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18.10.2012

10:39 Uhr

Aus Nutzern werden Kunden

Twitter-Gründer Dorsey will von Starbucks lernen

VonMartin Dowideit

Jahrelang bezeichnete der Kurznachrichtendienst Twitter seine Mitglieder als „Nutzer“, das soll sich nun ändern. Twitter-Gründer Jack Dorsey will, dass sie ab sofort „Kunden“ heißen - und geht mit guten Beispiel voran.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist er weiter als @Jack unterwegs, beruflich fokussiert er sich auf den Zahlungsdienste-Anbieter Square. Reuters

Beim Kurznachrichtendienst Twitter ist er weiter als @Jack unterwegs, beruflich fokussiert er sich auf den Zahlungsdienste-Anbieter Square.

DüsseldorfIm Jahr 2006 startete Jack Dorsey Twitter. Das soziale Netzwerk ermöglicht seitdem denkbar einfach das Verschicken kurzer Nachrichten mit nicht mehr als 140 Zeichen an die Weltöffentlichkeit. Die Nutzerzahlen kletterten seitdem rasant und überschritten im April dieses Jahres die 500-Millionen-Marke. Mittlerweile hat sich Dorsey aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und kümmert sich hauptberuflich um sein neues Projekt, den mobilen Zahlungsdienstanbieter Square.

Doch jetzt hat sich Dorsey zurückgemeldet. „Es ist Zeit für unsere Branche, das Wort 'Nutzer' zu überdenken“, schreibt der 35-Jährige in einem Weblog-Eintrag. Internet- und Computerfirmen sprächen ständig von „Nutzererfahrung“, „aktiven Nutzern“ und sogar „Nutzernamen“ (englisch: „user...“). Die Begriffe seien zwar eigentlich dazu angelegt, Personen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wortwahl führe jedoch eher „weg von den echten Problemen, die Leute tagtäglich spüren“.

Die Erkenntnis ist nach Dorseys Angaben in ihm gereift, nachdem ein renommierter amerikanischer Manager ihn darauf angesprochen hatte: Howard Schultz. Schultz hat aus Starbucks eine weltweit erfolgreiche Kaffeehauskette gemacht und sich für Dorseys neue Firma begeistert. Im August investierte Starbucks 25 Millionen Dollar in Square und Schultz rückte in den Verwaltungsrat des Unternehmens mit Sitz in San Francisco. „Warum nennt ihr alle eure Kunden 'Nutzer'?“, habe Schultz am Rande einer Verwaltungsratssitzung gefragt, so Dorsey. Darauf sei ihm keine Antwort eingefallen, außer dass das eben schon immer so gewesen sei.

Twitter-Glossar

Was ist Twitter?

Twitter ist ein Online-Zwitter: Einerseits ist es ein Kurznachrichten-Dienst, andererseits ein soziales Online-Netzwerk wie Facebook. Die Benutzer können sich aussuchen, welche Nachrichten sie lesen wollen.

Dabei werden keine gegenseitigen „Freundschaften“ geschlossen. Stattdessen herrscht das Follower-Konzept. Nur weil man die Nachrichten eines anderen liest, muss dieser das noch längst nicht tun.

RT - Retweet

Ein Retweet (kurz RT) ist das Wiederholen einer Kurznachricht eines anderen Nutzers. Die Retweet-Funktion ist inzwischen in alle Twitter-Clients und im Webdienst von Twitter eingebaut.

URL-Shortener

Auf Twitter sind sogenannte URL-Shortener beliebt. Dabei wird eine Webadresse auf eine Umleitung gekürzt, um Platz zu Sparen – 140 Zeichen sind das Maximum bei Twitter. Eine Kurz-URL sieht dann beispielsweise so aus: http://bit.ly/xpXqOY. Bei Twitter müssen sie seit einiger Zeit die Adressen nicht mehr kürzen – das macht Twitter nach dem Abschicken der Nachricht automatisch.

Sie können den von Twitter verwendeten URL-Kürzer Bit.ly aber dennoch nutzen: Hängen Sie an die Bit.ly-Adresse einfach ein „+“ – und schon sehen Sie Statistiken zur Ihrem Link. Wie viele haben die Adresse aufgerufen, aus welchen Ländern kamen sie, wer hat den Link auf Twitter weiterverbreitet – all das verrät Ihnen Bit.ly durch das Plus-Zeichen am Ende der Adresse. Werden verschiedene Bit.ly-Links für denselben Inhalt aber verschiedene Kanäle generiert, lässt sich messen, welcher davon wie erfolgreich war.

