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17.09.2012

16:21 Uhr

Bahn-Kooperation

Google Maps zeigt künftig auch Zugreisen an

Googles Kartendienst Maps schlägt bald im Routenplaner auch Verbindungen der Bahn vor. Über die Kooperation will die Deutsche Bahn mehr Reisende in die Züge locken – und mehr Tickets im Internet verkaufen.

Die Bahn will mehr Kunden erreichen - Google soll dabei helfen. dpa

Die Bahn will mehr Kunden erreichen - Google soll dabei helfen.

BerlinÜber eine Kooperation mit Google will die Deutsche Bahn (DB) mehr Reisende für sich gewinnen. Der Internet-Riese zeigt in seinem Kartendienst Maps ab sofort den Fahrplan des Verkehrsunternehmens an. Wer eine Route berechnen lässt, könne sich neben Auto- und Fußgängerstrecken auch passende Züge vorschlagen lassen, teilten die Unternehmen am Montag in Berlin mit. Ein Link führt von der Funktion mit der Bezeichnung Transit zum Ticketkauf auf der Bahn-Website. Dort werden auch Verspätungen angezeigt. „Wir scheuen nicht den Vergleich mit anderen Verkehrsträgern“, sagte Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Personenverkehr.

Transit umfasst zunächst lediglich Züge der Deutschen Bahn, die Strecken von Konkurrenten des Quasi-Monopolisten und regionalen Verkehrsverbünden sind nicht integriert. Daran werde aber intensiv gearbeitet, sagte der zuständige Google-Manager Raphael Leiteritz. „Google Maps war jahrelang sehr autolastig“ - das ändere sich jetzt. Transit ist nach Angaben des Unternehmens für weltweit mehr als 500 Regionen und Städte verfügbar; Schwerpunkte sind Europa, die USA und Ostasien.

Die Bahn wolle künftig mehr Kunden im Internet erreichen, sagte Vertriebschefin Birgit Bohle. Ziel sei es, bis 2020 die Hälfte des Umsatzes über den Verkauf im Internet und auf mobilen Geräten zu erzielen - „das werden wir nicht nur über unsere eigene Plattform hinbekommen.“ Daher setze das Unternehmen auf Kooperationen. So könnten Reisende bislang beispielsweise schon über Websites wie Opodo und Ltur Tickets kaufen. Mit Transit könne das Unternehmen Kunden gewinnen, die sonst nicht mit dem Zug fahren würden, sagte Bohle.

Für die Vermittlung von Kunden zahle die Bahn kein Geld, erklärten die Unternehmen. Google fange an, sich über die Monetarisierung von Maps Gedanken zu machen, sagte Leiteritz - dabei stehe Werbung im Mittelpunkt.

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Einer offenen Verwendung von Fahrplandaten erteilte die Bahn eine Absage - eine „unkontrollierte Abgabe“, etwa an Open-Data-Projekte, werde es nicht geben, sagte Ulrich Homburg, Bahn-Vorstand für den Personenverkehr. Das Unternehmen müsse eine qualitativ hochwertige Aufbereitung der Daten gewährleisten.

Aktivisten fordern, dass die Informationen für jeden nutzbar in einem maschinenlesbaren Format zur Verfügung gestellt werden, damit beispielsweise Programmierer eigene Anwendungen schreiben können. Allerdings haben Entwickler rund um Michael Kreil selbst die Daten verschiedener Verkehrsunternehmen extrahiert und einen Teil davon unter offener Lizenz veröffentlicht.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Zweifler

18.09.2012, 12:57 Uhr

Die DB-Daten in Google sind wohl eher ein Rückschritt.

Während im DB-eigenen Auskunftssystem auch Züge anderer Bahnunternehmen vorkommen (ebenso Busse und Straßenbahnen) ist das in der Google-Maps-Version nicht mehr der Fall. Das ist eigentlich ziemlich bestürzend - zumal es einen Direktlink zur DB-Buchungsmaske gibt, die dann auch die unvollständigen Daten übernimmt. Damit bucht der Kunde mal eben eine langsamere oder teuere Verbindung als notwendig, und ihm wird eventuell eine unnötige Taxifahrt oder ein zu langer Fußweg empfohlen.

Beispiele findet man u.a. beim Fahrgastverband PRO BAHN (pro-bahn.de) unter dem Link "Aktuelles" (Eintrag vom 17.9.12).

Es gehört schon ziemlich viel Dummheit bei der DB AG dazu, das System Bahn auf diese Weise schlecht dastehen zu lassen, nur weil man der Konkurrenz nicht gönnt, dass der Kunde auch einige Kilometer mit Zügen und Bussen unterwegs ist, die nicht zu DB gehören. Damit werden sicher viele potentielle Kunden zur eigentlichen Konkurrenz abwandern: auf die Autobahn.

Und Google kann sich mit diesen unvollständigen Daten doch auch keinen Gefallen tun. Die Aussage ist doch: Meidet Google Transit! Zumindest, wenn man in Deutschland mit der Bahn unterwegs ist.

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