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12.05.2016

17:10 Uhr

BBC soll reformiert werden

Verjüngungskur für die alte Tante

VonKatharina Slodczyk

Die britische Regierung will die BBC reformieren: Der Traditionssender soll effizienter und transparenter werden. Offenbar schaltete sich der britische Premier Cameron persönlich in die Debatte ein.

Nach Skandalen um Verschwendung und Intransparenz verordnet die britische Regierung der BBC ein Reformprogramm. Reuters

Effizienzprogramm

Nach Skandalen um Verschwendung und Intransparenz verordnet die britische Regierung der BBC ein Reformprogramm.

LondonEinige Wünsche sind offenbar von ganz oben gekommen: Großbritanniens Premier David Cameron hat sich Medienberichten zufolge persönlich in die Debatte um die Reform der Traditionsinstitution BBC eingemischt. Er will demnach, dass die Regierung künftig einen beträchtlichen Teil eines neuen BBC-Führungsgremiums bestimmt und die frühere Financial-Times-Managerin Rona Fairhead an die Spitze rückt.

Das verlängert jetzt die Liste der Reibungspunkte im ohnehin schon gespannten Verhältnis zwischen der BBC und der Regierung gesorgt und sorgt für neue Debatten um die Unabhängigkeit der „alten Tante“, wie viele Briten die 94 Jahre alte Institution nennen. Hauptauslöser dafür sind die Reformpläne der Regierung, die Camerons Medienstaatssekretär John Whittingdale am Donnerstag vorgestellt hat. Damit verfolgt die Regierung in erster Linie zwei Ziele: Die Lenkung der BBC soll vereinfacht werden – durch die Einführung eines neuen übergreifenden Boards, das Schluss machen soll mit dem Nebeneinander verschiedener Gremien. Parallel dazu soll die Rundfunkanstalt transparenter werden, wenn es um die Honorare ihrer Stars geht – und auch effizienter, um mit weniger Geld auszukommen.

In den vergangenen Jahren hat eine Reihe von Affären Zweifel an den Führungsstrukturen der BBC aufgeworfen und die Reputation beschädigt. So kam vor etwa vier Jahren heraus, dass der inzwischen verstorbene Entertainer Jimmy Savile, der einst zu beliebtesten BBC-Moderatoren zählte, über lange Zeit hinweg Kinder missbraucht hat. Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass die BBC kritische Berichte der eigenen Journalisten verhindert hat.

Der Senderriese BBC

Radio und Fernsehen

Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Großbritanniens. Sie nahm den Sendebetrieb 1922 in London auf. Seit 1927 sind ihre Aufgaben und ihre Struktur über die Royal Charter geregelt, die Grundlage für die Arbeit der BBC-Sender. 1936 kam zum Radiobetrieb auch das Fernsehen.

International erfolgreich

Die BBC betreibt Dutzende nationale und regionale Fernseh- und Radiokanäle und sendet über ihren BBC World Service in rund 30 Sprachen. Ihr kommerzieller Arm BBC Worldwide vertreibt Formate im Ausland und macht Millionengewinne.

Gebührenfinanziert

Zu mehr als drei Vierteln wird die Sendeanstalt über Gebühren finanziert. Im Geschäftsjahr 2014/14 hatte die BBC insgesamt 4,8 Milliarden Pfund zur Verfügung (6,9 Milliarden Euro), davon 3,7 Milliarden aus Gebühren.

Historische Momente

Die BBC hatte an historischen Momenten Großbritanniens Anteil: 1932 übertrug sie im Radio erstmals eine Rede von König George V. und zeigte im Fernsehen live die Olympischen Spiele 1948 in London und die Krönung von Queen Elizabeth II. 1953.

Dem Sender wird außerdem ein zu verschwenderischer Umgang mit Gebührengeldern vorgeworfen. So musste Generaldirektor Tony Hall zugeben, 100 Millionen Pfund für ein Digitalprojekt verschwendet zu haben. Dabei war Hall eigentlich als Sparkommissar angetreten.

Die nationale Institution kommt daher um Veränderungen nicht herum. Die Regierung will, dass künftig mindestens die Hälfte der Direktoren in dem neuen Führungsgremium von der Rundfundanstalt selbst ernannt wird und der andere Teil von der Politik. Das geht der BBC jedoch zu weit. Die Rundfunkanstalt will, dass die Regierung nur zwei der insgesamt voraussichtlich zwölf bis 14 Mitglieder bestimmt: den Chairman und seinen Stellvertreter. Generaldirektor Hall kündigte daher am Donnerstag an, man werde die Diskussion mit der Regierung in der Sache fortsetzen. „Es ist unerlässlich für die Zukunft der BBC, dass die Unabhängigkeit in jeder Beziehung erhalten bleibt.”

Die Reform sieht ebenfalls vor, dass die BBC den Namen aller Mitarbeiter veröffentlicht, die auf ein Jahreseinkommen von 450.000 Pfund (umgerechnet 570.000 Euro) und mehr kommen. Der Sender müsse sich der Öffentlichkeit gegenüber stärker erklären, begründete Whittingdale den Schritt. Die Rundfunkgebührenzahler müssten wissen, wofür ihr Geld ausgegeben werde. Diese Auflage könnte jedoch dazu führen, dass einige populäre Moderatoren, die ihre Vergütung eigentlich nicht öffentlich machen wollen, sich einen anderen Arbeitgeber suchen – so die Befürchtung der BBC.

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