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28.05.2015

15:38 Uhr

Avago bietet für Broadcom

Mega-Übernahme erschüttert Chipbranche

In der Chipbranche kommt es zu einer gigantischen Fusion. Der US-Konzern Avago bietet 37 Milliarden Dollar für den Konkurrenten Broadcom. Der neue Konzern mit Sitz in Singapur kommt auf einen Börsenwert von 77 Milliarden.

BangaloreDie Chipbranche steht vor einer Mega-Fusion. Für 37 Milliarden Dollar will Avago Technologies den Wettbewerber Broadcom kaufen. Es wäre eine der größten Übernahmen in der Halbleiter-Industrie überhaupt. Der fusionierte Konzern soll zunächst auf einen Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar kommen und an der Börse 77 Milliarden Dollar wert sein, wie beide Partner am Donnerstag in einer gemeinsamen Mitteilung bekanntgaben.

Die Chipfirmen stehen unter wachsendem Druck sich zusammenzuschließen. Denn zum einen werden die von ihnen hergestellten Bauteile immer günstiger. Zum anderen steigt die Nachfrage nach neuen Produkten, die mobile Geräte mit dem Internet verbinden. Genau hier stärkt sich Avago mit der Broadcom-Akquisition, die bis Ende des ersten Quartals 2016 abgeschlossen sein und Kosteneinsparungen von 750 Millionen Dollar binnen 18 Monaten bringen soll. Analyst Romit Shah vom japanischen Geldhaus Nomura sprach von einem strategisch sinnvollen Deal.

Der neue Konzern soll in Singapur angesiedelt sein. Dort ist bereits einer der beiden Hauptsitze von Avago, der andere ist im kalifornischen San Jose. Broadcom sitzt bislang in Irvine (Kalifornien). Seine Halbleiter werden unter anderem in Smartphones von Apple und Samsung eingesetzt sowie in Technologien wie Wi-Fi und Bluetooth, die Funkverbindungen zwischen elektronischen Geräten herstellen. Broadcom litt zuletzt unter scharfer Konkurrenz durch Rivalen wie Qualcomm und MediaTek. Avago produziert Chips für die Mobilfunkbranche und andere Industriebereiche.

Größte Übernahme von Avago war bislang der Kauf des Chipherstellers LSI Corp für 6,6 Milliarden Dollar vor einem Jahr. 2015 gab der Konzern Reuters-Informationen zufolge eine Offerte für Freescale Semiconductor ab. Die Firma wurde dann aber für 11,8 Milliarden Dollar von NXP Semiconductors geschluckt.

Broadcom-Aktionäre sollen jetzt 17 Milliarden Dollar in bar sowie Avago-Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar erhalten. Vor Durchsickern der Übernahmepläne wurde Broadcom nach Reuters-Berechnungen am Dienstag an der US-Technologiebörse Nasdaq mit knapp 29 Milliarden Dollar bewertet und Avago mit 36,5 Milliarden.

Am Mittwoch schossen Broadcom-Titel dann um bis zu 23 Prozent in die Höhe und Avago vorübergehend um zehn Prozent, nachdem das „Wall Street Journal“ von dem Vorhaben berichtet hatte. Im Anschluss an die Bekanntgabe der Fusion notierten Avago am Donnerstag weitere 3,8 Prozent im Plus, während Broadcom im vorbörslichen Handel 0,7 Prozent abgaben.

Die neuen Fusionsfantasien in der Branche gaben auch anderen Chipaktien Auftrieb. Die im Dax gelisteten Infineon -Papiere legten 4,8 Prozent zu. Der Chip-Designer Dialog gewann zwei Prozent.

Von

rtr

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