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09.03.2017

13:46 Uhr

Axel Springer

„Wir sind Europas führender Digitalverlag“

VonCatrin Bialek

Mit seinen digitalen Aktivitäten erzielt Axel Springer bereits zwei Drittel des Umsatzes. Konzernchef Mathias Döpfner will den Wandel weiter vorantreiben – setzt aber auf Journalismus als Kerngeschäft.

Der Vorstandschef von Axel Springer setzt auf Online-Bezahlangebote. dpa

Mathias Döpfner

Der Vorstandschef von Axel Springer setzt auf Online-Bezahlangebote.

BerlinKein offizieller Termin ohne das Thema Donald Trump. Auch bei der Präsentation der Geschäftszahlen des Medienkonzerns Axel Springer am Donnerstag wollten Journalisten von Vorstandschef Mathias Döpfner wissen, wie er die Lage in den USA beurteile. Döpfner, selten um klare Worte verlegen, blieb zunächst vage. Die Auswirkungen auf der Wirtschaftsebene seien doch nicht so negativ, wie man vor der Wahl des US-Präsidenten gedacht habe. Er hielt kurz inne und sagte dann: „Einen entscheidenden positiven Effekt hat es: Durch die extrem aufregenden Ereignisse ist es zu einer Politisierung der Gesellschaft gekommen.“ Davon würden nicht zuletzt journalistische Inhalte profitieren. Dankbarkeit gegenüber Trump – wenn nicht aus gesellschaftlicher, dann wenigstens aus journalistischer Sicht.

Auch im Jahr 2017 ist das Kerngeschäft des Medienhauses der Journalismus. „Wir sind Europas führender Digitalverlag“, sagte Döpfner am Donnerstag im 19. Stock des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin. Axel Springer erzielt mit seinen Digitalaktivitäten mittlerweile zwei Drittel des Konzernumsatzes. Der Wandel vom analogen zum digitalen Verlagshaus setzte sich auch 2016 fort. Insgesamt war der Konzernumsatz mit 3,3 Milliarden Euro nahezu konstant. Der operative Gewinn legte um 6,5 Prozent auf 595,5 Millionen Euro zu.

Die Marktanteile der größten Verlage Deutschlands

Axel Springer SE

Der Verlag wurde 1946 von Axel Springer und seinem Vater Hinrich Springer gegründet. Das Unternehmen entwickelte sich seitdem zu einem der größten Verlagshäuser Europas. Publikationen wie „Die Welt“ oder „Bild“ sorgten für den Aufstieg. 2014 verkaufte der Verlag einige Publikationen – unter anderem die „Berliner Morgenpost“, „Hörzu“ und „TV Digital“– an die Funke Mediengruppe. Daher lag der Marktanteil 2016 nur noch bei 4,2 Prozent.

Gruner + Jahr

Der Verleger John Jahr gründete das Verlagshaus 1965 zusammen mit Gerd Bucerius. Die Publikationen von G+J siedeln sich in den unterschiedlichsten Bereichen an. So werden unter anderem die Naturwissenschaften mit Magazinen wie „Geo“ und „PM“ abgedeckt und Lifestyle-Themen mit „Beef!“ oder „Gala“. Julia Jäkel ist die derzeitige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, welches 2016 einen Marktanteil von 9,3 Prozent hatte.

Funke Mediengruppe

Der Medienkonzern ist aus der 1948 gegründeten „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ entstanden. Die Gründer waren die beiden deutschen Journalisten und Verleger Erich Brost und Jakob Funke. Der derzeitige Geschäftsführer ist Manfred Braun. Der Konzern übernahm einige Zeitschriften der Axel Springer SE und konnte dadurch seinen Marktanteil 2016 auf 14,3 Prozent heben.

Hubert Burda Media

Geschichtsträchtiger Verlag: 1903 betrieb Franz Burda eine kleine Druckerei in Philippsburg, welche allerdings keinen wirtschaftlichen Erfolg erzielen konnte. Dementsprechend eröffnete der Betreiber eine neue Druckerei in Offenburg – dem heutigen Stammsitz des Unternehmens. Während des Zweiten Weltkrieges musste der Verlag seine Arbeit einstellen und legte den Fokus auf die Produktion von Landkarten für das Oberkommando des Heeres und farbige Luftbilder für die Luftwaffe. Nach dem Krieg konnte sich der Verlag wieder auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren und entwickelte sich in den 1980er und 1990er Jahren zu einem Großkonzern, der unter anderem den „Playboy“ produziert. Paul-Bernhard Kallen ist der derzeitige Vorstandsvorsitzende des Hauses, welches 2016 einen stattlichen Marktanteil von 15,3 Prozent hielt.

