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08.07.2014

16:04 Uhr

Auflagen sinken

Gedruckte Zeitung weiter unter Druck

Die gedruckte Zeitung verliert immer mehr Leser: Den deutschen Verlagen machten 2013 sinkende Auflagen und Umsätze zu schaffen. Nun hoffen sie darauf, dass mehr Nutzer auch für digitale Inhalte zahlen.

Tageszeitungen an einem Kiosk: Im Zeitalter des Internet finden die Blätter immer weniger Leser. dpa

Tageszeitungen an einem Kiosk: Im Zeitalter des Internet finden die Blätter immer weniger Leser.

BerlinDie deutschen Zeitungen ringen um rentable Geschäftsmodelle für die Zukunft und sehen sich dabei noch lange nicht am Ziel. Knackpunkt sei, wie man Leser im Internet dazu bringe, für journalistische Inhalte zu zahlen, erklärte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag. Die Branche sei zwar auf gutem Wege. „Aber es wird sicher noch eine Weile dauern, bis das so funktioniert, wie sich die Verlage das vorstellen“, sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

Sinkende Umsätze und Auflagen setzen die Branche unter Druck. Wachsende Einnahmen über das digitale Geschäft können das bisher aber noch nicht ausgleichen. „Mit der wirtschaftlichen Situation können wir nicht zufrieden sein“, sagte Wolff. Dies stehe „diametral“ zu publizistischen Erfolgen und wachsender Reichweite.

Die gesamten Erlöse fielen 2013 um 4,4 Prozent auf rund 7,9 Milliarden Euro. Während die Einnahmen aus dem Vertrieb fast stabil blieben, sackte das Geschäft mit Anzeigen und Beilagen um knapp zehn Prozent ab. Die Gesamtauflage fiel im ersten Quartal binnen Jahresfrist um gut drei Prozent auf 21,51 Millionen Exemplare. Für 2014 rechnet BDZV-Experte Jörg Laskowski mit einem Minus von zwei bis drei Prozent. Bei den E-Paper-Ausgaben hingegen ging es zuletzt um 64 Prozent auf 560.000 nach oben. Der Gesamtumsatz dürfte eher stabil bleiben. „Ich sehe keine großen Ausschläge nach oben oder nach unten.“

Wegen sinkender Auflagen und schwindender Umsätze arbeiten die Firmen seit Jahren an Geschäftsmodellen, wie sie Zeitungen fit für die Zukunft machen und wie sie mit journalistischen Inhalten im Internet Geld verdienen können. Als Vorreiter gilt der Axel-Springer-Verlag, der seit einiger Zeit mit seinen Flagschiffen „Welt“ und „Bild“ Bezahlangebote im Internet umsetzt. Branchenweit entscheiden sich laut BDZV die meisten Nutzer auch im Netz für ein Abonnement, das im Schnitt acht Euro pro Monat koste. Daneben bieten viele Verlage zusätzlich Tagespauschalen von durchschnittlich 1,10 Euro.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Derzeit haben rund 80 von 329 Verlagen Bezahlmodelle im Netz, bis Ende 2014 könnten es nach BDZV-Schätzung 100 sein. „Das entwickelt sich alles sehr, sehr langsam“, sagte Hans-Joachim Fuhrmann, beim BDZV für Multimedia zuständig. Die Finanzierung über Werbung im digitalen Geschäft reiche nicht aus. Langfristig müssten auch journalistische Inhalte Geld einspielen. Denn im klassischen Zeitungsgeschäft werde es „keine Revolutionen“ geben: „Wir werden auf hohem Niveau weiter langsam an Printauflage verlieren.“

Deshalb müssten die Verlage neue Geschäftsfelder erschließen und sich fragen: „Was können wir mit unserer Marke sonst noch so anstellen?“ Hier experimentierten die Firmen etwa mit Reise-Angeboten, dem Verkauf von Wein oder mit einem Engagement im Bildungsbereich, sagte Fuhrmann. „Die Branche wird sich aus vielen Quellen speisen müssen.“

Die Zeitungsverleger wetterten erneut gegen den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, obwohl sie ihren Zustellern bis Ende 2016 einen geringeren Lohn zahlen dürfen. Die Branche profitiert damit bereits als eine von wenigen Berufsgruppen von einer Ausnahme. Die Branche habe eine grundrechtlich geschützte Funktion, kritisierte BDZV-Lobbyist Wolff dennoch. Deshalb dürfe der Staat nicht unangemessen eingreifen.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Jo Nemeth

08.07.2014, 13:26 Uhr

..selbst die Online-Versionen der gängigen deutschen Zeitungen, werden fast nur noch wegen der Kommentarfu nktionen besucht!!! Ich trauere kein Stück um den deutschen Journalismus der letzten Jahre!!!

Herr Christian Hirsch

08.07.2014, 13:31 Uhr

Es gibt zwei Gründe für die sinkenden Verkaufszahlen der Zeitungen.
Als erstes das Internet. Warum soll man für eine Zeitung Geld bezahlen, wenn man die Inhalte auch aus dem Internet bekommt.
Als zweites des schlechte Niveau des deutschen Journalismus.
Ein Staatsjournalismus, der eher ein Komplize der Machthaber ist, als die Bevölkerung vernünftig zu informieren.
Wenn man nicht mal soviel Mut hat zu schreiben, wenn Mohammedaner, Afrikaner und Zigeuner Verbrechen begehen, sondern nur noch die Lüge der Demokraten unterstützt, der zugewanderten Bereicherung, dann Gute Nacht.

Herr Heinz Gase

08.07.2014, 13:37 Uhr

Natürlich ist das Internet MIT daran schuld das die bezahlten Auflagen sinken. Mehr noch aber sicher das alle Blätter die gleichen Inhalte bei Agenturen ungeprüft abschreiben und somit m.E. Propaganda verteilen! Das hierfür die Leser nicht mehr zahlen wollen liegt auf der Hand!

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