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17.07.2015

19:07 Uhr

BBC-Krise

James Bond kämpft für den Staatssender

Die BBC steht für Großbritannien wie die Queen. Nun droht ihr aber eine existenzielle Krise: Die Konservativen nutzen ihre neue Mehrheit, um dem Senderverbund die Zähne zu zeigen. Doch es gibt Widerstand.

Schauspieler Daniel Craig kämpft gegen den Sparkurs bei der BBC. Reuters

Im Auftrag ihrer Majestät

Schauspieler Daniel Craig kämpft gegen den Sparkurs bei der BBC.

LondonWenn James Bond und seine Chefin „M“ gemeinsam der britischen Regierung die Meinung sagen, muss es ernst sein. Glaubt man der Zeitung „Telegraph“, dann führen die Mächtigen in London gerade Krieg. Krieg gegen eine Institution, die zu ihrem Land gehört wie rote Doppeldeckerbusse und Soldaten mit Fellmützen: die BBC.

Das hat nicht nur Bond-Darsteller Daniel Craig und die frühere „M“-Darstellerin Judi Dench auf den Plan gerufen, sondern weitere Größen der britischen Unterhaltungsindustrie wie Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, Schauspielerin Rachel Weisz („Das Bourne Vermächtnis“) und Tierfilmer-Ikone David Attenborough. In einem offenen Brief stellten sie sich diese Woche hinter die Rundfunkanstalt und gegen das, was ihr in den kommenden Monaten drohen dürfte.

Der Senderriese BBC

Radio und Fernsehen

Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Großbritanniens. Sie nahm den Sendebetrieb 1922 in London auf. Seit 1927 sind ihre Aufgaben und ihre Struktur über die Royal Charter geregelt, die Grundlage für die Arbeit der BBC-Sender. 1936 kam zum Radiobetrieb auch das Fernsehen.

International erfolgreich

Die BBC betreibt Dutzende nationale und regionale Fernseh- und Radiokanäle und sendet über ihren BBC World Service in rund 30 Sprachen. Ihr kommerzieller Arm BBC Worldwide vertreibt Formate im Ausland und macht Millionengewinne.

Gebührenfinanziert

Zu mehr als drei Vierteln wird die Sendeanstalt über Gebühren finanziert. Im Geschäftsjahr 2014/14 hatte die BBC insgesamt 4,8 Milliarden Pfund zur Verfügung (6,9 Milliarden Euro), davon 3,7 Milliarden aus Gebühren.

Historische Momente

Die BBC hatte an historischen Momenten Großbritanniens Anteil: 1932 übertrug sie im Radio erstmals eine Rede von König George V. und zeigte im Fernsehen live die Olympischen Spiele 1948 in London und die Krönung von Queen Elizabeth II. 1953.

Eine „gründliche Überprüfung“ steht der BBC bevor, wie der Minister für Medien, John Whittingdale, es ausdrückt. Prüfen lassen wolle er, ob die BBC weiter „alles für alle“ produzieren oder „zielgerichteter“ arbeiten solle. Hintergrund ist, dass die gesetzliche Grundlage der BBC, die Royal Charter, nur noch bis Ende 2016 gilt. Sie legt den öffentlichen Auftrag und die Struktur der Sendergruppe fest.

Die BBC bietet tatsächlich jedem etwas. Sie ist eine der bekanntesten, größten und in den Augen vieler auch besten Senderfamilien der Welt. Nachrichten rund um die Uhr, Dutzende nationale und regionale Fernseh- und Radiosender und ein unerschöpfliches Online-Angebot. Aus der BBC-Werkstatt kommen Exportschlager wie die Serie „Sherlock“ und die Kult-Autosendung „Top Gear“. Regelmäßig wird ihr aber auch Verschwendung vorgeworfen, weil sie zu viel Geld für teure Stars ausgebe.

In den vergangenen Jahren hat die British Broadcasting Corporation, dafür steht BBC, eine ihrer schwersten Krisen durchgemacht, nachdem ihrem 2011 gestorbenen Starmoderator Jimmy Savile Kindesmissbrauch in schier unglaublichem Ausmaß nachgewiesen wurde. Die Aufarbeitung lief zunächst schleppend an, das kostete die BBC Glaubwürdigkeit und einen Intendanten den Job. Am Status der Sendeanstalt in Großbritannien änderte es aber nicht grundsätzlich etwas. Der internationale kommerzielle Arm BBC Worldwide macht Millionengewinne.

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