Warum 140 Zeichen?

Bevor Smartphones zum Massenphänomen wurden, nutzen viele Twitter-User den Dienst auch per SMS. Eine SMS besteht aus maximal 160 Zeichen. Damit Platz für den maximal 20 Zeichen langen Nutzernamen bleibt, wurde der Microblogging-Dienst auf 140 Zeichen begrenzt.

MT

MT steht für „Modified Tweet“. Ein vorangestelltes MT zeigt, dass der Tweet eines anderen Nutzers verändert wurde. Das wird beispielsweise getan, um einen anderen Tweet kommentieren zu können, ohne die Grenze von 140 Zeichen zu überschreiten.

Twitter-Clients

Wer Twitter professionell einsetzen möchte, sollte statt des Website-Interfaces einen Twitter-Client wie Tweetdeck oder HootSuit einsetzen. Damit lassen sich unter anderem mehere Accounts gleichzeitig verwalten.

Twitter-Beziehungen unter der Lupe

Twiangulate ist ein mächtiges kostenloses Online-Tool für die Analyse von Twitter-Nutzern und ihre Beziehungen. Zwei mögliche Beispielanwendungen: Die Eingabe eines Twitter-Nutzernamens und dem Aufruf des Reiters „Inner circle“ enthüllt in vielen Fällen einige der engsten Vertrauten eines Twitter-Nutzers. Dabei zeigt das Tool diejenigen Twitter-Nutzer an, die selbst am wenigsten Abonnenten (Follower) haben. Der Twitter-Nutzer wird diesen Nutzern also aus gutem Grund folgen.

Eine andere mögliche Anwendung ist das Herausfinden von Schnittmengen. So lassen sich bis zu drei Twitter-Nutzer angeben, um deren Schnittmenge bei Followern und Freunden (gegenseitiges folgen) anzeigen zu lassen.

Twitter für Eilige

Schon die Adresse ist kurz t4bp.com steht für „Twitter for busy People“ – und bietet eine Verdichtung von Tweets an. Nach dem Login via Twitter-Account gibt die Website eine Übersicht über die Twitter-Aktivitäten der Freunde und Interaktionspartner „auf einen Blick“ und chronologisch sortiert. Nun lässt sich schnell mit dem Maus-Cursor über die Nutzer fahren – und so auf einen Blick erfahren, was ihn gerade bewegt. Ein Vorteil: Jeder Nutzer taucht nur ein Mal auf. So werden weniger aktive Nutzer nicht von den sehr aktiven Nutzern verdrängt. Erst ein Klick auf den Benutzernamen enthüllt Details.

Professionelle Twitter-Suche

Twitter kann ein gutes Recherchetool sein. Twitter selbst ermöglicht eine einfach Volltextsuche über die nach bestimmten Themen oder Hashtags gesucht werden kann. Deutlich mehr bietet das kostenlose Social-Media-Tools Twitterfall. Twitterfall sucht Tweets nach Twitter-Listen und Orten – außerdem lassen sich auch Suchworte ausschließen. Optisch werden die gefundenen Twitter-Nachrichten ansprechend dargestellt – sie fallen wie ein Wasserfall herunter.

Bei Square sind Nutzer ab sofort ein Auslaufmodell. Die Firma schwenkt auf Dorseys Geheiß auf den Begriff „Kunden“ um. Außerdem wird es die Untergruppen „Käufer“ und „Verkäufer“ geben, um die an einer Square-Transaktion beteiligten Parteien zu beschreiben. Dorsey appelliert an die Technologie-Branche, diesen Schritt nachzuahmen. Denn das Individuum werde eben als „Nutzer“ nicht angemessen umschreiben. Der Begriff sei passiv und abstrakt.

Seine Mitarbeiter bei Square werden genau darauf achten, ob der Chef mit gutem Beispiel vorangeht. Denn für jedes Mal, das er das Wort „Nutzer“ verwendet, dürfen diese ihm 140 Dollar in Rechnung stellen. Die 140 bleibt wohl Dorseys Lieblingszahl, auch nach seiner Abkehr von Twitter.

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