Bauer Media Group

Johann Andreas Bauer gründete das Unternehmen bereits 1875. Zu diesem Zeitpunkt produzierte es allerdings lediglich Visitenkarten. Das Verlagshaus fing nach und nach an, einzelne Anzeigenblätter und Zeitschriften zu produzieren. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Medienkonzern zu einem der größten in Deutschland, welches heute unter anderem die „Bravo“ publiziert. Der heutige Geschäftsführer ist Jörg Hausendorf. Mit einem Marktanteil von 20,7 Prozent war das Unternehmen 2016 das stärkste Verlagshaus in Deutschland.

Quelle: WIP/Statista

Auch im laufenden Geschäftsjahr bleibt die Stimmung bei Axel Springer zuversichtlich. Der Konzern rechnet mit einem Anstieg der Umsatzerlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich und mit einem Anstieg des Gewinns im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Der Vorstand will eine Erhöhung der Dividende von 1,80 auf 1,90 Euro je Aktie auf der Hauptversammlung vorschlagen. Auch das solle ein Zeichen der Zuversicht sein, hieß es bei Springer. Die Aktie legte im Tagesverlauf zu.

Der Medienkonsum ändert sich. Immer weniger Menschen nutzen klassische Medien. Stattdessen konsumieren sie Informationen und Unterhaltung online – und das am liebsten via Smartphone. Auf dieses veränderte Lese- und Konsumverhalten müssen sich die Verlagshäuser einstellen. Axel Springer hat frühzeitig auf digitale Rubrikenmärkte gesetzt. Digitale Kleinanzeigen-Portale wie Immowelt (Immobilien) und Stepstone (Stellenangebote) sind heute der Wachstumsmotor in dem Konzern.

Die Erlöse in diesem Segment stiegen 2016 um knapp 17 Prozent auf 880 Millionen Euro, der Gewinn legte ebenfalls zweistellig zu. Man sei bereits heute Weltmarktführer, betonte Döpfner. Eine gute Ausgangsposition, um „noch weiter zu wachsen“.

Springer-Digitalmanager Würtenberger: Döpfners Allzweckwaffe

Springer-Digitalmanager Würtenberger

Premium Döpfners Allzweckwaffe

Peter Würtenberger soll die Nachrichtenapp Upday, die Springer mit Samsung betreibt, zum Erfolg machen. Dafür wurde er ins Silicon Valley geschickt. Doch bereits jetzt ist klar, dass es nur eine Aufgabe auf Zeit ist.

Doch der Kern des Medienhauses bleibt der Journalismus – auch wenn dessen Finanzierung in Zeiten des Internets und der permanenten Verfügbarkeit vieler Inhalte schwieriger wird. Axel Springer setzt auf Online-Bezahlangebote. Derzeit hätten allein die beiden Springer-Medienmarken „Bild“ und „Welt“ 421.000 zahlende Abonnenten. Das entspricht einem Zuwachs von knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Nachrichtenportal „Business Insider“ habe 2016 erstmals weltweit mehr als 100 Millionen Nutzer in einem Monat verzeichnet.

„Hier geht was – und das wird so weitergehen“, erklärte der Springer-Chef. Der Umsatz der Bezahlangebote ist allerdings um 6,4 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Springer verwies darauf, dass der Rückgang tatsächlich nur bei 1,6 Prozent liege, da die Schweizer Aktivitäten in ein Joint Venture mit Ringier eingebracht worden seien und dadurch nicht mehr in der Bilanz konsolidiert würden. Auch der Gewinn sank leicht auf 214,4 Millionen Euro.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Carter

09.03.2017, 14:01 Uhr

"Journalismus bleibt unser Kerngeschäft". Dass ich nicht lache. Döpfner hat mit Journalismus so viel zu tun wie Ameise mit Käfer. Er hat längst den - ursprünglich in D führenden Zeitungsverlag - zu einer x-beliebigen Internetbude umgebaut, traditionelle Zeitungen wurden verkauft. Momentan mag das geschäftlich erfolgreich sein, ob sich das langfristig auszahlt, steht dahin. Auf jeden Fall hat das mit Journalismus nichts mehr zu tun. Die verlegerischen Ambitionen eines Axel Springer sind Geschichte.

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