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26.05.2014

12:46 Uhr

Atos kauft Bull

Neuer Cloud-Computing-Riese in Frankreich

In Frankreich entsteht ein Konkurrent im Geschäft mit Cloud-Computing-Diensten. Der IT-Konzern Atos kauft den Rivalen Bull für 620 Millionen Euro - und lässt damit einen der ganz großen bereits hinter sich.

Cloud-Computing gilt als Zukunftsbranche. Mit der Fusion entsteht ein neuer großer Spieler auf diesem Markt. Reuters

Cloud-Computing gilt als Zukunftsbranche. Mit der Fusion entsteht ein neuer großer Spieler auf diesem Markt.

ParisIn Frankreich entsteht ein neuer Konkurrent für Amazon und SAP im rasant wachsenden Geschäft mit Online-Computerdiensten. Der IT-Dienstleister Atos kauft den heimischen Rivalen Bull für 620 Millionen Euro, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten. In sogenannten Cloud Computing steigt die fusionierte Firma damit gemessen am Umsatz nach Atos-Angaben weltweit zur Nummer zwei nach Amazon und vor Microsoft auf. Hier werden für Firmen und Privatkunden Speicherkapazitäten und Rechnerdienste im Internet zur Verfügung gestellt. In diesem Geschäft wird mit einem durchschnittlichen Wachstum von 25 bis 50 Prozent pro Jahr gerechnet.

Bislang kamen im Cloud Computing, von dem sich auch der Walldorfer Softwarekonzern SAP viel verspricht, Atos und Bull nur auf dem fünften beziehungsweise zehnten Platz in Westeuropa. Zusammen wollen sie einen großen Schritt nach vorne machen. Atos erhofft sich von der Übernahme auch eine stärkere Position im ebenfalls immer wichtiger werdenden Bereich Cyber-Sicherheit. Die Fusion soll Einsparungen von rund 80 Millionen Euro pro Jahr bringen. Das würde fast einem Drittel des Nettogewinns von Atos entsprechen.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Branchenexperten begrüßten das Vorhaben. Bislang habe Atos bei Zukäufen ein gutes Händchen bewiesen. Am Markt kamen die Pläne ebenfalls gut an. Atos-Aktien legten fünf Prozent zu. Die Papiere von Bull schossen knapp 22 Prozent auf 4,88 Euro in die Höhe und erreichten damit fast den von Atos gebotenen Preis von 4,90 Euro.

Atos ist unter anderem durch die Übernahme der IT-Sparte SIS von Siemens groß geworden. Der Münchner Dax-Konzern ist nach Reuters-Daten noch mit knapp 13 Prozent an der französischen Gesellschaft beteiligt. Das Unternehmen, das von Frankreichs früherem Finanzminister Thierry Breton geleitet wird, bemüht sich derzeit auch um den Kauf des heimischen IT-Serviceanbieters Steria. Dieser hat ein Angebot allerdings zurückgewiesen und will sich lieber mit dem Rivalen Sopra zusammenschließen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

26.05.2014, 13:00 Uhr

Zitat : Über die „Datenwolke“ stellen Anbieter Speicherkapazitäten und Rechnerdienste online bereit.

- welche Idioten schicken denn zum abhoeren und kopieren ihre Daten auf die Wolke ?

Die muessen wohl vom Ausspaehen noch nichts mitbekommen haben !

Account gelöscht!

26.05.2014, 13:39 Uhr

Das sind einmal die IT-Verantwortlichen, die jedem Hype aufsitzen, sowie die hunderte Mio. unkritischen Facebokk und Twitter-Zombies

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