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30.04.2013

16:01 Uhr

ARD und ZDF blicken in die Röhre

Den Öffentlich-Rechtlichen fehlen 84 Millionen

ARD, ZDF, Arte und Deutschlandradio brauchen jährlich 84 Millionen Euro mehr, haben sie ausgerechnet. Dennoch bleibt der Rundfunkbeitrag bis Ende 2014 stabil. Was danach passiert, ist noch offen.

ZDF-Logo mit Mainzelmännchen: Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sparen. dapd

ZDF-Logo mit Mainzelmännchen: Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sparen.

BerlinARD, ZDF, Arte und Deutschlandradio fehlen in der laufenden Beitragsperiode zwischen 2013 und 2016 rund 84 Millionen Euro pro Jahr. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Meldung der Sender an die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hervor.

Die Summe entspreche einem Prozent des Gesamtbudgets aller Sender, erklärten die öffentlich-rechtlichen Anstalten in einer gemeinsamen Mitteilung, ohne das Gesamtvolumen exakt zu benennen. Die Ausgaben für Phoenix, 3Sat und die Spartenkanäle sind bei ARD und ZDF bereits eingerechnet. Die Privatsender kritisierten das Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen.

Deutschlands größte TV-Sender

Platz 10

Super RTL - 2,2 Prozent Marktanteil (Stand: 2011)

Quelle: AGF/GfK Fernsehforschung

Platz 9

RTL II - 3,6 Prozent Marktanteil

Platz 8

Kabel Eins - 4 Prozent Marktanteil

Platz 7

Vox - 5,6 Prozent Marktanteil

Platz 6

ProSieben - 6,2 Prozent Marktanteil

Platz 5

Sat. 1 - 10,1 Prozent Marktanteil

Platz 4

ZDF - 12,1 Prozent Marktanteil

Platz 3

ARD - 12,4 Prozent Marktanteil

Platz 2

Dritte Programme - 12,5 Prozent Marktanteil

Platz 1

RTL - 14,1 Prozent Marktanteil

„Das ist die niedrigste Anmeldung in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland und ein Wert, der umgerechnet weiterhin unterhalb der allgemeinen Teuerungsrate liegt“, teilten die Sender mit. Die ARD bezifferte ihren jährlichen „ungedeckten Finanzbedarf“ auf 54,4 Millionen Euro, das ZDF auf rund 17,7 Millionen Euro. In der Beitragsperiode ab 2013 bezahlt der Rundfunkteilnehmer nicht mehr auf Geräte bezogen - die Abgabe wird erstmals pro Haushalt erhoben.

Der Beitragszahler, heißt es in der Mitteilung, werde bis Ende 2014 weiterhin seine 17,98 Euro pro Wohnung bezahlen. Was danach passiert, ist offen, ist aus Senderkreisen zu hören. Im Herbst werde es eine Aktualisierung der geplanten Beitragseinnahmen auf der Grundlage der bis dahin verfügbaren Zahlen geben. Im Frühjahr werde mit einer Stellungnahme der KEF gerechnet. Danach wird der Beitragszahler wissen, ob er ab 2015 stärker zur Kasse gebeten wird oder auch nicht.

Die ARD errechnete für sich Mehrausgaben beim Programm von 1,1 Prozent, im Personalbereich trotz Stellenabbau von 2,3 Prozent. In der technischen Verbreitung wird gespart, unter anderem weil die Verträge mit Kabel Deutschland gekündigt wurden und die Ausstrahlung der ARD-Hörfunksender über Mittelwelle gestoppt wird.

