Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2004

08:17 Uhr

Bei Prognosen noch vorsichtig

Milchstraßen-Verlag beendet Stellenabbau

Nach einer jahrelangen Schlankheitskur hat das Unternehmen eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat geschlossen: Weitere betriebsbedingte Kündigungen sind vorerst ausgeschlossen.

lip HAMBURG. Die Verlagsgruppe Milchstraße, einer der führenden mittelständischen Magazinverlage Deutschlands (Max, Amica, Fit for Fun, TV Spielfilm), hat nach einer dreijährigen Restrukturierungsphase den Stellenabbau gestoppt. Das Hamburger Medienunternehmen vereinbarte mit dem Betriebsrat einen Beschäftigungspakt, der für die noch rund 500 im Konzern verbliebenen Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen für 2004 ausschließt. „Nach einer schwierigen Phase in der Medienwirtschaft in den vergangenen drei Jahren wollen damit beide Seiten Ruhe und Sicherheit in das Unternehmen bringen“, sagte eine Sprecherin der Verlagsgruppe Milchstraße dem Handelsblatt.

Dies ist auch notwendig: Denn das Verlagshaus hat seit 2001 die Zahl seiner Mitarbeiter fast halbiert und damit die Motivation vieler Redakteure erheblich gedrückt. Allein 2003 sprach das Printunternehmen nach Angaben des Betriebsrats noch betriebsbedingte Kündigungen für mehr als 100 Mitarbeiter aus. Betroffen von der Maßnahme waren laut Betriebsrat die Verwaltung und das Archiv sowie die beiden Magazintitel „Cinema“ und „TV Spielfilm“.

Hintergrund der drastischen Schlankheitskur seit 2001 war vor allem die schwere Werbekrise in Deutschland. Sie führte zu einem rückläufigen Anzeigengeschäft sowie Auflageverlusten. Bereits im Juli 2001 trennte sich der Verlag von der New-Economy-Zeitung „Net Business“. Dies führte im Folgejahr 2002 zu einem Umsatzrückgang um 17 % auf 189 (223) Mill. Euro. Wie sich Umsatz und Ertrag 2003 entwickeln, wollte der Konzern nicht sagen.

Auch mit Prognosen für 2004 hält sich die Verlagsgruppe bedeckt. Grund hierfür ist möglicherweise, dass die Auflagenzahlen vieler Titel weiter rückläufig sind. Dazu gehört unter anderem das Flaggschiff „TV Spielfilm“. Der Programmtitel unterschritt im dritten Quartal 2003 die Grenze von zwei Millionen Exemplaren – ein Jahr zuvor waren es rund 80 000 Exemplare mehr gewesen. Auch die verbreitete Auflage der Frauenzeitschrift „Amica“ ging im dritten Quartal zurück – auf rund 247 000 Exemplare, nach 317 000 im gleichen Vorjahresquartal. Beim Lifestyle-Magazin „Max“ verringerte sich die Auflage im Berichtszeitraum auf 222 700 (drittes Quartal 2002: 275 624) Exemplare. Auch das Gesundheitsmagazin „Fit for Fun“ verzeichnet knapp 35 000 Exemplare weniger und kam im dritten Quartal 2003 auf rund 294 000.

Der Verlag kontert mit der jüngsten Media-Analyse: Die Titel der Verlagsgruppe hätten mit rund neun Millionen Lesern im derzeitigen Wettbewerbsumfeld eine „gute Marktposition“ bewiesen, heißt es. Vor allem „TV Spielfilm“ liege mit 6,64 Millionen Lesern mit dem Wettbewerber „TV Movie“ aus dem Hamburger Heinrich Bauer Verlag gleichauf.

Um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu steuern, hat sich Milchstraßen-Verleger Dirk Manthey 2003 mit einigen zaghaften Neuentwicklungen versucht. Dazu gehören die zweimal jährlich erscheinende „Amico“, der männliche Ableger der Frauenzeitschrift „Amica“, sowie das Lifestyle-Magazin „My Life“, das 2004 viermal erscheinen soll.

Ein weiterer Magazin-Titel soll nach Informationen aus Kreisen des Verlags im September in die Kioske kommen: „Wir stehen in den Startlöchern und hoffen, dass sich in diesem Jahr das wirtschaftliche Umfeld im Vertriebs- und Anzeigenmarkt ändert. Dann ist auch die Verlagsgruppe Milchstraße wieder bereit, sich verstärkt in neuen Titeln zu engagieren“, sagte eine Firmensprecherin.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×