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10.06.2013

07:25 Uhr

Apples Entwicklerkonferenz

Warten auf das nächste große Ding

VonNils Rüdel

Der Aktienkurs lahmt, die Konkurrenz holt auf, dazu noch schlechte Presse: Der erfolgsverwöhnte Apple-Konzern muss bald mit echten Neuheiten nachlegen. Wird Firmenchef Cook Fans und Investoren glücklich machen?

Entwicklerkonferenz

Was wird Apples next big thing?

Entwicklerkonferenz: Was wird Apples next big thing?

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New YorkFür Tim Cook ist dieser Montag ein wichtiger Tag. Einer der Wichtigsten vielleicht in seiner knapp zweijährigen Amtszeit als Apple-Chef. Heute hat er die Chance, zur Abwechslung mal wieder positive Schlagzeilen zu machen.

Wenn Cook am Abend deutscher Zeit in San Francisco die Entwicklerkonferenz WWDC eröffnet, erwarten Fans, Analysten, Investoren und Medien vor allem eines: endlich wieder coole, revolutionäre Neuheiten. Das also, wofür der Technologiekonzern eigentlich steht.

Denn in den vergangenen Wochen waren es weniger erfreuliche Dinge, mit denen man sich am Firmensitz im kalifornischen Cupertino herumschlagen musste: Ärger mit dem US-Kongress wegen angeblicher Vermeidung von Steuern in Milliardenhöhe. Ein drohendes Importverbot einiger Modelle des iPhone und iPad wegen möglicher Patentverletzungen. Ein Prozess wegen angeblicher Preisabsprachen auf dem amerikanischen E-Book-Markt. Und der Verdacht, Apple gewähre wie auch andere IT-Firmen dem US-Geheimdienst NSA Einblick in die Daten der Nutzer.

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Der Konzern bestreitet all diese Vorwürfe, und erwiesen ist davon nichts. Dennoch ging es in letzter Zeit bei Apple mehr um Selbstverteidigung als um Jubelmeldungen. Dazu kommt, dass Investoren und Kunden ungeduldig geworden sind: Die Aktie liegt derzeit mit knapp 442 Dollar etwa 40 Prozent unter Höchststand. Gleichzeitig verlor Apple bei den Smartphones die Marktführerschaft an Googles Betriebssystem Android.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass Apple-Chef Cook in seiner Ansprache auf der WWDC eine überzeugende Strategie für künftiges Wachstum vorlegt. „Apple muss zeigen, dass es immer noch in der Lage ist, Produkte zu erfinden, von denen die Verbraucher noch nicht wissen, dass sie sie brauchen oder haben wollen“, sagte Van Baker vom Marktforschungsinstitut Gartner. Unter Cook gab es bislang vor allem Updates der Verkaufsschlager iPhone und iPad.

Kommentare (3)

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pool

10.06.2013, 10:12 Uhr

Der neue Reduktionismus ist ausgereizt, denn nun beginnt die Phase, man zahlt alles für gar nichts.
Das nächste grosse Ding wird ein kapitaler Crash sein.

Mac-Harry.de

10.06.2013, 11:21 Uhr

Alle Spekulationen sind FALSCH, so John Gruber, die am besten informierte Quelle zu Apple. Ach, zu "das nächste große Ding wird ein kapitaler Crash" sagen ja alle Apple-Hasser schon seit Jahren, vor dem iPhone, vor dem iPod, vor dem iPad, vor dem Mac, vor dem ... egal was "Apple geht angeblich den Bach runter" ... Gähn. Chrrrr, chrrrr, chrrr ...

Account gelöscht!

10.06.2013, 11:43 Uhr

gähn...mal ganz ehrlich: ich finde n iPhone hat alles was man braucht; ich benötige keine technischen Verbesserungen im Monatsrhytmus. Apple sollte seine Energie lieber auf grundlegende Probleme bündeln; z.b. die Performance des aktuellen OSLM oder dieses verfuckte iTunes ( dem soll erstmal beigebracht werden was Syncronisation bedeutet ).

Ich brauche weder eine Apple Uhr noch n Apple Fernseher; irgendwann wird der der ganze Applekram relativ uncool; falls das ausschlaggebend sein sollte.

Letztendlich will ich ein einfach zu bedienendes System und Geräte, die bei ihrem Preisniveau auch ein bißchen halten.

Und "Luxus" bedeutet auch ganz oft: weniger ( dafür besser )ist mehr.

...wahrscheinlich schaffe ich meine Mobiltelefone in zwei Jahren ab; das wäre dann richtiger Luxus. Die können dann ja meine Sekretärin anrufen....

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