„Für alle ARD-Landesrundfunkanstalten ist und bleibt es eine große Herausforderung, trotz erheblicher Spar- und Rationalisierungsanstrengungen weiterhin ein anspruchsvolles Programm anzubieten“, sagte der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor. „Dieser Aufgabe werden wir uns stellen.“

Auch ZDF-Intendant Thomas Bellut unterstrich die Sparbemühungen seines Senders: „Mir ist bewusst, dass die Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag ein Privileg ist, mit dem wir verantwortungsvoll umgehen müssen“, sagte er. „Unabhängiger Qualitätsjournalismus und ein insgesamt hochwertiges Fernsehangebot brauchen eine sichere Finanzierungsgrundlage. Mit erheblichen Sparanstrengungen tragen wir dazu bei, dass die Anmeldung sehr niedrig bleibt.“

Die im Verband VPRT zusammengeschlossenen Privatsender kritisierten ARD und ZDF für ihr Vorgehen und forderten, „eine grundsätzliche Diskussion über den Versorgungsauftrag zu führen“, wie der VPRT in Berlin auf dpa-Anfrage mitteilte. Dazu gehöre auch Umfang und Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Angebote von ARD und ZDF. „Erst der Auftrag, dann das Portfolio und die entsprechende Finanzausstattung“, sagte VPRT-Geschäftsführer Claus Grewenig. „Ein fokussierter Auftrag könnte auch die Diskussionen über die regelmäßig bei der KEF angemeldeten Mehrbedarfe beenden, die auch mit der aktuellen Gebührenanmeldung wieder einher gehen werden.“

Von

dpa

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

30.04.2013, 14:47 Uhr

Wenn sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wieder auf ihre Kernauftrag besinnen und das Programm von teuren und minderwertigen Sendungen entschlacken (insbesondere Talkshows, Quizsendungen, teure Übertragungen von Sportereignissen u.a.), dann ist weit mehr Geld als genug da.

Abgesehen von der Verfassungswidrigkeit des Rundfunkbeitrags könnte er m.E. beim gebotenen Haushalten auf 1/4 bis 1/ 3 der heutigen Höhe reduziert werden.

Account gelöscht!

30.04.2013, 14:58 Uhr

Soll mit diesem Artikel etwa der Zwangsbesteuerte-und enteignete Buerger auf hoeher GEZ-Zwangsangaben eingestimmt werden?
Das sieht nach einer gesponserten Mitleidstour aus!
Wie ware es denn mal mit Sparen?
Zuerst mal bei den ueberbezahlten Intendanten und dazu kann man noch 70% der Schrott-Sendungen wegfallen lassen!
Damit meine ich eher die eigene Filmproduktionen, die von den US Filmemachern abgeschaut, actionreich und kostspielig aufgepusht werden, um die Vorgaben der Einschaltquoten zu erfuellen!

Uli

30.04.2013, 15:04 Uhr

Deutschland ist fast das einzige Land auf der Welt in der es eine Zwangsabgabe fürs Fernsehen gibt und dennoch kommen die Anstalten nicht mit den zwangsweise eingezogenen Millionen aus, was ja klar ist weil hier die freie Marktwirtschaft nicht gilt und deshalb einfach nicht vernünftig hausgehalten wird. Alles wäre ganz einfach: Keine Millionen mehr für die Fußballbundesliga ( das ist doch kein öffentlicher Auftrag ) und dann ganz einfach den Supermillionären wie Jauch und Plasberg und Will und Co oder den "Fernsehstars" die astronomischen Gagen kürzen. Ist doch fast wie im Mittelalter: auch wenn ich diese Typen nicht sehen will und mir nicht ansehe muß ich sie dennoch bezahlen, ja wo gibt's denn so was? Jeder muß zahlen auch wenn er nur ein Smartphone hat. Daß solchermaßen alimentierte Organisationen ( wie Behörden ) nicht haushalten können ist doch bekannt, und warum sollten sie auch, schließlich wird die KEF ( Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der öffentlichen Sender dann eben für 2015 einfach die Gebühren auf 20 oder 22Euro / Monat hochschrauben, schon ist das Problem gelöst und Jauch kann pro Jahr 15 Mio abgreifen.
Armes Deutschland

Liebe Grüße Uli Henkl

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