Investoren nach der Präsentation der Quartalsergebnisse. Oder ob er momentan vor allem auf das reagiere, was so am Markt passiert.

Schon allein die Frage ist eine Frechheit. Zumindest aus der Perspektive von Apple. Schließlich fußt das Selbstbewusstsein des Konzerns darauf, sich wenig darum zu scheren, was die anderen tun, sondern vor allem die eigenen Visionen zu verfolgen. Entsprechend zugeknöpft antwortet Cook. „Wir haben sehr viel in der Pipeline, wie immer reden wir nicht darüber, aber wir sind zuversichtlich.“

Apples iPhone: Vom Pionier zum Kassenschlager

Das erste iPhone

Für das Jahr 2007 waren der große Touchscreen ganz ohne Tastatur und die Bedienung per Finger ein radikales Konzept, das die Smartphone-Revolution entscheidend anschob. Dabei verzichtete Apple bei der ersten Version sogar auf den schnellen UMTS-Datenfunk.

iPhone 3G

Ein iPhone 2 gab es nie – stattdessen kam im Sommer 2008 das iPhone 3G, was auf die Unterstützung des 3G-Standards UMTS hinwies. Das Aluminium-Gehäuse wurde durch eine Plastik-Schale ersetzt. Mit dem App Store öffnete Apple die Plattform für Programme verschiedener Entwickler.

iPhone 3GS

Mit dem Modell des Jahres 2009 führte Apple sein „Tick-Tock“-Prinzip ein, bei dem die iPhones alle zwei Jahre radikal erneuert werden und es zwischendurch ein „S“-Modell im unveränderten Design, aber mit aufgerüstetem Innenleben gibt. Das 3GS bekam eine bessere Kamera und einen schnelleren Chip.

iPhone 4

Das letzte Modell, das Gründer Steve Jobs noch selbst vorstellte. Das kantige Design des iPhone 4 mit einer gläsernen Rückwand war 2010 aufsehenerregend, zugleich häuften sich zunächst Berichte über Empfangsprobleme mit der Antenne am Außenrand.

iPhone 4S

Apple ließ sich 15 Monate Zeit bis Oktober 2011 mit einer Aktualisierung. Zu den Neuerungen gehörte neben technischen Verbesserungen die Sprachassistentin Siri.

iPhone 5

Während die Smartphones der Wettbewerber immer größer wurden, erweiterte Apple 2012 zunächst vorsichtig die Bildschirm-Diagonale von 3,5 auf 4 Zoll. Zugleich wurde das Gerät deutlich dünner gemacht und bekam wieder eine Aluminium-Hülle.

iPhone 5S

Die wichtigste Neuerung im Herbst 2013 war der Fingerabdruck-Sensor zum Entsperren der Telefone. Zudem entwickelte Apple unter anderem die Kamera weiter.

iPhone 6

Erstmals entschied sich Apple 2014 für zwei neue Modelle mit deutlich größeren Bildschirmen mit Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll. Der Schritt löste einen Absatzsprung aus, Apple kam monatelang der Nachfrage nicht hinterher. Die Geräte wurden abermals dünner.

iPhone 6S

Gleiches Gehäuse, bessere Technik – das reichte im Weihnachtsquartal 2015 knapp für den nächsten Absatzrekord von knapp 74,8 Millionen verkauften iPhones.

iPhone 7

Zum ersten Mal geht Apple ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten äußeren Design. Doch der Großkonzern verzichtete unter anderem auf die klassische Ohrhörer-Buchse zugunsten des digitalen „Lightning“-Anschlusses.

Nicht so die Wall Street. Nach der Bekanntgabe der Zahlen sank der Aktienkurs von Apple nachbörslich um mehr als zwei Prozent. Erstmals seit 2001, wo mit der Einführung des iPod der Aufstieg von Apple zur Tech-Macht mit den großen Visionen begann, schließt der Konzern das Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang ab. Die fetten Jahre, in denen die iPhone-Verkäufe den Konzern zur wertvollsten Firma der Welt machten, sind vorbei.

