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22.07.2011

20:18 Uhr

Bayreuth

Ticketvergabe für Festspiele in der Kritik

VonChristoph Kapalschinski

Dunkle Wolken am Bayreuther Festspielhimmel: Kurz vor Beginn der Aufführungen am Montag kritisiert der Bundesrechnungshof die Ticketvergabe. Doch die Profiteure verteidigen vehement ihre Pfründe.

Szene aus "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen 2004. Quelle: dpa

Szene aus "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen 2004.

DüsseldorfDer Sternekoch Alexander Herrmann tritt im ZDF bei "Lanz kocht" auf, er moderiert die Sendung "Küchenschlacht", zwischendurch gibt er den Lebensmittelexperten in der ARD-Talkshow "Hart aber fair". Vor allem aber kocht Hermann im Romantikhotel "Zur Post", das im Besitz seiner Familie ist. Das liegt bei Bayreuth - und wenn dort die Festspiele beginnen, ist das Haus wochenlang ausgebucht. Auch dank einer Firma, die sich "Rheingold Opernreisen" nennt.

Die nämlich kassiert 1990 Euro für eine Übernachtung in dem Hotel - samt Eintrittskarte für den Tannhäuser. Nach Abzug der Zimmerpreise und dem Abendessen am Tag vor der Aufführung kostet eine Karte damit um die 1700 Euro. Im normalen Vorverkauf ist die teuerste Karte für 280 Euro zu haben.

Wer die Kontaktnummer von Rheingold Opernreisen anruft, landet direkt im Romantikhotel "Zur Post". Dort aber will niemand sagen, woher die Firma Rheingold die Karten hat oder wer hinter der Firma steht. Herrmanns Agentin teilt mit, der Koch sei zu der Frage nicht erreichbar.

Aus gutem Grund: Denn die Karten für die Festspiele sind hoch subventioniert vom Freistaat Bayern und vom Bund. Deshalb hat der Bundesrechnungshof die Kartenvergabe moniert. Der Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags belegt ein System von uralten Privilegien und Mauscheleien. Laut den Prüfern trägt es mit dazu bei, dass sich dubiose Zwischenhändler an den durch Subventionen verbilligten Karten bereichern können.

Der Bericht offenbart zudem erstmals, dass die Festspiele Karten direkt an mehr als 20 Reiseveranstalter vergeben - sie erhielten zwischen zehn und 516 Karten. "Eine schriftliche Vereinbarung darüber bestand nur in einem Fall", kritisieren die Rechnungshof-Mitarbeiter. Nicht einmal der Bund, der die Festspiele mit mehr als zwei Millionen Euro unterstützt, wusste von den Kontingenten.

Die Heimlichtuerei hat ihren Grund. In der Öffentlichkeit hatte die Leitung des Grünen Hügels stets die Legende von der Vergabe der Karten streng nach Warteliste verbreitet. "Ich wusste auch nichts über Reiseveranstalter-Kontingente", sagt Georg Freiherr von Waldenfels, ehemaliger bayerischer Finanzminister und heute als Vorsitzender des Fördervereins Freunde von Bayreuth Mitglied des Verwaltungsrats der Festspiele.

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