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20.10.2014

15:36 Uhr

Ausbau des Cloud-Geschäfts

SAP wächst stärker – und verdient weniger

SAP setzt verstärkt auf Software in der Cloud. Das soll langfristig profitabler sein, hofft das Unternehmen. Erst mal fällt der Gewinn aber geringer als erwartet aus.

Finanzchef im Gespräch

SAP: Das Cloud-Geschäft verschiebt die Gewinne

Finanzchef im Gespräch: SAP: Das Cloud-Geschäft verschiebt die Gewinne

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StuttgartDie Umstellung des Geschäftsmodells auf die Cloud versetzt den Gewinnaussichten von SAP erneut einen Dämpfer. Der Marktführer für Firmensoftware senkte am Montag seine Prognose für das operative Ergebnis in diesem Jahr: Es werde eine Spanne von 5,6 bis 5,8 Milliarden statt 5,8 bis 6,0 Milliarden Euro erreicht, nach 5,48 Milliarden im Vorjahr, teilte SAP mit. #

Grund sei der Wechsel vom Lizenzgeschäft zum Cloud-Computing: Die Kunden ersetzten traditionelle Software-Lizenzen zunehmend durch zunächst günstigere Mietsoftware aus dem Internet. SAP-Chef Bill McDermott betonte, der Effekt gebe sich nach der starken Wachstumsphase, langfristig werde die Profitabilität des Dax-Konzerns wieder steigen.

Finanzchef Luka Mucic sagte, es werde keine Abstriche am Ziel des Cloud-Wachstums geben. „Unsere Priorität ist, jetzt so schnell wie möglich und so stark wie möglich in der Cloud zu wachsen – also Neugeschäft zu machen“, sagte Mucic . Bisher seien fast 90 Prozent der Cloud-Nutzer SAP-Stammkunden, gut zehn Prozent würden neu von außen gewonnen.

Der Wechselkurs soll den Gewinn 2014 nicht mehr belasten, da der Euro sich inzwischen zum Dollar und anderen Währungen abgeschwächt hat. Vor drei Monaten hatte SAP noch eine Belastung des Betriebsergebnisses von zwei Prozent erwartet, jetzt könnte sie ganz wegfallen. Damit hat SAP sein Gewinnversprechen um rund 300 Millionen Euro gekappt, verdient voraussichtlich aber noch immer zwei bis sechs Prozent operativ mehr als 2013. Anfang des Jahres hatte der Konzern aus Walldorf das mittelfristige Ziel einer operativen Umsatz-Rendite von 35 Prozent wegen des Cloud-Ausbaus von 2015 auf 2017 verschoben.

Die Aktie ging wegen der Gewinnwarnung auf Talfahrt und war mit einem Minus von fast fünf Prozent größter Verlierer im Dax. „SAP ist erfolgreich in der Cloud, die Wachstumsdynamik nimmt zu – das geht zu Lasten der Marge, denn das Lizenz-Geschäft wird kannibalisiert“, erklärte Mirko Maier, Analyst von der Landesbank Baden-Württemberg.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Cloud-Software ist für die Kunden günstiger, da sie eine vergleichsweise geringe Gebühr über einen längeren Vertragszeitraum zahlen statt sich eine Software-Lizenz zum relativ hohen Einmalpreis zu kaufen. SAP ist hinter dem US-Marketingspezialisten Salesforce.com bereits die Nummer zwei am Markt für die Software von der Stange. McDermott strebt den ersten Platz an. Doch der Cloud-Ausbau setzt SAP wegen der hohen Abhängigkeit vom Lizenzverkauf vorerst unter Druck, zumal die Konkurrenz durch viele Nischenanbieter groß ist.

Im dritten Quartal beschleunigte sich das Cloud-Wachstum: SAP erlöste von Juli bis September mit 278 Millionen Euro gut 40 Prozent mehr mit Cloud-Abonnements als im Vorjahreszeitraum. Am Rückgang der Lizenzerlöse im dritten Quartal um drei Prozent auf 952 Millionen Euro ist allerdings erkennbar, dass das Cloud-Geschäft angestammtes Geschäft verdrängt. Seit Januar stieg der Anteil des Cloud-Geschäfts am Gesamtumsatz von rund vier auf gut sechs Prozent.

Kein anderes Unternehmen wachse in der Sparte so stark wie SAP – und bleibe dabei profitabel, betonte Mucic. Das Umsatzziel für Cloud-Software hob SAP leicht an auf 1,04 bis 1,07 Milliarden Euro von bisher 1,00 bis 1,05 Milliarden Euro. Die jüngst angekündigte Übernahme des US-Unternehmens Concur, einem Anbieter von Software zum Dienstreisemanagement, ist noch nicht enthalten, da sie erst Anfang 2015 vollzogen wird.

Der Softwarekonzern übertraf beim Umsatz die Prognose von Analysten, während das Betriebsergebnis leicht hinter den Erwartungen zurückblieb. Von Juli bis September steigerte SAP den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum währungsbereinigt um fünf Prozent auf 4,256 Milliarden Euro. Das um Wechselkurse und Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis legte um drei Prozent auf 1,36 Milliarden Euro zu. Die operative Marge sank leicht auf 31,8 Prozent - bis 2017 soll sie aber auf 35 Prozent steigen.

Von

rtr

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