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04.01.2010

09:41 Uhr

Aydin Dogan

Türkischer Medienzar kapituliert

VonGerd Höhler

Aydin Dogan gibt wegen des Steuerstreits mit der Regierung den Chefposten beim größten türkischen Medienkonzern ab. Damit gibt er dem Druck durch Premier Erdogan nach missliebigen Berichten nach. Dogans Unternehmen solle nun „starke ausländische Beteiligungen“ ermöglichen – nun könnte die Axel Springer AG ihren 25-Prozent-Anteil aufstocken.

Aydin Dogan bei einer Veranstaltung in Berlin. Der türkische Medienunternehmer hat jetzt seinen Chefposten aufgegeben, um sein Unternehmen vor der Pleite zu retten. dpa

Aydin Dogan bei einer Veranstaltung in Berlin. Der türkische Medienunternehmer hat jetzt seinen Chefposten aufgegeben, um sein Unternehmen vor der Pleite zu retten.

ATHEN. Der Machtkampf zwischen dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und dem Medienmogul Aydin Dogan ist entschieden: Dogan (73) legte überraschend zum 1. Januar die Führung des größten türkischen Medienkonzerns, der Dogan Yayin Holding (DYH), nieder.

Das Unternehmen solle nun umstrukturiert werden, um „starke ausländische Beteiligungen zu ermöglichen“, hieß es in einer Mitteilung des Vorstands. Damit konzentriert sich das Interesse jetzt auf die Pläne der Axel Springer AG, die bereits 25 Prozent an der Fernsehsparte des Konzerns hält und eine weitere Beteiligung an der Medienholding DYH anstrebt.

Kritische Berichte über den Premier

Mit seinem Rückzug versucht Aydin Dogan offenbar, den seit mehr als einem Jahr schwelenden Konflikt mit dem islamisch-konservativen Premier Erdogan zu entschärfen. Dogan stand im Visier der Behörden, seit seine Zeitungen über angebliche Korruptionsfälle im Umkreis der Regierungspartei berichteten. Dogan-Kolumnisten warnten auch vor einer „geheimen Agenda“ des gewendeten Fundamentalisten Erdogan, der eine islamische Staatsordnung errichten wolle.

Nachdem die türkischen Finanzbehörden bereits im Februar 2009 gegen DYH wegen angeblicher Steuerhinterziehung eine Strafe von umgerechnet 390 Millionen Euro verhängt hatten, folgte im September eine weitere Strafe von 2,2 Milliarden Euro. Die Forderungen des Fiskus entsprechen dem Fünffachen des aktuellen Börsenwerts des Konzerns und bedrohen damit seine Existenz.

Im November scheiterte ein Versuch Dogans, den Steuerstreit durch einen Vergleich beizulegen. Vergangene Woche leitete die Staatsanwaltschaft dann auch noch ein Strafverfahren gegen Aydin Dogan ein, bei dem es um angebliche Verstöße gegen die Kapitalmarktvorschriften geht.

Kommentare (2)

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Minik

04.01.2010, 17:02 Uhr

Wegen dem Steuergeheimnis machen die staatlichen Stellen keine Angaben, woher die enormen Steuerschulden stammen.
Leider gibt die Dogan Group bis heute auch nicht an, woraus sich diese Stuerschulden zusammensetzen.
Stattdessen wird nur etwas von Missgunst des Premierministers mitgeteilt.
Es wird lediglich allgemein versucht den Eindruck zu erwecken, als die Türkei eine bananenrepublik wäre. Dem ist nicht so! Es würde sich sowohl Dogan Media Group als auch seriösen Journalismus zieren, wenn mal darüber berichtet würde, was das türkische Finanzamt der Dogan Group vorwirft. Welche konkreten Steuern sollen verkürzt worden sein?
Wenn die Dogan Group frei von Schuld sein sollte, soll sie doch ihre Steuer-Daten freigeben.
Allgemeine und unkonkrete Äußerungen über die Vorgänge schicken sich weder Dogan Media Group noch den ausländischen Journalisten berichterstattungen an.
ich würde mich sehr freuen, wenn Handelsblatt einen seriösen Journalisten auf die Spur schicken würde und nicht irgendwelche dubiosen Gerüchte Journalisten, der in Athen sitzend etwas über türkische Verhältnisse berichtet. Sehr schade.

Ayhan Ergen

04.01.2010, 22:17 Uhr

Es ist kein Zufall das über Türkische Regierung negativ berichtet wird.Denn irgend wie muss Aydin dogan gereinigt aus der Steuersache heraus kommen ,damit Axel Springer Verlag seine Pläne Realisierren kann.Seit Davos Forum habe ich noch nicht gesehen das über die Türkei etwas Positives gemeldet wir. Es gibt einen Türkischen Sprichwort.
"Der Wahrheitreder wird aus neun dörfen gejagt."

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