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18.01.2010

18:30 Uhr

Aufsichtsratsvorsitz

Machtkampf um Kontrolle von Infineon entbrannt

VonSönke Iwersen

Der Münchener Chipkonzern Infineon steht vor einem Machtkampf um den Chefposten im Aufsichtsrat. Willi Berchtold, Finanzvorstand des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, will am 11. Februar auf der Infineon-Hauptversammlung gegen den Favoriten des Infineon-Managements, Klaus Wucherer, für den Aufsichtsrat kandidieren.

Der Münchener Chipkonzern Infineon steht vor einem Machtkampf um den Chefposten im Aufsichtsrat. Quelle: dpa

Der Münchener Chipkonzern Infineon steht vor einem Machtkampf um den Chefposten im Aufsichtsrat.

DÜSSELDORF. Der englische Finanzinvestor Hermes, der zwar weniger als drei Prozent an dem Chipkonzern hält, aber laut Finanzkreisen von mehreren Großinvestoren unterstützt wird, setzt sich für Berchtold ein. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld des Fonds. Ziel sei die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes bei Infineon durch Berchtold.

Bauers Favorit ist Klaus Wucherer

Zum ersten Mal kommt es damit zu einem offenen Streit um die Führung des Kontrollgremiums in einem Dax-Konzern. Berchtold durchkreuzt mit seiner Kandidatur sowohl die Pläne des im Februar scheidenden Aufsichtsratschefs Max Dietrich Kley als auch die des Infineon-Vorstandschefs Peter Bauer. Beide haben sich bereits auf einen Wunschkandidaten für den Vorsitz des Kontrollgremiums festgelegt: Klaus Wucherer. Der ehemalige Siemens-Manager Wucherer sei als Kenner von Infineon der beste Mann für den Job. Dem "Manager-Magazin" sagte Kley im Dezember: "Ein neuer Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz wäre übel."

Berchtolds Unterstützer wehren sich gegen die Kandidatur von Wucherer, da sie den überfälligen personellen Neubeginn bei Infineon gefährde. "Warum um Gottes Willen soll jemand Chefkontrolleur werden, der bis zum Hals in der Siemens-Korruptionsaffäre steckte", sagt ein Beteiligter. Kley habe während seiner Amtszeit genug personelle Fehlentscheidungen getroffen. Dies solle ihm nicht noch einmal ermöglicht werden. Mit Ulrich Schumacher, Wolfgang Ziebart und Rüdiger Günther mussten in den vergangenen Jahren mehrere Vorstände vorzeitig gehen.

Für Wucherer als neuen Infineon-Kontrolleur spricht seine exzellente Kenntnis des Unternehmens. Wucherer ist langjähriger Siemens-Manager - Infineon gehörte bis zum Börsengang vor zehn Jahren zum Siemens-Konzern.

Kenntnisreicher Kandidat

Die Fonds haben das Argument der Expertise offenbar bedacht, denn auch Berchtold ist ein Branchenkenner. Er war von 2003 bis 2007 Präsident des Branchenverbandes Bitkom, als Finanzchef von ZF und Aufsichtsratschef der Bundesdruckerei kennt Berchtold Infineon aus Kundensicht. Berchtold selbst wollte sich nicht zu seinen Motiven äußern.

Wie aussichtsreich die Chancen des Fonds stehen, Berchtold auf der Hauptversammlung durchzusetzen, ist offen. Ein Vertrauter von Berchtold sagte: "Gehen Sie mal davon aus, dass die Chancen sehr gut stehen. Sonst würde jemand von seinem Format so etwas doch gar nicht erst anfangen."

Kommentare (1)

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Axel Müller

18.01.2010, 20:21 Uhr

Wucherer ist Gift für das Unternehmen. Die Vergangenheit sagt alles aus.

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