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30.11.2011

19:08 Uhr

Aufsichtsrat tagt

Yahoo-Bieterkampf kurz vor der Entscheidung

VonAxel Postinett

Das angeschlagene Webunternehmen will nach unbestätigten Angaben etwa 20 Prozent seiner Anteile verkaufen. Dabei liefern sich zwei Investorengruppen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Yahoo-Zentrale in Sunnyvale, California. Reuters

Die Yahoo-Zentrale in Sunnyvale, California.

San FranciscoDer Bieterkampf um Yahoo könnte bereits in den kommenden Tagen entschieden werden. Nach Medieninformationen wird sich das Aufsichtsgremium des Internetunternehmens am heutigen Mittwoch in Kalifornien zu einer ganztägigen Sitzung treffen, um über vorliegende Angebote zu entscheiden. Die Offerten sollen nach Informationen des Wall-Street-Journal-Blogs AllThingsD zwischen 16,50 Dollar von einer Investorengruppe um Silverlake Partner und 17,50 Dollar pro Aktie von TPG Capital liegen. Microsoft soll nach Medieninformationen Teil der Silverlake-Gruppe sein und einen zehnprozentigen Anteil anstreben.

Damit könnte das Engagement in die Yahoo-Suchmaschine gegen Angriffe Dritter abgesichert werden. Yahoos Suchtechnologie steckt hinter Bing, der Suchmaschine von Microsoft und beide Unternehmen kooperieren in der Anzeigenvermarktung.

Nach den unbestätigten Informationen plant Yahoo einen Verkauf von unter 20 Prozent der Anteile und hofft auf Angebote von 20 Dollar oder höher. Weniger als 20 Prozent der Anteile könnte ohne Zustimmung der Aktionäre abgegeben werden und Yahoos Eigenständigkeit bliebe gewahrt. Bei einer Komplettübernahme wird allgemein mit einer Zerschlagung gerechnet. Die Yahoo-Aktie pendelte im New Yorker Handel fast unverändert um 15,80 Dollar, mit einem überraschend auftauchenden neuen Bieter scheint niemand zu rechnen.

Die Zeiten haben sich dramatisch gewandelt. Das Webunternehmen ist nach Jahren des Missmanagements unter Führung des Mitgründers, Boardmitglieds und zeitweiligen CEOs Jerry Yang in eine schwierige Position geraten. Umsatz und Gewinn fallen seit vielen Quartalen, das Suchmaschinengeschäft musste an Microsoft abgegeben werden. Facebook wird Ende 2011 Yahoo als Marktführer bei Display-Onlinewerbung überholen.Gespräche über eine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls angeschlagenen Onlinedienst AOL scheinen gescheitert.

Zuletzt wurde CEO Carol Bartz nach knapp der Hälfte ihrer Amtszeit gefeuert. Noch 2008 hatte Yahoo fast beleidigt ein Übernahmeangebot von Microsoft über 33 Dollar pro Aktie oder umgerechnet rund 47 Milliarden Dollar als zu niedrig abgelehnt. Heute soll bis zum Jahresende wenigsten ein Teil des Unternehmens für den halben Preis verkauft werden.

Ob die Rechnung diesmal aufgeht ist allerdings unklar. Als Minderheitsinvestoren müssten die neuen Geldgeber dem glücklosen Treiben in Sunnyvale weiter tatenlos zusehen, noch immer ist kein neuer CEO gefunden und die Strategie ist unklar. CEO Bartz wollte Yahoo zu einem führenden Medienunternehmen im Internet ausbauen. Das Webportal ist stark in Bereichen wie E-Mail, Sportnachrichten oder dem beliebten Bilderdienst Flickr.

Doch die Vermarktung fällt zunehmend schwer. Bekämen die neuen Geldgeber Sonderrechte, müsste mit einer Aktionärsrevolte gerechnet werden. Laut Wall Street Journal will Silverlake unter anderem den Venture-Capital-Investor und früheren Netscape-Gründer Marc Andreessen in den Verwaltungsrat holen. Viele Aktionäre verlangen vehement nach einem Gegengewicht im Aufsichtsgremium zum glücklosen Jerry Yang.

Als weitere potenzielle Bieter werden die Investmentfirmen KKR und Blackstone genannt sowie die chinesische Alibaba Group. Yahoo ist mit 40 Prozent der größte Anteilseigner von Alibaba und Jack Ma, Chairman und CEO des Online-Marktplatzes hatte erst Anfang Oktober auf einer Rede an der Universität Stanford offen erklärt, er habe großes Interesse an dem Silicon-Valley-Pionier und „alle ernsthaften Kaufinteressenten“ hätten mit ihm gesprochen. Falls eine Übernahme nicht zustande kommt, wollen Alibaba und der japanische Partner Softbank zumindest ihre Aktienanteile zurückkaufen.

Yahoo will dem bislang nicht zustimmen, die Asienaktivitäten gehören zu den wertvollsten Beteiligungen. Allerdings könnte mit einem Verkauf eine Sonderdividende für die vom anhaltenden Kursverfall gebeutelten und revoltierenden Yahoo-Aktionäre finanziert werden.

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