Im dritten Quartal in Folge muss der Hersteller nun sinkende Umsätze verbuchen, diesmal sanken sie um neun Prozent auf 46,9 Milliarden Dollar. Die Nettoeinnahmen fielen um 19 Prozent auf neun Milliarden Dollar (1,67 Dollar pro Aktie) von 11,1 Milliarden Dollar (1,96 Dollar pro Aktie) im Vorjahr.

Es rächt sich immer mehr, dass fast zwei Drittel der Einnahmen am iPhone hängen. Im vierten Quartal verkaufte Apple 45,5 Millionen iPhones, 2,5 Millionen Stück weniger als im Jahr zuvor. Die Nachfrage ist offenbar gesättigt. Besonders in Teilen Chinas, wo Apple im Vorjahresquartal Zuwächse von bis zu 99 Prozent verzeichnete, lassen die Verkäufe nach.

Ob Apple von dem Desaster um die brennenden Galaxy Note 7 von Samsung profitieren könne, das der Aktie zwischenzeitlich zu einem Höhenflug verhalf, werde sich erst in den kommenden Wochen zeigen, erklärt Thomas Husson, Analyst bei Forrester. „Die Marke Samsung ist beschädigt. Doch Kunden vergessen schnell.“

Kommentare (5)

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Herr Stephan Venus

26.10.2016, 08:29 Uhr

Irgendwann wachsen Märkte nicht mehr. Produkte gehören zum täglichen leben, quasi der Grundversorgung. Damit fehlt den kurzfristig denkenden Zockern die Wachstumsphantasie. Ein gewisser Warren Edward Buffett fängt in dieser Phase an sich für diese Werte zu interessieren. Aber was versteht der schon von den Aktienbörsen.

Herr Max Nolte

26.10.2016, 09:08 Uhr

ich finde das ist ne gute Nachricht, dem teuersten Unternehmen der Welt können ruhig mal ein paar Federn gerupft werden. Mir macht das Angst wenn die so mächtig sind, die haben genug zig Milliarden Gewinne gemacht die letzten Jahre und jetzt verdient man halt mal ein paar Milliarden weniger.
Die Leute sind ja schon fast abhängig von ihrem Apple-Schrott und beten diese Marke an, zu affig sowas...um ein bißchen in Excel rumzutippen kaufen die sich nen MacBookAir...da haste keine Fragen mehr..

Wir kaufen Dinge die wir nicht brauchen, von Geld was wir nicht haben um Leute zu beeindrucken die wir nicht mögen...

Herr Percy Stuart

26.10.2016, 11:49 Uhr

Solange nicht etwas wirklich innovativ Neues auf den Markt kommt, reichen die heute angebotenen IT-Produkte doch tausendfach aus.
Warum brauche ich 8 oder 12 CPU Kerne, um im Internet zu surfen oder e-Mails abzurufen?
Macht für mich keinen Sinn.
Apple verkauft eh eher ein Lebensgefühl, als dass man deren überteuerte Produkte wirklich für den Alltagsgebrauch benötigt. Da tut es auch ein günstiger Windoes PC.
Klar, Designfetischisten und Grafiker oder Fotografen, werden weiter zu einem Apple greifen, aber der Normaluser braucht die teuren Appleprodukte nicht. Gleiches gilt für die Handysparte und den ganzen anderen Kram von Apple. Wir sollten viel eher unsere IT- und Handynutzung zurückfahren, ich arbeite da selber dran, auch wenn's oft schwer fällt. Vor längerem hatte ich eine komplette Pause von 14 Tagen eingelegt. Kein Internet, keine PC- und keine Handynutzung.
Dazu keine täglichen negativen Nachrichten in der Glotze und im Netz.
Was soll ich sagen, mir ging's blendend.

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