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17.07.2014

08:27 Uhr

Ausbau angepeilt

Cloud-Produkte beflügeln SAP

Ein Patentstreit verhagelt dem Softwareriesen SAP das Ergebnis. Abgesehen davon läuft es gut. Ein Treiber des Wachstums: Immer mehr Menschen mieten Software, statt sie zu kaufen. Die Zeit der Cloud beginnt gerade erst.

SAP: Cloud-Geschäft gewinnt an Fahrt

Video: SAP: Cloud-Geschäft gewinnt an Fahrt

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StuttgartSAP-Chef Bill McDermott kämpft hart um die Führung am Markt für Cloud-Firmensoftware. Ob IBM oder der neue Rivale Salesforce.com – McDermott scheute sich am Donnerstag bei Vorlage der SAP-Zahlen zum zweiten Quartal nicht, die Konkurrenz offen anzugreifen.

Salesforce, vor SAP Marktführer bei Mietsoftware aus dem Internet, komme seit den Spionage-Enthüllungen Edward Snowdens wegen wachsender Zweifel an der Datensicherheit in den USA ins Trudeln, sagte McDermott. „Banken, mit denen ich zu tun habe, denken darüber nach, die so schnell wie möglich los zu werden – ich sehe für sie große Probleme am Markt.“ Salesforce war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die jüngste Initiative von IBM mit Apple tat der SAP-Chef als „gute PR, aber ein bisschen 'ich auch'“ ab – SAP habe das gleiche mit Apple schon vor Jahren vereinbart und schon drei Mal so viele Apps für Firmenkunden auf dem iPhone entwickelt.

Die Schwächen von SAP

Schwache Position auf US-Markt

Der US-Markt ist für SAP äußerst wichtig – allerdings hat das Unternehmen hier mit Oracle einen sehr agilen und aggressiven Konkurrenten. Mit dem US-Konzern beharkt sich SAP auch juristisch, in einem Streit um den Diebstahl von Geschäftsdaten fordert dieser saftigen Schadenersatz. Die Übernahme der beiden amerikanischen Cloud-Dienstleister Ariba und SuccessFactors für insgesamt 7,8 Milliarden Dollar soll das US-Geschäft von SAP stärken.

Abhängigkeit von Großkunden

Trotz aller Bemühungen um Mittelständler ist SAP stark von den Großkunden abhängig. Damit leidet das Unternehmen stärker unter Konjunkturschwankungen – im Abschwung schieben die Konzerne große Investitionen lieber auf. SAP will mit alternativen Geschäftsmodellen gegensteuern, etwa Miet-Software (Software as a Service), für die die Kunden monatliche Gebühren statt Lizenzen zahlen.

Wechselkursrisiken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben Wechselkurseffekte den Gewinn niedriger ausfallen lassen. Die Euro-Stärke gegenüber asiatischen Währungen kostete den Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung beispielsweise 400 Millionen Euro Gewinn.

Hintergrund der Attacken: Die Umstellung auf die Cloud wirft die bisherigen Geschäftsmodelle der Software-Firmen über den Haufen. Sie müssen ihre Produkte vereinfachen und damit zurechtkommen, dass sich die Umsätze auf einen längeren Zeitraum verteilen. Statt wie bisher Lizenzen mit hoher Einmalzahlung zu kaufen und bei sich zu installieren, nutzen die Kunden nämlich immer mehr Software nur bedarfsweise per Abonnement über das Internet.

Der Wettstreit um den Cloud-Markt wird entsprechend härter. Salesforce aus den USA will stärker auf dem SAP-Heimatkontinent Europa expandieren, um seine Position als Pionier zu verteidigen. Die Amerikaner wollen den Walldorfern sogar die generelle Weltmarktführerschaft bei Firmensoftware – also einschließlich der traditionell per Lizenz verkauften Programme – streitig machen.

Dem reinen Cloud-Anbieter Salesforce trauen Analysten in diesem Jahr einen weiteren Umsatzsprung auf umgerechnet vier Milliarden Dollar zu. Damit ist der Spezialist für Kundenmanagement-Programme ein Riese verglichen mit dem Cloud-Geschäft von SAP, aber ein Zwerg mit Blick auf das Gesamtgeschäft. SAP hob nach einer weiteren Akquisition in der Sparte die Cloud-Umsatzprognose für dieses Jahr um 50 Millionen auf 1,05 Milliarden Euro an. Insgesamt werden die Kurpfälzer nach Analystenschätzung aber mehr als 17 Milliarden Euro Umsatz einfahren.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

An der Börse war SAP angesichts der soliden Quartalszahlen mit einem Plus von mehr als vier Prozent größter Gewinner im Dax – obwohl ein kostspieliger Patentstreit in den USA dem Konzern einen starken Rückgang des unbereinigten operativen Gewinns einbrockte. Dieser lag mit knapp 700 Millionen Euro fast 30 Prozent unter dem Vorjahreswert. Grund waren 289 Millionen Euro Rückstellungen für absehbare Zahlungen an das US-Softwarehaus Versata, das die Walldorfer 2007 wegen einer Patentverletzung verklagt hatte. Ein Händler erklärte, der Kursanstieg sei eine Erleichterungsrally, nachdem die IT-Werte wegen der Gewinnwarnung des zweitgrößten deutschen IT-Konzerns Software AG und enttäuschenden Zahlen von US-Anbietern unter Druck waren.

Von April bis Juni legten Umsatz und Gewinn bei SAP wie erwartet deutlich zu. Die Euro-Stärke zum Dollar und zu asiatischen Währungen belastete Europas größten IT-Konzern weiter und kostete drei Prozentpunkte Wachstum. Bereinigt um Wechselkurse allerdings kletterte der Gesamtumsatz um fünf Prozent auf 4,15 Milliarden Euro.

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Der Umsatz mit Cloud-Diensten legte währungsbereinigt um 39 Prozent auf 242 Millionen Euro zu. McDermott versetzte das in Hochstimmung: „Wir waren noch nie so voller Stolz und Zuversicht wie jetzt“, sagte er. Mit inzwischen mehr als 38 Millionen Anwendern habe SAP die meisten Anwender von Cloud-Programmen und sei anders als die Konkurrenz im Silicon Valley profitabel. Allerdings leiden auch bei SAP die Software-Lizenzerlöse und gingen im ersten Halbjahr um vier Prozent auf 1,58 Milliarden Euro zurück.

Das um Sondereffekte wie den Rechtsstreit und Akquisitionen bereinigte Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen erhöhte sich um sieben Prozent auf 1,24 Milliarden Euro. Damit blieben 29,8 Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn hängen. An der Jahresprognose für den Gewinn hielt SAP fest. Er soll 5,8 bis 6,0 Milliarden Euro erreichen. Den schmälernden Effekt des Wechselkurses bezifferte der Konzern für das Gesamtjahr auf zwei Prozentpunkte.

Von

rtr

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