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20.12.2011

10:18 Uhr

Beck fordert Aus

Digitalkanälen von ARD und ZDF geht es an den Kragen

VonHans-Peter Siebenhaar

Die digitalen Kanäle von ARD und ZDF werden Kurt Beck allmählich zu teuer: Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder fordert Sparsamkeit und jetzt sogar ihr Ende. Auch zur GEZ-Gebühr hat er eine klare Meinung.

Der rheinland-pfaelzische Ministerpraesident Kurt Beck (SPD) will sparsame öffentlich-rechtliche Sender dapd

Der rheinland-pfaelzische Ministerpraesident Kurt Beck (SPD) will sparsame öffentlich-rechtliche Sender

DüsseldorfNach der Verabschiedung der neuen Rundfunkgebühr ab 2013 durch alle 16 Bundesländer schlägt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck (SPD), ungewöhnlich scharfe Töne gegenüber ARD und ZDF an.

Der SPD-Politiker fordert die Einstellung von vier Digitalkanälen von ARD und ZDF und eine neue Kultur des Sparens. Beck sagte der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Promedia", die Öffentlich-Rechtlichen sollten "zeitgemäße, den finanziellen wie programmlichen Herausforderungen entsprechende Strukturen" schaffen. "Insofern könnte ich mir vorstellen, dass ARD und ZDF zunächst ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentationskanal stärken."

Die digitale Welt von ARD und ZDF

Die digitale Welt von ARD und ZDF

Kurt Beck fordert die Einstellung von vier Digitalkanälen von ARD und ZDF und eine neue Kultur des Sparens. Er könnte sich vorstellen, dass ARD und ZDF zunächst ihre Infokanäle aufgeben und Phoenix als gemeinsamen Ereignis- und Dokumentationskanal stärken. Ein Überblick über die digitale Fernsehwelt der Sender.

Eins Extra

Tagesschau im Viertelstundentakt, Nachrichten rund um die Uhr, zumindest über weite Strecken des Tages. Vieles wird von den Dritten Programmen und der Tagesschau-Redaktion wiederverwertet, aber einen schnellen Überblick bietet Eins Extra allemal.

Eins Plus

Das Familienprogramm versteht sich als qualitativ „hochwertiges Service-Angebot“, das grundsätzliche Kenntnisse über wissenschaftliche, gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge vermitteln will.

Eins Festival

Wie der Name schon sagt, sind Showevents ein wesentliches Element. Doch das Programm ist insgesamt ein Mischmach als Wiederholungen von Dokumentation, Serien á la „Sturm der Liebe“ und Filmen.

ZDF Neo

ZDF Neo ist aus dem Dokukanal hervorgegangen und soll vor allem jüngere Zuschauer ansprechen. Lebensnah soll das Programm sein. Es besteht aus sogenannten „Factual Entertainment-Formaten“, Servicesendungen, Dokumentationen, Musiksendungen, Spielfilmen, internationalen Kaufserien und Comedy-Formaten.

ZDf Info

ZDF Info steht für Information, Hintergrund und Service. Schwerpunkte bilden die Ressorts Zeitgeschichte, Europa, Politik, Wissen, Expedition und Gesellschaft. Der Kanal will durch crossmediale Verwertung "eine Brücke in die Welt der politischen Diskussion und Meinungsbildung im Internet" schlagen, und "Fernsehen zum Mitreden“ bieten.

ZDF Kultur

ZDF Kultur versteht sich als "Spiegelbild eines veränderten Lebensgefühls und Kulturverständnisses, das Hochkultur und Popkultur miteinander verbindet". Tragende Programmsäulen sind Popkultur und alle Formen des Spiels - vom Theaterspiel bis zur Netz- und Computerspielkultur. Vor allem Musikrichtungen, wie Indie-Rock und -Pop, Heavy Metal, Hip-Hop, Jazz oder Electronic Music finden in ZDF Kultur ihre Heimat.

Auch ZDF Kultur und Eins Plus hält Beck für überflüssig. "Auch sehe ich keine Notwendigkeit, neben den hervorragenden Kultursendern Arte und 3Sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten", sagte Beck.

Derzeit betreiben ARD und ZDF jeweils drei Digitalkanäle, die ausschließlich über Rundfunkgebühren finanziert werden. Mit ihren Digitalkanälen wollen die Anstalten jüngere Zielgruppen ansprechen. Denn im Hauptprogramm leiden sie unter einer Überalterung ihrer Zuschauerschaft.

Die ARD reagierte auf die Kritik Becks mit Verständnislosigkeit. Schließlich erfülle die ARD mit ihren Digitalkanälen einen Auftrag, der im Rundfunkstaatsvertrag, beschlossen von den Länderchefs, festgelegt worden sei.

Kommentare (100)

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Quentin_Quencher

20.12.2011, 07:12 Uhr

Ich bin da völlig anderer Meinung. Das Hauptprogramm von ARD und ZDF gehört abgeschafft, die Digitalkanäle sind dagegen recht brauchbar, mitunter.

Bremer

20.12.2011, 07:45 Uhr

Endlich mal einer der mit der Faust auf dem Tisch haut, hoch lebe Kurt Beck! ..wenn er nach seinen Worten auch Taten vollbringt, hebt der sich schon allein dadurch von anderen Politikern ab. ..denn ansonsten quatschen die ja nur viel, machen aber nichts.

R.Q.

20.12.2011, 07:55 Uhr

Die Aussage VPRT-Vorsitzenden Jürgen Doetz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen "nicht alles was gesetzlich erlaubt ist sollte auch gemacht werden"! Das aus dem Munde eines Vertreters der Sender die dafür bekannt sind grundsätzlich mehr zu machen als gesetzlich erlaubt.
R.Q.

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