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03.03.2016

17:54 Uhr

Axel Springer

Keine Megadeals für 2016 geplant

VonKai-Hinrich Renner

Axel Springer will dieses Jahr wachsen – und dennoch auf größere Investitionen verzichten. Konzernchef Döpfner fahndet nach der abgesagten KGaA-Umwandlung nach neuen Möglichkeiten der Kapitalaufnahme.

Die Umwandlung in eine KGaA ist vom Tisch – nun muss sich Springer-Chef Döpfner nach neuen Geldquellen umsehen. dpa

Springer-Hochhaus in Berlin

Die Umwandlung in eine KGaA ist vom Tisch – nun muss sich Springer-Chef Döpfner nach neuen Geldquellen umsehen.

BerlinMathias Döpfner sprach den Satz ruhig, beinah emotionslos aus: „2016 wird kein Jahr großer Investitionen werden“, sagte der CEO von Axel Springer am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz seines Hauses. Ein Journalist hatte wissen wollen, wie Springer große Akquisitionen künftig stemmen werde, nun da die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) abgeblasen ist, die Megadeals erleichtern sollte.

Das Berliner Medienhaus wird sich 2016 darauf konzentrieren, große Neuerwerbungen des Vorjahres zu konsolidieren. Das stand wohl auch schon vor dem Scheitern der KGaA-Pläne fest. Dass sie – abgesehen von Bedenken der freien Aktionäre – auch deshalb scheiterten, weil Hauptaktionärin Friede Springer „die Lust an einem Umbau verlor“, was auch mit Friktionen im Zusammenhang mit einer geplanten Nachfolgeregelung zu tun hatte, räumte Döpfner erstmals öffentlich ein.

Die Geschichte der Bild-Zeitung

Der Vater der Bild-Zeitung

Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.

Die Vorbilder

Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.

Die Idee

Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...

Die Preis-Strategie

Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.

Wie es zu nackten Frauen kam

Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.

Das Logo

Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".

Die Seite Eins

Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.

Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.

Die Einführung der Bild-Zeitung

Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.

Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.

Erhebliche Startschwierigkeiten

Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.

Die Wende

Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.

Der Durchbruch

Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.

Springers Rückzug

Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.

Es gab ein Konzept von Friede Springers Anwältin Karin Arnold, das vorsah, nach dem Ableben der Verlegerwitwe ihre Anteile der Friede-Springer-Stiftung zufallen zu lassen. Der Stiftungsvorstand – Arnold ist dort derzeit neben Friede Springer einziges Vorstandsmitglied – hätte, so heißt es, in diesem Fall erhebliche Vetorechte eingeräumt bekommen und unter Umgehung des Aufsichtsrats auch die Zusammensetzung des Vorstands bestimmen können. Hätte man dieses Papier umgesetzt, wäre dies gleichbedeutend mit einer Brüskierung Döpfners gewesen. Ihn, den langjährigen CEO, bei einer Nachfolgeregelung im Hause Springer überhaupt nicht zu berücksichtigen, galt bisher als undenkbar.

Soweit weit wird es nicht kommen, das Arnold-Papier ist mittlerweile bekanntlich Makkulatur. Döpfner ist wieder obenauf und kann den Verzicht auf Großakquisitionen für dieses Jahr gelassen kommunizieren. Zumal der Vorstandschef verkündete, man werde Alternativen zur KGaA-Umwandlung entwickeln. Welche das sein könnten und wann sie frühestens greifen werden, mochte Döpfner nicht sagen. Im laufenden Geschäftsjahr will er sich auf die journalistischen Bezahlangebote seines Hauses konzentrieren.

Zudem soll die Online-Wirtschaftsplattform „Business Insider“ ebenso weiter entwickelt werden wie das US-Vermarktungsportal „Retale“ und die Nachrichten-App Upday, die Springer für den Technologiekonzern Samsung erstellt hat. Und schließlich sollen Online-Rubrikenmärkte wie Stepstone, Se Loger oder Immowelt weiter expandieren.

Den digitalen Rubrikenmärkte, deren Erlöse 2015 um stolze 47,1 Prozent zulegten, ist es auch im Wesentlichen zu verdanken, dass sich die Zahlen des Konzerns sehen lassen können: Der Umsatz stieg um 8,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 10,2 Prozent auf 559 Millionen Euro zu. Und der Jahresüberschuss lag mit 279 Millionen Euro um 11,2 Prozent über dem von 2015. 2016 soll der Umsatz im niedrigen einstelligen, das Ebitda im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Das vergleichsweise bescheidene Wachstumsziel bei den Erlösen hat laut Finanzvorstand Julian Deutz aber nichts mit dem Verzicht auf Groß-Akquisitionen zu tun. Es sei darauf zurückzuführen, dass Springer seine Schweizer Aktivitäten mit denen des Medienhauses Ringier zusammengeführt habe und diese nun beim eidgenössischen Partner der Deutschen konsolidiert würden.

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