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01.07.2012

13:27 Uhr

Bayreuther Festspiele

Wucher mit Wagner

VonWolfgang Reuter

Wer die begehrten Wagner-Festspiele besuchen will, muss entweder viel Geduld haben oder Schwarzmarktpreise zahlen. Teils verlangen Händler Aufschläge von 550 Prozent. Die Veranstalter sind daran nicht ganz unschuldig.

Zuschauer genießen die Pause vor dem beleuchteten Bayreuther Festspielhaus. dpa

Zuschauer genießen die Pause vor dem beleuchteten Bayreuther Festspielhaus.

DüsseldorfWer nach Bayreuth will, muss Geduld haben: Bis zu zehn Jahre müssen Normalsterbliche auf Tickets für die begehrten Wagner-Festspiele warten. Und das hat - oder hatte - auch seinen Grund.

Bis zum vorigen Jahr kamen stets nur 40 Prozent der insgesamt knapp 60.000 Karten in den freien Verkauf. Zudem war die Ticketvergabe intransparent, was der Bundesrechnungshof wie auch der Landesrechnungshof Bayern immer wieder kritisiert hatten.

Nicht nur der Förderverein „Freunde von Bayreuth“ erhielt üppige Kontingente, auch die Gewerkschaft und Reiseveranstalter wurden bedacht. In diesem Jahr aber hat der Verwaltungsrat der Festspiele die Kartenzuteilung eingeschränkt - viele Reiseveranstalter und Gewerkschafter gehen leer aus.

Das erhöhte Angebot im freien Verkauf geht jedoch nicht etwa zulasten des Schwarzmarkts: Auf Ebay sind bis gestern bereits mehr Festspielkarten verkauft worden als im gesamten vergangenen Jahr - nämlich 525. Dabei beginnt das Opernspektakel erst in vier Wochen, die letzte Aufführung ist am 28. August. Der durchschnittliche Aufpreis, den Käufer bei Ebay bezahlen, liegt fast unverändert bei 139 Prozent - im vergangenen Jahr waren es 136 Prozent.

Die Auktionspreise sagen viel über die Beliebtheit der einzelnen Werke beziehungsweise deren Inszenierungen aus. Absoluter Renner ist „Der Fliegende Holländer“, für den Wagner-Fans einen Aufschlag auf den Originalpreis von durchschnittlich 217 Prozent bezahlen - was sich allerdings damit erklären lässt, dass es sich hierbei um eine Neuinszenierung des 30-jährigen Opernregisseurs Jan Philipp Gloger handelt und somit um die einzige echte Premiere. Am Pult steht Christian Thielemann, ein beliebter Wagner-Dirigent.

Ein echter Ladenhüter ist dagegen der mittlerweile acht Jahre alte „Tristan“ von Christoph Marthaler. Karten für diese Aufführung wechseln im Schnitt für nur 80 Prozent Aufschlag den Besitzer. Der im vergangenen Jahr neu inszenierte und von Kritikern völlig verrissene „Tannhäuser“ von Sebastian Baumgarten bringt es nur auf eine durchschnittliche Wertsteigerung von 102 Prozent. Doch auch die Verteilung der Schwarzmarktpreise auf die verschiedenen Ticketkategorien ist interessant. Die billigste Karte, ein reiner Hörplatz ohne Sicht auf die Bühne, kostet im regulären Verkauf gerade mal acht Euro, für Tickets mit leichter Sichteinschränkung werden 15 Euro fällig, es folgen 40 weitere Kategorien, wobei die teuerste Karte stolze 280 Euro kostet.

Kommentare (2)

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ein_Liberaler

01.07.2012, 17:29 Uhr

Warum versteigert Bayreuth die Karten nicht von vorneherein zeitlich gestaffelt bei ebay? Die Mehreinnahmen sollte Bay- reuth selbst erzielen, nicht irgendwelche Außenstehenden.Das bringt mehr Geld für Veranstaltungen und weniger Subventions-bedarf der öffentlichen Hand.

Account gelöscht!

01.07.2012, 19:40 Uhr

Ich finde die Idee mit dem pauschalen Aufschlag nicht schlecht. Dann würden gleiche Bedingungen für alle herrschen und gute Musik wäre nicht mehr länger nur Wohlhabenden vorbehalten.

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